Weiter Unruhe bei der WAZ-Mediengruppe

Der Kampf um die Kontrolle der WAZ-Mediengruppe geht in die nächste Runde: Petra Grotkamp, Angehörige des Funke-Stammes, will den 50-Prozentanteil der Brost-Familie übernehmen. Allerdings kündigte nun der Funke-Sprecher Klaus Schubries in einem W&V-Interview an, weiterhin auf die Sperrminorität seiner Gruppe, der auch Petra Grotkamp angehört, zu pochen. Unterdessen muss sich WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus noch mit einer möglichen WDR-Klage wegen eines umstrittenen FAZ-Interviews rechnen.

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In dem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte der WAZ-Geschäftsführer gesagt, dass ARD und ZDF Politiker "sofort mit kritischer Berichterstattung in ganz anderen Punkten" überziehen würden, wenn sie kritische Fragen in Richtung der öffentlich-rechtlichen Sender stellten. Weiter sagte er, dass der WDR im Landtag von Nordrhein-Westfalen sogar "Abgeordneten gedroht" haben soll, "wenn sie gegen die Mediengebühr stimmten". Dann "würde das in der WDR-Berichterstattung Folgen haben".

Nach Informationen der taz erwägt der NRW-Sender nun rechtliche Schritte, weil die Anschuldigungen bislang nicht belegt wurden. Auch das Landtags-Präsidium will sich noch einmal mit dem Fall beschäftigen.

Dabei hat Nienhaus gerade mit seinem Job als WAZ-Geschäftsführer genug zu tun. In der traditionellen Doppelspitze des Verlages ist der ehemalige Springer-Manager der Vertreter der Funke-Gruppe. Spätestens seit sich Petra Grotkamp am gestrigen Nachmittag via Statement zu Nienhaus bekannt hatte, sah alles danach aus, als ob er der neue starke Mann in Essen werden würde.

Allerdings gibt es nun die nächsten Störmanöver, die die Übernahme der WAZ-Mehrheit durch Petra Grotkamp erschwert. Bislang hält die Frau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp einen Anteil von 16,67 Prozent an dem Medienhaus. Ihr Besitz gehört zum 50-Prozent-Anteil der Funke-Gruppe an der WAZ. Bislang hat die Familien-Holding mit Klaus Schubries als Sprecher eine eindeutige Sperrminorität.

Was passiert jedoch mit der Sperrminorität, wenn Petra Grotkamp ihre 16,67 Prozent aus der Funke-Hälfte auslöst und auf einmal 66,67 Prozent an dem Medienhaus hält? Kontrolliert sie dann den Verlag alleine? Nein, meint Schubris in der W&V. "Das ist ausgeschlossen. Sie würde zusätzlich zu ihren bisherigen Anteilen die Position der Brost-Seite übernehmen. Die bisherigen Abstimmungsquoren blieben davon aber unberührt. Das ist in den Verträgen der Funke-Familiengesellschaft so festgelegt".

Allerdings begrüßt der Funke-Sprecher grundsätzlich die Übernahme-Pläne: "Ich gehe davon aus, dass sich das positiv auf das Unternehmen auswirkt."

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