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Videospieler wehren sich gegen RTL

Im Netz herrscht einige Aufregung über einen Beitrag der RTL-Sendung "Explosiv" zur Videospielemesse Gamescom in Köln. In dem Beitrag wurden Computer- und Videospieler einseitig und reichlich manipulativ als ungepflegte, gewaltbereite Sonderlinge dargestellt. Der Beitrag hatte eine Flut negativer Kommentare im Web zur Folge. Giga.de stellte daraufhin einen "Gegen-Beitrag" im ähnlichen Duktus ins Netz, der mit RTL hart ins Gericht geht.

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Der Original-RTL-Bericht wird von einer gestylten Nazan Eckes mit folgenden Worten anmoderiert: "Sollten irgendwann einmal doch Außerirdische auf der Erde landen, könnten Sie auf folgender Veranstaltung wirklich enge Freundschaften schließen." Die Anmoderation gibt die Richtung des folgenden Beitrags über die Spiele-Messe Gamescom vor: Platteste Computer-Spieler- und Nerd-Klischees werden bedient bis zum Abwinken.

Jugendliche in Verkleidung werden als gewaltbereite Trunkenbolde vorgeführt, die zudem nach Schweiß riechen und deshalb keine Freundinnen finden – so jedenfalls die seltsame Logik des RTL-Berichts. Ein Messe-Besucher mit harmlosen "Pflanzen gegen Zombies"-Hut wird inquisitorisch befragt, warum er denn keine Freundin habe. Er sei zu schüchtern, meint der junge Mann. RTL legt den Verdacht nahe, es liege eher an dem Hut und seiner Vorliebe für Computerspiele.

Ein Tiefpunkt des Beitrages wird erreicht, als eine durch und durch blonde Messe-Hostess die Besucher nach "Typen" klassifizieren soll. Ein nicht unsympathischer Besucher mit langen Haaren und Bart wird da schnell zum unrasierten Sonderling, eine junge Frau in schriller Verkleidung zur Fantasy-Lisl abgestempelt.

Wer nicht in das Styling-Schema der RTL-Autoren passt, mutiert so zum potenziellen Amokläufer oder mindestens zum Sozial-Prekariat. Dass sich die Netzgemeine über so viel Oberflächlichkeit mokiert, ist verständlich. Giga.de wollte es nicht beim Kommentieren belassen und produzierte einen Gegen-Beitrag vor dem Gelände von RTL. "Sollten irgendwann einmal Amöben das Sprechen lernen, dürften sie bei dieser Veranstaltung schnell viele Freundschaften schließen", wird dieser anmoderiert. Mit der Kamera werden dann RTL-Mitarbeiter beim Essen holen gefilmt und danach befragt, wie sie es denn mit der Körper-Hygiene so halten ("Wenn man den ganzen Tag Medieninhalte produziert, wieviel Zeit bleibt da für Körperhygiene?").
Die Macher von Giga.de attestieren dem Sender "Schmierenjournalismus der Spitzenklasse" und schließen mit den Worten: "Den stechenden Geruch von Mediengeilheit und verlogener Doppelmoral, den haben wir immer noch in der Nase". Gerade hat die RTL Group einen neuerlichen Rekord-Gewinn für das Jahr 2011 in Aussicht gestellt. Wenn sich der Sender bei dem ganzen Geldverdienen ab und zu auch an den altmodischen Begriff "gesellschaftliche Verantwortung" erinnern würde, das wäre allerdings auch was wert.

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