Apple: Neue iPods für neue Hochs

Die hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Apple präsentierte gestern Abend deutscher Zeit im Yerba Buena Center in San Francisco den erhofften Mix an Produktneuheiten – neues iTunes, neue iPods, ein neues AppleTV und sogar ein eigenes Social Network. Während die überarbeitete Set-Top-Box und das Musik-Netzwerk „Ping“ für die meisten Schlagzeilen sorgten, ist das Komplett-Upgrade der iPod-Reihe die bei weitem wichtigste Neuerung. Die Wall Street bescheinigt Apple, alles richtig gemacht zu haben.

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Die hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Apple präsentierte gestern Abend deutscher Zeit im Yerba Buena Center in San Francisco den erhofften Mix an Produktneuheiten – neues iTunes, neue iPods, ein neues AppleTV und sogar ein eigenes Social Network. Während die überarbeitete Set-Top-Box und das Musik-Netzwerk „Ping“  für die meisten Schlagzeilen sorgten, ist das Komplett-Upgrade der iPod-Reihe die bei weitem wichtigste Neuerung. Die Wall Street bescheinigt Apple, alles richtig gemacht zu haben.

Wenn Apple-CEO Steve Jobs alles gesagt und gezeigt hat, kennt die Wall Street eigentlich nur noch einen Reflex: Den Verkaufsknopf zu betätigen. „Eigentlich sollte Apple alle Presse-Events mit dem Statement beenden: Vielen Dank für die Veranstaltung, Sie können jetzt beginnen, Ihre Aktien zu verkaufen“, kommentierte der Vermögensverwalter Timothy Collins halb scherzhaft den Automatismus, der reflexartig nach so ziemlich jedem Apple-Event einsetzt. Das Motto erscheint nur allzu logisch: Die News ist raus, damit fehlt erst mal die Fantasie, die Luft aus der Aktie ist also raus.

Gestern indes griff diese ungeschriebene  Börsenregel des „Fait accompli“ zunächst nicht, wie auch Collins bemerkte: „Bisher fiel der Rückgang sehr milde aus, es wird interessant sein zu sehen, ob Apple die 250 Dollar-Marke halten kann“. Sie hielt. Um mehr als sieben Dollar oder drei Prozent stieg die zuletzt im Abwärtstrend trudelnde Aktie wieder an und eroberte damit erstmals seit zwei Wochen die psychologisch wichtige 250-Dollarmarke zurück. In anderen Worten: Die Wall Street reagierte positiv auf Apples Presse-Event am gestrigen Abend im Yerba Buena Center in San Francisco.

AppleTV und Ping mit Schlagzeilen, iPods im Anleger-Fokus

Das dürfte weniger an den Neuheiten gelegen haben, die die meisten Schlagzeilen auf sich zogen. Das neue Musik-Social Network Ping, das durch seine Einbettung in iTunes jedoch relativ wenig Relevanz besitzt, und auch das generalüberholte AppleTV, mit dem das Kultunternehmen aus Cupertino einen erneuten Angriff aufs Wohnzimmer startet, sind gut für Schlagzeilen – große Umsätze sind indes nicht von den Produktneuheiten zu erwarten. Von Ping als nettem neuen iTunes-Feature schon gar nicht, von der aggressiv gepreisten Set-Top-Box Apple TV, die nur 99 Dollar kostet und Apple-CEO Steve Jobs bis heute als „Hobby“ bezeichnet, eher auch nicht – deswegen war es sie auch nur das ‚one more thing’ und nicht der Schwerpunkt der Presse-Veranstaltung.

Dieser gehört erwartungsgemäß der einer anderern Produkt-Kategorie, die Apples enormes Comeback im vergangenen Jahrzehnt überhaupt erst befeuert hatten – den iPods. Seit der Einführung des iPhones vor drei Jahren ist der MP3-Player indes immer mehr aus dem Fokus der Betrachter gerückt – sehr zu unrecht, denn die iPod-Sparte ist mengenmäßig noch immer die absatzstärkste. 9,4 Millionen iPods setzte im vergangenen Quartal ab: Das waren immer noch eine Million mehr verkaufte iPods als iPhones.  Auch wenn die Absätze durch die mobile Konkurrenz aus dem eigenen Haus in Form des iPhones zuletzt um 8 Prozent zurückgingen, ist die iPod-Sparte immer noch für Milliarden-Umsätze gut: In den vergangenen drei Jahren fuhr Apple im Weihnachtsquartal mit den iPods jeweils mehr als 3 Milliarden Dollar ein!

Alle Augen auf den iPod touch – das iPhone 4 ohne Telefon

Und dann gibt es in der iPod-Produktlinie auch noch einen echten Wachstumstreiber: Die Absätze des hochpreisigen iPod touchs zogen im abgelaufenen dritten Quartal allein um 48 Prozent an. Entsprechend viel beachtet wurde gestern die Rundumerneuerung, die die Erwartungen vollauf erfüllte: Der neue iPod touch sieht nicht nur aus wie das neue iPhone 4 aus – es kommt auch mit praktisch allen neuen Features inklusive Retina-Display, Video-Kamera und dem FaceTime-Videochat daher.

Aufgrund der noch immer massiven Lieferschwierigkeiten, die die Telekom zuletzt hat unverhohlene Beschwerden gegen Apple aussprechen lassen, kommt dem Launch des iPod touchs dieses Jahr eine weitaus größere Bedeutung zu: Während das iPhone 4 für viele Apple-Fans wegen der Lieferengpässe, der Providerbindung oder der Länderbeschränkung weiter aktuell nicht in Frage kommt, wird mit dem neuen iPod touch in den nächsten Wochen ein fast gleichwertiges Gerät zu einem erschwinglichen Preis von 229 Dollar / Euro in den Handel kommen. Der iPod touch könnte damit vor seinem stärksten Quartal aller Zeiten stehen.

Entsprechend optimistisch äußerten sich dann auch Technologie- und Wall Street-Experten zu Apples Event in ersten Statements. „Auch wenn es einem nicht gefällt, hat Apple erneut den Standard in der Technologie-Welt angehoben“, erklärte etwa der frühere Hedgefondsmanager und ehemalige FoxNews-Moderator Cody Willard, der dann auch gleich ein neues Kursziel herausgibt: 350 Dollar – bis Jahresende. Das wären schlappe 100 Dollar mehr als gestern zu Handelsschluss. Auch hier wurde der Standard angehoben, und die Wall Street scheint zu folgen – zunächst einmal.

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