Zynga verschiebt Börsengang auf November

Die großen Verwerfungen an den Weltbörsen fordern nun auch bei hochgewetteten Internet-Unternehmen offenbar ihren ersten Tribut. Nachdem LinkedIn und Yandex im Frühjahr noch einen fulminanten Börsenstart hingelegt hatten, sollten eigentlich bald die nächsten Kandidaten folgen – Groupon und Zynga hatten ihren Zulassungsantrag bei der US-Börsenaufsicht bereits eingereicht. Doch nun macht der Online-Spieleanbieter nach Presseberichten erstmal einen Rückzieher: Frühestens im November strebe man an die Wall Street, heißt es.

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Vielleicht sollte Zynga die Verluste der Vorwochen noch einmal überschlafen: Die Laune scheint sich an der Wall Street nämlich wieder zu bessern. Auf die Erleichterungsrallye vom Freitag folgten nämlich auch am gestrigen Montag starke Kursgewinne – der Wind könnte wieder gedreht haben.

Die Wochen zuvor haben ihre Spuren jedoch hinterlassen: Zweistellige Verluste haben die Dickschiffe der Internet- und Technologiebranche in der Sorge vor einer neuen Rezession fast allesamt eingefahren. Keine Frage: Die Angst ging um im August an der Wall Street. 

Mond-Bewertung im Juli: Bis zu 20 Milliarden Dollar angestrebt

Und sie geht offenbar auch im Pre-IPO-Markt um – jenem außerbörslichen Marktplatz für Unternehmen, die vor dem Sprung an die Börse stehen. Wertverdopplungen im Rekordtempo haben sich in den ersten Monaten des Jahres getrieben durch das immense Interesse an Facebook abgespielt.

Auch Zynga schien schon für ein Multi-Milliarden-IPO prädestiniert: 1 Milliarde Dollar wollte der Anbieter von Online-Spielen wie "Mafia Wars" und "FarmVille" mindestens an der Börse einnehmen, wurde Anfang Juli kommuniziert – 1,5 bis 2 Milliarden Dollar dürften es aber wohl eher werden, mutmaßten Branchenexperten, was bei einem Emissionsvolumen von 10 Prozent des Unternehmens einen Börsenwert bis zu 20 Milliarden Dollar bedeutet hätte.

Was bedeutet der IPO-Aufschub für Groupon und Facebook?

Doch darauf dürfte der Online-Spiele-Anbieter nun wohl auch noch etwas länger warten. Wie die New York Post berichtet, stellt sich Zynga, das im Juni die Börsenzulassung beantragte, nun darauf ein, erst im November an der Wall Street zu debütieren. Das liege einerseits an noch offenen Fragen der US-Börsenaufsicht SEC zur Umsatzberechnung und zu Nutzerzahlen, andererseits aber vor allem am aktuell problematischen Börsenumfeld, das eine Kapitalaufnahme sichtbar erschwert.

Wie sich der Börsencrash auf die IPO-Pläne anderer Wall-Street-Aspiranten auswirkt, ist noch nicht bekannt. Börsengänge von Facebook und Twitter werden von Marktexperten ohnehin erst 2012 erwartet, doch Groupon, das ebenfalls im Sommer seinen Zulassungsantrag stellte, dürfte ungeduldig auf die Entwicklung der Weltbörsen blicken: Das Schnäppchenportal verbrennt weiter viele Barmittel.

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