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Trotz Web: die neue Sexiness von TV

Lange als Prekariats-Medium verunglimpft erlebt TV gerade eine Renaissance. Die beiden deutschen TV-Holdings legen gute (ProSiebenSat.1) bis hervorragende (RTL Group) Bilanzen vor. Die TV-Nutzung steigt weiter an. Und jetzt entdecken auch die Stars der Web-Welt das Fernsehen. Apple plant angeblich eigene TV-Geräte, Google will sein TV-Projekt nach Europa bringen, und die US-Web-TV-Plattform Hulu ist umschwärmtes Kauf-Objekt. MEEDIA nennt fünf Gründe für die neue Sexiness von TV.

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1. Fernsehen ist (und bleibt) das Massen- und Event-Medium Nummer eins

Egal wie sehr das Internet an Bedeutung gewinnt – die TV-Nutzung wächst weiter. Von 2000 bis 2009 stieg die tägliche Nutzung von linearen TV-Programmen in Europa um 19 Minuten von 203 auf 222 Minuten. Anders als bei Print-Medien scheint das Web das Fernsehen nicht zu kannibalisieren – im Gegenteil: Web und TV werden mittlerweile oft parallel genutzt. Und von den Reichweiten großer TV-Stationen können Web-Angebote nach wie vor nur träumen. Nur das Fernsehen schafft es bei Großereignissen, viele Millionen Menschen gleichzeitig vor der Glotze zu versammeln. Vor allem Sport-Events, wie Fußball-Meisterschaften oder Formel-1-Rennen, sind dabei für die werbetreibende Industrie und Sponsoren Gold wert. Für die TV-Anstalten fallen solche Mega-Ereignisse dabei ironischerweise eher unter die Kategorie Marketing-Kosten. Wegen der teuren Lizenzen für Top-Sportereignisse sind damit kaum noch Gewinne zu erwirtschaften. Der Sport sorgt für ein gutes Image und Marktanteile. Das Geld verdienen die Sender anderswo (siehe unten).

2. Fernsehen verdient richtig viel Geld

Die beiden deutschen Privat-TV-Ketten ProSiebenSat.1 und RTL Group verdienen wieder richtig gut. Im vergangenen Jahr verdoppelte ProSiebenSat.1 seinen Netto-Gewinn. Branchen-Primus RTL Group strotzt vor Rendite-Kraft, legte 2010 ein Rekord-Ergebnis hin und peilt für dieses Jahr schon den nächsten Rekord an. Warum verdienen die Sender so gut? Das liegt hauptsächlich an der Renaissance der TV-Werbung. Zwar experimentieren die Sender auch mit digitalen Erlösmodellen oder neuen Vermarktungsformen – P7S1 bietet beispielsweise Werbezeiten im Tausch gegen Unternehmensanteile an – und im Ausland floriert auch das Geschäft mit Pay-TV. Das Brot-und-Butter-Geschäft der Sender ist und bleibt aber die Werbung, und die läuft wieder wie geschmiert, weil auch die Wirtschaft brummt. Und bei der nächsten Konjunkturdelle? Große Probleme sind nicht zu erwarten. Denn während der jüngsten Wirtschaftskrise haben die Sender rigorose Sparprogramme durchgezogen. Selbst wenn die Werbe-Buchungen wieder einbrechen sollten, dürften die großen TV-Gruppen solche Durststrecken gut durchstehen. Dann wird eine Jahresbilanz eben nicht mit Rekordgewinnen abgeschlossen, sondern mit einer schwarzen Null – kein Beinbruch. Nicht nur die Sender sind wieder hochprofitabel – auch große TV-Produktionsfirmen verdienen wieder gut (viele gehören ohnehin zu einem Sender-Netzwerk, wie Fremantle Media zur RTL Group). So berichtete die New York Times, dass beispielsweise die lange kriselnde TV-Sparte von Sony wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist. Und zumindest international ist Pay-TV nach wie vor ein großes Geschäft. Bezahl-Sender wie HBO in den USA oder BSkyB in Großbritannien gelten als hoch-profitabel. Sogar das ewige Sorgenkind Sky Deutschland konnte in jüngster Zeit eine halbwegs erfreuliche Entwicklung vermelden. TV hat also ein extrem renditeträchtiges Werbegeschäft in Boom-Zeiten, schlanke Strukturen, um eine Krise gut zu überstehen und funktionierende Bezahl-Inhalte. Für die Web-Firmen sind solche Rahmenbedingungen äußerst attraktiv. Nicht zuletzt darum bringt Google sein TV-Projekt 2012 nach Europa.

3. Fernsehen wird immer billiger zu produzieren

Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Schlagkraft der TV-Sender ist die schlanke Produktion. In der Krise haben die Sender aus der Not eine Tugend gemacht und gekürzt und gestrafft, wo immer es ging. Quotenstarke aber in der Produktion günstige Formate wie Scripted-Reality-Dokus haben einen Siegeszug durch die Programmflächen angetreten. Inhaltlich sind solche TV-Formate oftmals kritikwürdig – vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, funktionieren sie aber hervorragend. Zudem wurden Verwaltungsstrukturen abgebaut man spart durch die konsequente Durchformatierung der Sendeflächen.

4. Fernsehen ist eine ideale Ergänzung zum Web (oder umgekehrt)

Fernsehen und Internet ergänzen sich auf geradezu geniale Weise. Viele junge Leute schauen heute fern mit dem Laptop auf dem Schoß. Das laufende Programm wird dann via Twitter oder Facebook live kommentiert. Außerdem bietet das Internet mit Mediatheken eine hervorragende Möglichkeit für zeitversetztes Fernsehen abseits irgendwelcher kompliziert zu bedienender Set-Top-Boxen. Was man in der großen Glotze verpasst hat, kann man sich nachträglich im Web anschauen. In den USA ist die Web-TV-Plattform Hulu sehr beliebt, die senderübergreifend TV-Inhalte im Web anbietet, teils kostenlos mit Werbung, teils kostenpflichtig. Die unendlichen Programmflächen des Internet würden es Sendern auch erlauben, ihr umfangreiches Archiv-Material als On-Demand-Inhalte neu und immer wieder zu vermarkten. Wegen solchen Möglichkeiten sind derzeit auch viele Web-Größen an der zum Verkauf stehenden Hulu-Plattform interessiert: von Google über Yahoo bis Amazon.

5. Fernsehen hat noch viel Wachstumspotenzial

Neben den beschriebenen Möglichkeiten im Web, kann Fernsehen im Digital-Zeitalter auch als Fernsehen leichter wachsen als je zuvor. War es früher teuer bis unmöglich, überhaupt einen neuen Sender zu starten, sind neue Sender Dank digitaler Satelliten-Übertragung und digitalen Kabelnetzen kein Hexenwerk mehr. In Deutschland experimentiert vor allem ProSiebenSat.1 mit neuen Sendern für ein Nischenpublikum. Der Frauenkanal Sixx hat mittlerweile eine beachtliche technische Reichweite erreicht, und in Kürze will die Gruppe einen weiteren Spartenkanal für so genannte Best-Ager starten.

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