Traumfabrik: Steve Jobs plant die Apple-City

Alles, aber auch alles lief 2010 richtig für Apple. Keine Frage: Das Unternehmen hat einen Lauf wie noch nie. Jedes Quartal neue Rekordzahlen, immer schnellere Absatzrekorde bei iPhone- oder iPad-Verkäufen, während die Apple-Aktie von Rekord zu Rekord eilt. Fast folgerichtig wurde Steve Jobs Ende vergangener Woche vom renommierten Finanzportal Marketwatch zum CEO des Jahrzehnts gewählt. Doch gleichzeitig wächst damit die Frage: Erleben wir in diesen Tagen den Gipfel der iWorld? Ein Blick auf das alte Rom mahnt.

Anzeige

Alles, aber auch alles lief 2010 richtig für Apple. Keine Frage: Das Kultunternehmen aus Cupertino hat einen Lauf wie noch nie. Jedes Quartal neue Rekordzahlen, immer schnellere Absatzrekorde bei iPhone- oder iPad-Verkäufen, während die Apple-Aktie von Rekord zu Rekord eilt. Fast folgerichtig wurde Steve Jobs Ende vergangener Woche vom renommierten Finanzportal Marketwatch zum CEO des Jahrzehnts gewählt. Doch gleichzeitig wächst damit die Frage: Erleben wir in diesen Tagen den Gipfel der iWorld? Ein Blick auf das alte Rom mahnt.

Die alte Welt ist nicht genug. Apple City heißt die neue. Die iWorld, erbaut von niemand anderem als dem vermutlich größten Architekten dieser Tage – Sir Norman Foster, der bereits vor zwanzig Jahren von der Queen zum Ritter in den Adelsstand erhoben wurde.

Und Adel verpflichtet inzwischen auch in Cupertino: Fast 300 Milliarden Dollar ist Apple mittlerweile wert – so viel wie kein anderes Technologie-Unternehmen der Welt und nicht mal eine Handvoll anderer Konzerne weltweit. Der Himmel scheint also die Grenze zu sein. Den soll Sir Norman Foster in den kommenden Jahren auf das 40 Hektar große Grundstück holen,  das Apple im November erst von HP abgekauft hatte.
Apple City: Abu Dhabi in Cupertino

Tatsächlich wie aus einer anderen Welt könnte Apple City dann aussehen: Nämlich wie Masdar in Abu Dhabi, der ersten Stadt der Welt ohne Autos oder CO2-Emissionen. Stattdessen soll ein Straßennetz unterhalb des Apple Campus verlaufen und die jetzige Konzernzentrale mit einem Tunnel verbinden. Das multifunktionelle Gebäude soll mit den modernsten Technologien ausgestattet und nach den neusten Öko-Standards gebaut werden, berichtet das spanische Wirtschaftsmagazin "El Economista".

Eine Traumfabrik entsteht. Keine Frage: Apple wächst in immer neue Dimensionen hinein und reflektiert damit einen Aufstieg, wie es in der modernen Wirtschaftsgeschichte noch nicht gegeben hat – vom Fast-Pleitekandidaten 1996 zum inzwischen mit Abstand wertvollsten Technologiekonzern der Welt, den nur noch wenige Dollar pro Aktie von einer 300-Milliarden-Dollar-Bewertung trennen.

Fast folgerichtig kürte das renommierte Finanzportal Marketwatch, das zu Rupert Murdochs Dow Jones Company gehört, den Macher des Apple-Erfolges, Steve Jobs, dann auch gerade erst zum "CEO des Jahrzehnts". Angesichts einer Wertsteigerung von mehr als 4.500 Prozent seit Übernahme der Amtsgeschäfte eine mehr als verdiente Wahl.

Mahnende Parabeln: Apple zwischen Babel und Rom?

Alles bei Apple steht also auf Allzeithoch: Die Aktie. Die Umsätze. Die Gewinne. Die Auszeichnungen. Und offenbar die Zukunftsaussichten, wie die Pläne des neuen Apple Tempels dokumentieren: Hier wird Geschichte geschrieben – und das Imperium vergrößert.

Eine Anleihe an die Geschichte oder gar an die Bibel sollten Apple-Jünger indes auch einmal innehalten lassen. Als zu offenkundig erinnern Apples Allmachtsfantasien an die biblische Erzählung des Turmbaus zu Babel, der bekanntlich böse, nämlich in der völligen Verwirrung der verschiedenen Völker endete. Auch eine andere Parabel drängt sich auf: Die mit dem alten Rom, die Geschichte von Niedergang und Fall. 

Zyklus von Aufstieg und Fall: Niedergang oder Neuerfindung?

Klar ist: Apples Triumphzug kann nicht ewig anhalten. Alles, aber auch alles ist in den vergangenen zehn Jahren gelungen, einmal von minimalen Spritzern auf der weißen Weste wie etwa dem „Antennagate“ beim iPhone 4, dem Verkaufsflop des ersten AppleTV oder dem eher zweitklassigen Cloud-Dienst MobileMe einmal abgesehen. So kann und wird es nicht weiter gehen, es wäre das erste Mal in der Wirtschafts- und erst recht in der Technologie-Geschichte, dass ein Unternehmen über Jahre an der Spitze bleibt.

Wie ein Naturgesetz gleicht der Lebenszyklus eines Technologie-Unternehmens der Geschichte von Aufstieg und Fall. Nicht immer endet der Fall im Drama, sondern manchmal auch in der Neuerfindung oder Weiterentwicklung, wie Apple selbst oder etwa IBM oder Hewlett-Packard bewiesen haben.

Die gute Nachricht für Apple-Aktionäre ist dabei, dass ihre Anteilsscheine inzwischen wieder so günstig zu haben sind wie nie seitdem der Siegeszug der iRevolution mit dem ersten iPod: Bei aktuell 322 Dollar wechselt die Apple-Aktie abzüglich des Cash-Anteils von 52 Dollar je Titel für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 den Besitzer. Angesichts eines Gewinnwachstums von zuletzt mehr als 50 Prozent ist das eine bemerkenswerte Untertreibung nach unten. Negativ-Überraschungen wären damit also verkraftbar bzw. eingepreist. Ein Abstieg vom Gipfel oder ein langer Niedergang wie im späten Rom allerdings nicht – dieses Szenario könnte vielmehr Microsoft vor sich haben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige