App-Streit: BR-Intendant kompromissbereit

Im Streit um die Tagesschau-App zwischen der ARD und den Verlegern ist Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), zum Einlenken bereit. Im Zeit-Interview sagte er, dass er sich dafür einsetze, "dass es Raum für Verständigung, für Kompromisse und auch für Kooperationen" gebe. "Wir können auch mit den Verlagen darüber sprechen, den Video- und Audioanteil der App noch stärker herauszuarbeiten", so Wilhelm. Er halte es für wichtig, dass die wirtschaftliche Grundlage der Zeitungen erhalten bleibe.

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Im Gespräch mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, das in der morgigen Ausgabe der Wochenzeitung zu lesen sein wird, bekräftigt Wilhelm, wie auch ARD-Intendantin Monika Piel stets betont, dass das Angebot der Tagesschau-App dem Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen nachkomme. Die Anwendung sei eine eins zu eins Darstellung des Online-Auftritts. Ulrich erklärt weiter, dass man keinen einzigen Mitarbeiter beschäftige, der extra für die App Texte verfasse.
Wilhelm verstehe, dass Verleger neue Geschäftsmodelle im Netz aufbauten, um auch die jüngeren Leser anzusprechen. "Neue Entwicklungen zu verschlafen, das ist die eigentliche Bedrohung für Verlage", so Wilhelm. Auch die Öffentlich-Rechtlichen müssten die junge Zielgruppe im Web ansprechen können. "Hier treffen wir uns mit den Verlagen; aber die Angebote ergänzen sich und sind meiner Meinung nach gerade nicht austauschbar oder verwechselbar." Weiter heißt es: "Ein schwacher öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann niemandem recht sein. Er führt nicht zu einer Stärkung der Verlage, sondern schwächt das Gesamtsystem der Qualitätsmedien."
Zur geplanten Einführung der Haushaltsabgabe und der Kritik an dem Modell sagt Wilhelm, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk kein Rechtfertigungsproblem habe. Es gebe keine anderen elektronischen Anbieter, die die Informationsversorgung so sicherstellen, wie die Öffentlich-Rechtlichen und die Qualitätszeitungen. Mit den Gebühren, die vom Gesetzgeber eingeführt worden seien, komme man seinem Auftrag nach. Die Quote sei dabei nicht ausschlaggebend für den Erfolg: "Ein öffentlich-rechtlicher, der immer weniger relevante Inhalte anbietet und den Privatsendern zum Verwechseln ähnlich wird, büßt Reichweite ein. Wer nur auf die Quote setzt, verliert am Ende beides: Qualität und Quote."

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