Groupon: PR-Boss nach Mason-Memo weg

Die Nerven liegen beim viel gehypten Aufsteiger Groupon offenbar blank: Statt mit dem angekündigten Börsengang macht das Start-up mit einer Schmähschrift ihres Gründers Schlagzeilen. Andrew Mason platzte nach der vielen Häme der vergangenen Wochen offenkundig der Kragen. Er rechnete mit seinen Kritikern in einer Mail an die Mitarbeiter ab. Dummerweise könnte die gegen die Schweigekriterien vor einem Börsengang verstoßen. Groupons PR-Chef verließ unterdessen das Start-up – nach nur zwei Monaten!

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Gut gemachte PR ist längst eine nötige Voraussetzung eines erfolgreichen Börsengangs – erst recht, wenn man als junges Internet-Unternehmen, das noch kräftig Geld verliert, das Vertrauen von Investoren gewinnen will.  

Wie man es eher nicht macht, hat nun das Schnäppchenportal Groupon vorgemacht. Lange wurde das nicht mal drei Jahre alte Start-up aus Chicago für sein explosives Wachstums gefeiert – "Forbes Magazin" adelte Groupon zum "schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt", nachdem die Umsätze 2010 um astronomische 2200 Prozent angezogen waren.

So viel Wachstum rief jedoch auch Skeptiker auf den Plan, die dann schnell einige Haare in der Konzernbilanz fanden. Die hohen Umsätzen waren mit happigen Verlusten bezahlt, das Wall Street Journal erhob Zweifel an den Bilanzierungsmethoden des Internet-Überfliegers, die US-Börsenaufsicht SEC lehnte den Emissionsprospekt bereits zum zweiten Mal ab. Henry Blodget wies erst vorvergangene Woche darauf hin, dass Groupons Barmittel schwinden.

Mitarbeitermail: Verstoß gegen Quiet Period?

So viel negative Presse war Shootingstar Andrew Mason wohl nicht gewohnt. Er wandte sich daher in seinem Brandbrief an seine Mitarbeiter. Tenor: Alles so nicht richtig. Geld werde nicht verbrannt, sondern generiert. Die Art und Weise jedoch, wie detailliert Mason seine Mitarbeiter über die jüngste Geschäftsentwicklung informierte, könnte Groupon nun in Schwierigkeiten bringen.

Traditionell befinden sich Konzernchefs von Unternehmen, die an die Börse streben, in einer von der US-Börsenaufsicht auferlegten "Quiet Period" – in einer Schweigeperiode, in der sie der Öffentlichkeit nichts über die zukünftige Geschäftsentwicklung sagen dürfen, was über den Emissionsprospekt hinaus geht.

PR-GAU: Vize-Kommunikationschef geht nach 2 Monaten

Hier beginnt die Angelegenheit für den 30-Jährigen Groupon-Gründer brenzlig zu werden. Hat Mason etwas Neues gesagt, was Investoren in ihrer zukünftigen Zeichnungsentscheidung beeinflussen könnte? Und war das Mitarbeiterschreiben nun öffentlich oder nicht? Angesichts von einer Belegschaft, die inzwischen auf über 10.000 gewachsen ist,  erscheint es nicht besonders überraschend, dass Masons Memo den Weg zur prominenten Tech-Bloggerin Kara Swisher vom Wall Street Journal fand, die die Mail einen Tag später veröffentlichte.

Ein veritabler PR-GAU, der das IPO verzögern könnte, war entstanden. In solchen Fällen wird schnell die Frage nach der richtigen Krisenkommunikation laut. Bei Groupon schlug sie nicht nur fehl – sondern sogar ins Gegenteil um: Wie der "Alley Insider" berichtet, ist der PR-Boss Bradford Williams nämlich seit vergangener Woche nicht mehr für das Start-up tätig – nach nur zwei Monaten.

Man habe sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, ließ Groupon verlauten. PR-Mann Williams hatte zuvor erklärt: "Wir haben gemeinsam herausgefunden, dass es nicht passt." Übersetzt man den PR-Sprech, lautet das nicht anders als: Es hat geknallt. Bleibt die Frage: Vor oder nach dem Memo. Normalerweise hätte der Vize-Kommunikationschef das kontroverse Schreiben einsehen und vom Versand abraten müssen. Dazu kam es offenbar nicht (mehr).

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