WAZ-Chefredakteur Reitz glaubt an Funke-Übernahme

WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz hat die möglicherweise bevorstehende Änderung der Gesellschafterstruktur seines Arbeitgebers kommentiert. In einem Beitrag schreibt er: "Es geht darum, die Mediengruppe langfristig zu sichern."

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In einer Mischung aus Meldung und Kommentar geht Reitz auf die Nachricht ein, dass Gesellschafterin Petra Grotkamp die Mehrheit an dem Medienkonzern übernehmen will. Reitz zweifelt nicht daran, dass es zu der Übernahme kommt: "Am Ende ist es also wahrscheinlich, dass die Funke-Seite im Hause WAZ die unternehmerische Führung übernimmt."

Zwar habe der Testamentsvollstrecker der verkaufswilligen Enkel des WAZ-Mitgründers Erich Brost nun keine einfache Aufgabe. Aber dieser sei "dem Willen der Kinder des von Erich Brost ausgezahlten Sohnes Martin verpflichtet, die verkaufen möchten". Dass diese kein Interesse am Verlagsgeschäft hätten, sei "schon seit längerem einigen Menschen im Unternehmen bekannt" gewesen.

Die bevorstehende Neuordnung sei gut, so Reitz, denn es drohe nicht der Einstieg von verlagsfremden Investoren. Dann fragt Reitz: "Ändert sich etwas politisch?" Und gibt gleich die Antwort: Nein. Begründung: "Die Zeitungen waren immer politisch frei." Zudem hätten die Zeitungen "tatsächlich andere Sorgen als ihre Ausrichtung": "Es geht darum, die Mediengruppe langfristig zu sichern und redaktionell, spannend zu bleiben; mindestens."

Zum Hintergrund: Reitz gilt als politisch konservativ (was auch immer das heute noch bedeutet) und kam 2004 zu dem bis dato sozialdemokratisch angehauchten Massen-Regionalblatt WAZ – was für einige Aufregung in den Kreisen sorgte, die in Essen eine reine Farbenlehre bevorzugte. Reitz sollte das Blatt, das über die Jahre angestaubt worden war, wieder auf Vordermann bringen. Über das Ergebnis gibt es unterschiedliche Meinungen – nicht zuletzt wurde unter der Ägide von Reitz ein zentraler Newsdesk für die NRW-Zeitungen der Gruppe eingeführt und ein Personalabbau von 300 Redakteursstellen beschlossen. Die Auflage aller NRW-Zeitungen kombiniert sank zwischen dem zweiten Quartal 2011 und dem Vorjahresquartal um 4,3 Prozent auf 776.505 Exemplare.

Was zeigt der Artikel? Erstens: Reitz stellt schon vor einem möglichen Verkauf klar, dass er seine Richtlinienkompetenz behalten will. Da die Grotkamps auch eher dem politisch konservativen Lager zuzuordnen sind, dürfte das eine Formalie sein. Zweitens: Reitz signalisiert dem neuen Mehrheitsgesellschafter, dass er den Wechsel der Verhältnisse begrüßt. Von Bodo Hombach verabschiedet er sich sogar schon: "Hombach, das kämpferische Ruhrgebietskind, würde nach neun Jahren an der WAZ-Spitze gehen."

Drittens: Als Chefredakteur, der einen noch nicht vollzogenen Machtwechsel schon kommentiert, demonstriert er Selbstbewusstsein. Davon besitzt Reitz genug. Als ausgebuffter Machtmensch versteht er es blendend, nach außen Eigenständigkeit zu signalisieren und nach innen die Botschaft der Loyalität zu senden.  
  

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