Apple-Aktie: Massiv unterbewertet?

Die Wall Street diskutiert in diesen Tagen über ein Thema: Die Apple-Aktie scheint vom Aufwärtstrend abgekommen. Seit Wochen helfen positive Nachrichten kaum noch, um den Kurs zu beflügeln – schlechte, wie zuletzt "Antennagate", führen indes zu massiven Abschlägen. Wie selten in der Geschichte des Unternehmens gehen Analysten und Anleger getrennte Wege. Vermögensverwalter und die Wirtschaftspresse wundern sich über die preiswerteste Bewertung seit 2003 – die Aktie kommt trotzdem nicht vom Fleck.

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Die Wall Street diskutiert in diesen Tagen über ein Thema: Die Apple-Aktie scheint vom Aufwärtstrend abgekommen. Seit Wochen helfen positive Nachrichten kaum noch, um den Kurs zu beflügeln – schlechte, wie zuletzt "Antennagate", führen indes zu massiven Abschlägen. Wie selten in der Geschichte des Unternehmens gehen Analysten und Anleger getrennte Wege. Vermögensverwalter und die Wirtschaftspresse wundern sich über die preiswerteste Bewertung seit 2003 – die Aktie kommt trotzdem nicht vom Fleck.

Ein neuer Handelstag, eine neue Enttäuschung für Apple-Aktionäre. So lässt sich die Bilanz des gestrigen Donnerstaghandels an der Wall Street trefflich beschreiben. Um knapp 3 Dollar oder rund ein Prozent ging es herunter – doppelt so stark wie die Benchmark, die Technologiebörse Nasdaq.

Das allein ist kein Drama, wenn es sich nicht fast jeden Tag abspielen würde. Von seinen Kunden, der Technologiebranche und Analysten so sehr geliebt wie wohl kein anderes Unternehmen auf diesem Planeten, wird Apple an der Börse seit Monaten doch so behandelt, als gäbe es keine Rekordzahlen am Fließband, keine Produktinnovationen wie das iPad, keine Wachstumsraten, die die Konkurrenz mit Neid erfüllen würden. Die Apple-Aktie, die unter dem Tickersymbol AAPL geführt wird, ist seit Wochen der Prügelknabe der Wall Street – und auch das nach dem "Antennagate", das nach Analystenansicht keine Auswirkungen auf die Bilanz des Unternehmens haben dürfte.

James Cramer versteht Apple-Aktienkurs nicht
 
"Warum Apple?", fragt etwa CNBC-Starmoderator James Cramer ("Mad Money"). "Es gibt 499 Aktien, die ich eher leerverkaufen würde als Apple", erklärt der frühere Hedgefondsmanager. "Apple! Das Unternehmen, das alle Quartalsschätzungen immer wieder pulverisiert, das mit der weltweiten Nachfrage kaum mithalten kann und Käufer hat, die sich tagelang in die Schlange stellen in einem Jahrzehnt, in dem sich keiner mehr überhaupt anstellt!"

So weit, so unverständlich. Noch erstaunlicher wird die Käuferzurückhaltung angesichts der einzigen Kennziffern, die an der Wall Street wirklich zählen: den Fundamentaldaten. Und die sehen nicht nur operativ stark aus – sondern auch erstaunlich günstig im Verhältnis der Börsenbewertung.

Apple-KGV so günstig wie seit 2003 nicht mehr

Obwohl Apple Gewinnzuwächse von zuletzt unglaublichen 77 Prozent vermeldete, wird das Unternehmen an der Börse niedriger bewertet als Old Economy-Unternehmen wie Baumaschinen-Hersteller Caterpillar in den USA oder Kalisalz-Anbieter K+S in Deutschland. Die für Anleger magische Kennziffer, das Kursgewinn-Verhältnis (KGV), notiert bei Apple nämlich so niedrig wie seit 2003 nicht mehr.

14 Dollar je Aktie wird das Unternehmen nach konservativen Schätzungen im Fiskaljahr 2010 verdienen – was angesichts des aktuellen Aktienkurses von 258 einem KGV von 18 entsprechen würde. Doch dann sind da noch Cash-Bestände von inzwischen mehr als 47 Milliarden Dollar, die 50 Dollar Buchwert des Aktienkurses entsprechen – diese Barreserven herausgerechnet, kommt Apple gerade mal auf ein KGV von 15!

"Bewilligt man ein KGV von 20, was noch konservativ für ein Unternehmen mit einer Wachstumsrate von mindestens 20 Prozent ist und zieht die 50 Dollar Cash ab, wäre die Aktie am Ende des Fiskaljahres 2010 330 Dollar wert", rechnet der Vermögensverwalter Scott Rothbort vor.

Analysten sehen 400 Dollar Kursziel

Vor allem die Betonung auf das Fiskaljahr verdient seine Betrachtung. Denn das neue fängt bei Apple schon in 2 Monaten, nämlich am 1. Oktober an. Dann steigen auch die Ergebnisschätzungen – und verringern damit die Multiplen. "Mit Blick auf 2011 liegen die Gewinnschätzungen je Aktie bei mindestens 17 Dollar. Das würde ein Kursziel von 400 Dollar rechtfertigen", erklärt Rothbort.  

Wall Street-Analysten sehen das sehr ähnlich und stuften ihre Kursziele nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen reihenweise herauf. Morgan Stanley ist die erste Investmentbank, die nun eben jene 400 Dollar nennt. Die Deutsche Bank sieht 375 Dollar, Piper Jaffray 371 Dollar.

Und was macht die Apple-Aktie? Sie notiert bei 258 Dollar nicht nur weiter 21 Dollar unter den Allzeithochs vom Juni, sondern sogar unter dem Niveau des Quartalsergebnisses – ganz so, als hätte es die jüngsten Rekordzahlen nicht gegeben.
 
Problem des optisch hohen Aktienkurses?

Wie kann es sein, dass sich Anleger und Analysten so weit voneinander entfernen? Ein Teil des Problems mag im Aktienkurs selbst liegen – denn der sieht bei 258 Dollar sehr teuer ist, obwohl der Kurs bekanntermaßen nichts über die tatsächliche Bewertung aussagt, sondern nur das KGV. Entsprechend wird seit Monaten die Möglichkeit eines Aktiensplits diskutiert, der das Papier optisch verbilligen würde.  

"Wenn die Aktien durch zehn geteilt und dann bei 26 liegen würde, wäre sie nicht so anfällig für Leerverkäufer", glaubt etwa James Cramer. Apple-Aktionäre werden sich auf diese Möglichkeit zumindest noch bis zum nächsten Conference Call im Oktober gedulden müssen.

Überhaupt könnte Geduld langfristig eine gewinnträchtige Tugend sein: "Die Aktie sieht billig aus", folgerte auch unlängst  der renommierte  "Wall Street Journal"-Ableger "Barrons": "Apple bleibt die beste Wachstumsstory überhaupt, ist wirklich nicht teuer und hat bewiesen, dass ihnen selbst ein Wirtschaftsabschwung nichts anhaben kann."

Doch schlagende Argumente werden an den Aktienmärkten bekanntlich selten eins-zu-eins umgesetzt. "An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1", erklärte einst Börsenlegende André Kostolany. "Man muss nur die Nerven und das Geld haben, das ‚Minus 1‘ auszuhalten". Apple-Aktionären dürfte es in diesen Tagen genauso gehen.

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