„Der Beratungsbedarf wird weiter steigen“

Die Computer Bild wird 15: Tatsächlich liefert die Geschichte des Titels ein gutes Beispiel für den Medienwandel. Vor zehn Jahren wurden noch bis zu einer Million Hefte verkauft, heute sind es nur noch die Hälfte. Trotzdem steigt der Print-Marktanteil, wie auch der Web-Traffic, der sich durch die Integration der Preissuchmaschine Idealo verdoppelte. Im MEEDIA-Interivew erklärt Chefredakteur Hans-Martin Burr, wie sein Blatt den Medienwandel nutzt und dass man gerade nicht den Apple-Trend verschlafen habe.

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Vorab noch einige Zahlen aus 15 Jahren Computer Bild, die den Medienwandel belegen: Die besten Jahre der gedruckten Computer Bild waren bisher die von 1998 bis 2002. Hier lag die verkaufte Auflage laut IVW im Jahresdurchschnitt jeweils über der 900.000er-Marke, 1999 wurde mit 1,053 Mio. Exemplaren sogar die Millionen-Hürde übersprungen. Zum Vergleich: 2010 erreichte man im Jahresdurchschnitt noch 613.640 Exemplare, im zweiten Quartal 2011 mit nur noch 533.636 den bisherigen Tiefstwert.

Die am Kiosk meistverkaufte einzelne Ausgabe der bisherigen Jahre war laut IVW das Heft 6/1999 mit den Highlights der CeBit 1999. Sie kam auf mehr als 1,2 Mio. Einzelverkäufe. Insgesamt 20 weitere Ausgaben durchbrachen am Kiosk noch die Millionen-Marke, alle erschienen zwischen 1999 und 2003. Seitdem zeigen die Pfeile recht deutlich nach unten, der Kioskminusrekord wurde in diesem Jahr mit Ausgabe 12/2011 aufgestellt: Sie fand nur noch 356.884 Neugierige.

Der Webtrend geht dagegen steil nach oben. So kam das Webportal im Juli auf über 39 Millionen Visits. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 116 Prozent – allerdings stammt der Großteil des Wachstums aus der Kooperation mit Idealo.de. Die Klicks der Preissuchmaschine werden bei der IVW seit Juni zu Computerbild.de gezählt.

15 Jahre nach der ersten Ausgabe und nach einem Auflagenminus von 16 Prozent in zwölf Monaten. Neigt sich die Zeit der Computer-Zeitschriften dem Ende entgegen?
Ganz im Gegenteil. Allerdings verändert sich die Mediennutzung. Seit 10 Jahren steigt der Marktanteil von Computer Bild stetig und mit über 500.000 verkauften Heften sind wir nach wie vor unangefochtener Marktführer in Deutschland und Europa. Immer mehr Menschen lesen und nutzen Computer Bild – aktuell über 4,33 Millionen Technikinteressierte. Aber die Herausforderungen sind groß: Es ist kein Geheimnis, dass der Printbereich generell rückläufig ist. Deshalb treiben wir mit voller Kraft die Verzahnung von Print und Online voran, um die digitalen Chancen mit neuen Ideen optimal zu nutzen. Computerbild.de ist zwischen Juni 2009 und Juni 2011 rasant gewachsen um mehr als 178 Prozent auf über 37 Millionen Visits.
Resultiert Ihr beeindruckendes Visits-Wachstum nicht daher, dass die Preissuchmaschine Idealo seit Juni 2011 zu Computerbild.de gezählt wird? Verlgeicht man nähmlich den Mai 2011 mit dem Mai 2010 so gibt es sogar ein kleines Mnus bei den Visits.
Es ist richtig, ein großer Teil des Wachstums kommt aus der sehr intensivierten Zusammenarbeit mit idealo, und das ist auch gut und wichtig. Wir haben idealo konsequent in Computer Bild integriert und dafür auf den gesamten bisherigen Preisvergleich-Bereich bei Computerbild.de verzichtet. Dadurch wird die Usability und die Logik für den Nutzer massiv verbessert.

