Die zwei Wahrheiten der Download-Studie

Drei Lobby-Vereine und -Verbände der Unterhaltungsindustrie haben am Dienstag in Berlin die neue GfK-Studie zur Digitalen Content-Nutzung (früher bekannt als Brenner-Studie) vorgestellt. Sie zeigt, dass das illegale Herunterladen von Musik, Filmen, E-Books, etc. ein weit verbreitetes Phänomen ist. Doch was sie auch zeigt, sind einige eigentlich ermutigende Zeichen. So wurden 2010 erstmals mehr Einzel-Musik-Tracks legal als illegal aus dem Netz geladen.

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414 Mio. Einzeltrack-Downloads rechnete die GfK aus ihren Umfragen-Ergebnissen für das Jahr 2010 hoch – legale und illegale. Die nicht-legalen Downloads lagen dabei aber nur bei 185 Mio. Erstmals seit 2005 – seitdem ist eine Vergleichbarkeit zwischen legal und illegal in der Studie gegeben – wurden damit mehr legale Track-Downloads getätigt. Zum Vergleich: 2005 lag die Gesamtzahl der Downloads noch bei 512 Mio., darunter 412 Mio. illegale. Auch bei der steigenden Zahl der Album-Downloads, die 2010 bei 62 Mio. lag, wächst die Zahl der ehrlichen Downloads – mit 46 Mio. übertreffen die illegalen Downloads hier die legalen aber noch deutlich. Dennoch ist auch hier eine stark positive Tendenz erkennbar: 2005 gab es noch 23 Mio. Album-Downloads, darunter 20 Mio. illegale.

Diese eigentlich ermutigenden Zeichen verschweigen die drei Auftraggeber der Studie aber leider. Wir haben sie uns aus verschiedenen Schaubildern der Studie selbst zusammengestellt. In der Pressemitteilung betonen der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) stattdessen erneut ihre Forderungen an den Gesetzgeber: "Wenn die Bundesregierung nicht bald eine vernünftige Regelung für den Umgang mit Inhalten im Netz findet, wird den Kreativen und ihren Verwertern nach und nach die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das hat dann auch Konsequenzen für die kulturelle Vielfalt in Deutschland", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins darin.

Natürlich sind die Zahlen, die die Studie insgesamt vorlegt, weiterhin deutlich. So will die GfK mit ihrer Befragung herausgefunden haben, dass 3,7 Mio. Deutsche 2010 Medieninhalte illegal heruntergeladen haben. Doch auch hier könnte genau so gut die Tatsache in den Vordergrund gestellt werden, dass das nur einem Anteil von 26% derjenigen entspricht, die insgesamt Medieninhalte heruntergeladen haben – also sind 74% der Downloader ehrlich, nur 26% nicht – auch dieses Verhältnis, das vor Jahren sicher noch deutlich negativer aussah, findet sich in der Pressemitteilung nicht.

Stattdessen fordern die Verbände darin zwischen den Zeilen ein flächendeckendes System zur Versendung von Warnhinweisen an Leute, die illegal downloaden. Denn: "Bei den aktiven Usern von Filesharing-Diensten gehen sogar 81 Prozent davon aus, dass ein Warnmodell dafür sorgen würde, dass das illegale Anbieten und Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte eingestellt wird."

Offenbar käme den Verbänden ein Herausstellen der positiven Zeichen aber nicht so gelegen, schließlich würden sie ihre Lobby-Arbeit etwas konterkarieren. Und: Ob mehr Überwachung, schärfere Gesetze, etc. wirklich helfen würden, kann niemand sagen. Die positiven Zeichen bei den Musik-Downloads zeigen eher, dass gute Produkte helfen, illegale Downloads zurück zu fahren. Denn nicht nur eine wachsende Ehrlichkeit der Konsumenten, sondern auch starke legale Plattformen wie iTunes oder AmazonMP3, die immer populärer werden, dürften ihren Anteil haben.

Kritikern wir dem Motor.de-Chef Tim Renner sind die legalen Angebote aber noch nicht gut genug. Bei n-tv sagte er zur neuen Studie: "Wir hören Songs im Radio und wir können sie noch nicht legal kaufen. Die Musikindustrie hält leider da noch an ihrer alten Chart-Logik fest und die bedeutet: Sie und ich sollen hungrig gemacht werden auf einen Song und irgendwann Wochen später erscheint der und dann sollen wir kaufen, damit es einen hohen Chart Entry gibt. Aber das funktioniert im Internet nicht. dann haben Sie und ich ihn schon illegal." Allerdings: "Ich glaube, das Problembewusstsein ist gewachsen. Die meisten haben ja schon gemerkt, dass es nicht funktionieren kann, wenn sie sich Musik oder auch Filme immer umsonst holen, dass dann keine neue Kulturproduktion mehr kommt."

Insgesamt spricht die Studie von 1,8 Mio. Leuten, die 185 Mio. Musik-Einzeltracks illegal herunterladen, 1,7 Mio. bei 46 Mio. Alben, 0,7 Mio. bei 6 Mio. Hörbüchern, 0,8 Mio. bei 14 Mio. E-Books, 1,8 Mio. bei 54 Mio. Filmen und 1,6 Mio. bei 23 Mio. TV-Serien. Hauptquelle für illegale Medieninhalte sind dabei Sharehoster wie Rapidshare, Megaupload, etc., bei Filmen und Serien befinden sich Streaming-Plattformen wie das inzwischen geschlossene Kino.to in der Popularität gleichauf.

"Im Klartext heißt dies, dass selbst nach Studien der Rechteindustrie nur fünf Prozent der Deutschen überhaupt rechtlich umstrittene Werke im Netz herunterladen", sagt Markus Beckedahl vom Lobbyverein Digitale Gesellschaft. Und auch die GfK-Studie gibt zu: "Ein kleiner Teil der Bevölkerung lädt Inhalte illegal herunter, das jedoch mit sehr hoher Intensität". Ob dieser "kleine Teil" aber überhaupt jemals mit legalen Angeboten erreicht werden kann, ist fraglich. Auch früher gab es schließlich genug Leute, die sich ihre Musik lieber aus dem Radio aufgenommen haben und ihre Filme aus dem Fernsehen. Der Unterschied zu heute: Die Technik ist einfacher geworden – und gerade deswegen kommt es eben auch darauf an, möglichst einfach zu bedienende legale Angebote zu schaffen – ohne künstliche technische Hürden.

Der illegale Konsum von mit viel Engagement und Geld produzierten Medieninhalten bleibt ein Problem, die positiven Zeichen sollten aber nicht verschwiegen werden. Das Ziel muss sein, mit möglichst tollen legalen Plattformen nach und nach möglichst viele Leute davon zu überzeugen, auf die gute Seite des Medienkonsums zu wechseln.

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