Halbe Milliarde Euro soll WAZ-Streit beenden

Es könnte der deutsche Mediendeal des Jahres werden: Petra Grotkamp bietet 500 Millionen Euro für die Mehrheit an der WAZ-Mediengruppe. Bislang hält die Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp 16,7 Prozent an dem Essener Zeitungskonzern. Gelingt der Deal, würde offenbar auch die bisherige Doppelspitze aufgelöst werden. Ob der Kauf über die Bühne geht, hängt nur noch am Testamentsvollstrecker der Brost-Familie.

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Die Besitzverhältnisse des WAZ-Konzerns sind kompliziert und werden immer wieder als Grund genannt, warum sich wichtige strategische Entscheidungen bei dem Medienkonzern länger als bei anderen Häusern hinziehen. Bislang kontrollierten zwei Familiengesellschaften den Verlag mit jeweils 50 Prozent der Anteile: die Brost Verwaltungs-GmbH und die Funke-Familiengesellschaft.

Petra Grotkamp aus der Funke-Gruppe soll nun den ihren Mitgesellschaftern der Brost-Holding einen Betrag von 500 Millionen Euro für deren Hälfte des Zeitungskonzerns geboten haben. Laut Manager Magazin soll das Geschäft bereits in den nächsten vier bis acht Wochen abgewickelt werden.
In einer ersten Stellungnahme erklärt Andreas Urban, Anwalt von Petra Grotkamp, dass seine Mandantin das Kaufangebot "vor den Hintergrund ihrer Verantwortung für die WAZ-Mediengruppe" unterbreite, "um klare Gesellschafterstrukturen zu schaffen und sicherzustellen, dass die WAZ-Mediengruppe auch künftig als Familienunternehmen Erfolg haben kann".

Weiter heißt es in der Erklärung, dass er den Wunsch von Frau Grotkamp sei, das fortzuführen, was ihr Vater Jakob Funke gemeinsam mit Erich Brost aufgebaut habe. "Im Rahmen der Generationennachfolge wird künftig auch Herr Rechtsanwalt Niklas Jakob Wilcke, der Sohn von Frau Grotkamp und Enkel des Firmengründers Jakob Funke, eine wichtige Rolle im Gesellschafterkreis spielen."

Als erstes berichtete das Manager Magazin über das Kaufangebot. Zudem schreibt das Wirtschaftsmagazin, dass mit den drei Brost-Enkeln bereits eine Einigung über Verkauf und Preis ihrer Anteile erzielt wurde. So soll bereits ein „Term Sheet“ aufgesetzt und unterschrieben worden sein. Allerdings muss Anwalt Peter Heineman zustimmen. Er hat noch bis 2015 die Testamentsvollstreckung für die Brost-Enkel inne.
In einer ersten Stellungnahme kündigte Heinemann an, alles gründlich zu prüfen und "die testamentarische Verfügung des Erblassers und die Interessen der Enkel abwägen".

Der Verkauf hätte auch Folgen für die Führungsstruktur der WAZ. Denn bislang wird der Essener Konzern von einer Doppelspitze geleitet, die sich jeweils aus einem Vertreter der Funke- und einem der Brost-Gruppe zusammensetzte. Der frühere Kanzleramtsminister Bodo Hombach spricht für die Brost- und Christian Nienhaus für die Funke-Vertreter.

Gelingt der Grotkamp-Kauf der Brost-Anteile, würde Hombach wohl aus der Geschäftsführung ausscheiden. Nienhaus würde dann das Unternehmen alleine führen. Manfred Braun, der aktuell den Zeitschriftenbereich und das Verlagsgeschäft NRW führt, würde – laut Manager Magazin – seinen Job behalten.

Der Umsatz der WAZ-Gruppe soll bei 1,1 Milliarden Euro liegen. Zu dem Konzern gehören die Tageszeitungen Westdeutsche Allgemeine, Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung, Westfälische Rundschau genauso wie die Magazine Gong oder die aktuelle. Mit ihren Beteiligungen in neun europäischen Staaten, den über 133 Anzeigenblättern und 250 Kundenzeitschriften gilt der Essener Konzern als drittgrößtes Verlagshaus Deutschlands.
Die erste Stellungnahme des Grotkamp-Anwaltes endet mit der Versicherung, dass die "redaktionellen Grundsätze über die Ausrichtung der Zeitungen auch nach der beabsichtigten Durchführung des Mehrheitserwerbs weiter strikt beachtet werden". Zudem gibt es ein klares Bekenntnis zum bedruckten Papier: "Frau Grotkamp ist der tiefen Überzeugung, dass Print-Medien auch in der Zukunft erfolgreich sein werden, wenn sie sich den Gegebenheiten der Zeit anpassen."

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