FTD: Wie die WAZ umgebaut werden soll

Noch ist die Übernahme der Mehrheit an der WAZ durch Petra Grotkamp nicht vollzogen, und doch scheint die Frau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp bereits konkrete Pläne zu verfolgen, wie sie die Mediengruppe umbauen will. Laut Financial Times Deutschland will sich die neue Eignerin auf das Geschäft mit den Regionalzeitungen konzentrieren. Zudem hat die FTD aus dem WAZ-Umfeld erfahren, dass der von der Funke-Familie entsandte Geschäftsführer Christian Nienhaus seinen Posten wohl räumen muss.

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Zur Zeit wird der Essener Konzern noch von einer Doppelspitze bestehend aus Bodo Hombach und Nienhaus geführt. Beide Geschäftsführer wurden jeweils von einer Familienholding entsannt, der Brost Verwaltungs-GmbH und der Funke-Familiengesellschaft, die bislang jeweils 50 Prozent an dem Verlag halten.

Petra Grotkamp, die bislang 16,7 Prozent an dem Unternehmen hält, gehört der Funke-Gruppe an. Sie hat ihren Mitgesellschaftern der Brost-Holding nun einen Betrag von 500 Millionen Euro für deren Hälfte des Zeitungskonzerns geboten. Laut Manager Magazin soll das Geschäft bereits in den nächsten vier bis acht Wochen abgewickelt werden. Es fehlt einzig noch die Zustimmung des Testamentvollstreckers der Brost-Enkel, Peter Heinemann. In einer ersten Stellungnahme kündigte er an, alles gründlich zu prüfen und "die testamentarische Verfügung des Erblassers und die Interessen der Enkel" abzuwägen.

Bislang gingen die meisten Beobachter davon aus, dass Nienhaus, als Vertreter der Funke-Guppe, als neuer starker Mann aus dem Wechsel in der Eigentümerstruktur hervorgehen würde. Durch die FTD-Berichterstattung scheint dies nicht mehr gesichert.

Tatsächlich gilt Petra Grotkamp als entscheidungsfreudig und in Verlagsfragen kompetent. So arbeitet sie lange als Assistentin ihres Mannes, als dieser noch den Essener Konzern lenkte. Die Financial Times Deutschland spricht nun davon, dass ein neuer Manager von außen bevorzugt werde.

Grotkamp hat klare Vorstellungen, wie das neue Management den Medienkonzern umbauen soll. So schreibt die FTD, dass sich das Unternehmen künftig vermehrt auf sein deutsches Regionalzeitungsgeschäft konzentrieren soll.

Dies ist offenbar eine Konsequenz aus den anhaltenden Problemen, mit denen viele Auslandsinvestments der Essener zu kämpfen haben. So streitet die WAZ in Serbien mit dem Geschäftsmann Milan Beko um Millionen, und in Österreich gibt es bei der Kronen Zeitung eine Dauerfehde mit der Verlegerfamilie Dichand.

Mit der geplanten Ausrichtung läge das neue Management auf einer Wellenlänge mit den Gewerkschaften. In einem ersten Statement hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärt, dass "die Zukunft der WAZ-Titel" im "Lokalen" liege. Trotzdem mahnten die Arbeitnehmervertreter, dass der radikale Abbau von Redakteursarbeitsplätzen und von Aufträgen an Freie dazu geführt habe, "dass die Medienvielfalt im Verbreitungsgebiet der WAZ-Titel gelitten hat". Deshalb müsse das künftige WAZ-Management "dringend umsteuern", weil ansonsten weitere Auflagenrückgänge zu befürchten seien.

Der Umsatz der WAZ-Gruppe soll bei 1,1 Milliarden Euro liegen. Zu dem Konzern gehören die Tageszeitungen Westdeutsche Allgemeine, Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung, Westfälische Rundschau oder auch Thüringer Allgemeine und Braunschweiger Zeitung, genauso wie die Magazine Gong oder die aktuelle. Mit ihren Beteiligungen in neun europäischen Staaten, den über 133 Anzeigenblättern und 250 Kundenzeitschriften gilt der Essener Konzern als drittgrößtes Verlagshaus Deutschlands.

Vor allem die Tageszeitungen haben seit längeren schon mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. So kam die WAZ im zweiten Quartal 2011 auf einen Gesamtverkauf von 776.505 Exemplaren. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre verlor der Titel 17 Prozent seiner Auflage. Auf denselben Verlust kommt die Zeitungsgruppe Thüringen. Dort liegt die Gesamtauflage noch bei 301.105 Exemplaren.

Den geplanten Kauf für 500 Million Euro kann Petra Grotkamp finanziell offenbar sehr gut stemmen. Sie und ihr Mann gelten als sehr wohlhabend. So hatten die Eignerfamilien des WAZ-Konzerns 2008 beispielsweise für den Verkauf eines 25-Prozent-Anteils an den Versandhandelskonzern Otto rund eine Milliarde Euro erhalten. Auch für den Verkauf von Anteilen an RTL sollen 2005 mehrere Hundert Millionen Euro geflossen sein.

Nachtrag, Mittwoch 16.15 Uhr:
Über ihren Anwalt ließ Petra Grotkamp mittlerweile dementieren, dass sie im Falle einer Übernahme der WAZ-Mehrheit plane den Geschäftsführer Christian Nienhaus abzuberufen.

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