Wenn sich die Leser also immer stärker ins Internet verlagern, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Web-Aktivitäten die Print-Verluste auffangen können?
Generell gilt, dass alle Hefte der Computer Bild-Familie Multiplattform-Titel sind, d.h. crossmediales Denken steht sowohl für die Redaktion als auch für die Vermarktung im Mittelpunkt. So teasern wir z.B. Themen in Print an und bieten den Download online an. Ein gutes Beispiel ist das mit dem Heft-Neukonzept Ende letzten Jahres gestartete Computer Bild App-Center. Diese Plattform ist mit bisher über 300 000 Downloads sehr erfolgreich und eröffnet uns ganz neue Mehrwert- und Vermarktungsmöglichkeiten.
Bzgl. der Vermarktung kann man sagen, dass mittlerweile 15 der 20 größten Kunden der Gruppe sowohl in Computer Bild als auch auf computerbild.de werben.

Welche Themen laufen heute besser als früher?
Was die Entwicklung im Technologiemarkt anbetrifft, haben wir für dieses Jahr zwei Megatrends ausgemacht: Der Anteil an mobilen Computern ist stark gestiegen und zweitens verzeichnen Smartphones ein sehr starkes Umsatzwachstum und werden dieses Jahr voraussichtlich häufiger verkauft als konventionelle Handys. Der Beratungsbedarf für Internet-Dienste oder Handy-Angebote wird weiter steigen, da müssen wir für den Leser die Komplexität rausnehmen.
 
Was läuft sonst noch gut?
Alle Arten von Tipps und Tricks und Ratgebern waren schon immer sehr erfolgreich, vor allem zu Programmen auf der Heft-CD/DVD. Solche Geschichten und verständliche Anleitungen gehören schließlich auch zu unserer Kernkompetenz und unserem Markenversprechen. Das wissen und schätzen unsere Leser. In den letzten Jahren sind auch Internetthemen erfolgreicher, weil fast jeder einen Internetanschluss hat. Dagegen können wir nicht mehr wie früher einen PC-Vergleichstest zum Haupttitelthema machen. Vor zehn Jahren wurden davon über eine Million Hefte verkauft.

Einige Computer-Hefte werfen sich vor, den Apple-Trend verschlafen zu haben. Gilt das auch für die Computer Bild?
Im Gegenteil. Seit Ende Juni liegt unser erstes Apple-Sonderheft am Kiosk mit vielen Tests, Ratgebern, Schritt für Schritt-Anleitungen und Software auf der DVD.  Wir sind mit dem Verkauf sehr zufrieden. Und das ist nur der letzte große Aufschlag. Neue Macs werden bei uns schon lange vorgestellt und als erste Zeitschrift im Markt haben wir iPods, iPhones und iPads getestet.
 
Wie geht es weiter mit der Marke Computer Bild?
Die Marke Computer Bild steht für journalistische Unabhängigkeit der Redaktion und absolute Verbraucher- und Nutzwertorientierung. Anwalt des Lesers sein, komplexe technische Details einfach erklären und ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis – das ist und bleibt das Erfolgsgeheimnis der Marken Familie Computer Bild – in allen Heften und auf sämtlichen Kanälen. Diese Marktführerschaft in Europa und Deutschland wollen wir auch weiter ausbauen.
 
Wird es in 15 Jahren noch eine gedruckte Computer Bild geben?

Ja, selbstverständlich. Es wird immer Bedarf an unabhängiger Berichterstattung und hoch kompetenten sowie qualitativ hochwertigen Tests mit großem Nutzwert geben. Das Bedürfnis der Leser nach fundierten und verlässlichen Informationen und Hilfestellungen steigt mit jeder neuen, erfolgreichen Gerätegattung und Entwicklung. Nehmen wir etwa die Tablets und Smartphones und erklärungsbedürftige soziale Netzwerke wie Facebook. Unser Rat wird immer gefragt sein. Dabei ergänzen sich die verschiedenen Produkte der Computer Bild-Familie ideal. Auch in 15 Jahren werden die Verbraucher noch sagen können, „Computer Bild hilft”.

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