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Fall Foht erreicht die Werner Kimmig GmbH

Nach Recherchen der Zeitung Welt Kompakt erfasst die Affäre rund um den suspendierten MDR-Unterhaltungschef Udo Foht nun auch den bekannten TV-Produzenten Werner Kimmig. Der hat im Jahr 2009 Schulden Fohts bei einem Berliner Musikmanager zurückgezahlt - offenbar ohne Gegenleistung. Außerdem brisant: Der Musikmanager hatte damals laut Welt Kompakt MDR-Intendant Udo Reiter via Einschreiben von dem seltsamen Finanzgebaren Fohts informiert.

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Reiter hatte zwar schon zuvor zugegeben, dass sich ein Produzent bereits 2009 an ihn gewandt hatte, weil Foht ihm 10.000 Euro schulde. Reiter erklärte hierzu, er habe die Angelegenheit an den zuständigen Fernsehdirektor gegeben und von dem Mitte Oktober die Mitteilung erhalten, dass die Sache erledigt sei. Die Version, die nun in Welt Kompakt zu lesen ist, klingt ein anders.

Demnach habe der Berliner Musikmanager immer wieder von Foht die 10.000 Euro zurückgefordert und sei von Foht mit SMS vertröstet worden. Der Musikmanager habe den Fall dann detailliert geschildert, die SMS beigelegt und via Einschreiben mit Rückschein persönlich an MDR-Intendant Udo Reiter gesendet. Der Musikmanager sei einige Tage später vom Büro Reiters mit der Aussage "man kümmere sich darum" angerufen worden. Reiter bestreitet dies gegenüber Welt Kompakt. Einige tage später sei der Musikmanager dann von Werner Kimmig angerufen worden, der angekündigt habe, die Schulden Fohts zu begleichen.
Auch der Spiegel berichtete schon darüber, dass Foht einem Produzenten gegenüber angegeben habe, Kimmig werde mit 35.000 Euro "einspringen". Kimmig sei einer von Fohts "engsten Freunden".

Und es gibt offenbar noch eine weitere geschäftliche Verbindung zwischen Kimmig und Foht. Laut Welt Kompakt hat Foht Kimmig bei der SWR-Sendung "Immer wieder sonntags" beraten. Dass ein hoch-dotierter Manager des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nebenbei als Berater gegen Honorar bei einer anderen öffentlich-rechtlichen TV-Produktion auftritt, ist zumindest… ungewöhnlich. Die Werner Kimmig GmbH ist gut im Geschäft. Die Firma des früheren Burda-Mitarbeiters Kimmig produziert u.a. "Verstehen Sie Spaß", den Deutschen Fernsehpreis und von 1993 bis 2008 den Musikpreis Echo. Außerdem produziert Kimmig traditionell die TV-Übertragung des Burda-Medienpreises Bambi. Für die Bambi-Übertragung war beim MDR Udo Foht zuständig. Und von Burda-Vorstand Philipp Welte hatte Foht sich ebenfalls privat Geld geliehen – allerdings auch wieder zurückgezahlt, wie Welte sagte.

Die aktuellen Enthüllungen der Welt Kompakt werfen eine ganze Batterie neue Fragen im Fall Foht auf. Zuallererst: Was wusste MDR-Intendant Udo Reiter und warum hat er nicht entschlossener gehandelt? Stimmt das, was aktuell in Welt Kompakt zu lesen ist, war Reiter über die seltsame Finanzgeschäfte Fohts seit 2009 detailliert informiert. Warum wurde dann erst im Juli 2011 in der Mitteilung des MDR zur Suspendierung Fohts bekanntgegeben, die finanziellen Unregelmäßigkeiten seien im Rahmen einer "Überprüfung interner Strukturen" aufgedeckt worden, wenn die Senderspitze schon seit Jahren darüber im Bilde war und augenscheinlich nichts unternommen hat?

Foht hat sich offenbar in großem Stil von Produktionsfirmen Geld geliehen, angeblich als "Produktionskostenvorschüsse". So soll er sich allein von dem Volksmusikmanager Hans Beierlein rund 180.000 Euro geborgt haben. Anschließend wurde das Geld in einigen Fällen nicht oder nur teilweise zurückgezahlt.

Warum hat die renommierte TV-Produktionsfirma Werner Kimmig GmbH 2009 die Schulden Fohts beglichen? Warum hat Kimmig Foht als Berater für eine öffentlich-rechtliche Sendung beschäftigt? Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig. Alles sieht danach aus, als ob im Fall Foht noch längst nicht Alles ans Tageslicht gekommen ist.

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