Matussek als neuer Andreas Englisch

Matthias Matussek vom Spiegel hat den Papst im Flieger getroffen und darüber geschrieben, als sei der Geist des früheren Bild-Vatikan-Korrespondenten Andreas Englisch in ihn gefahren. Unterdessen provoziert Bild-Chef Diekmann mal wieder die taz-Genossen mit einer Anzeige, Medienanwalt Ralf Höcker klagt als HÖCKER im Namen der Intimsphäre von Jörg Kachelmann, was das Zeug hält und das Fußball-Magazin 11 Freunde macht zusammen mit der "Sportschau" lustige T-Shirts.

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Die Bild Zeitung macht mächtig PR-Wind und veröffentlicht diesen Samstag eine XXL-Ausgabe. Bild-Chef Kai Diekmann nahm dies zum Anlass, seine taz-Genossen mal wieder ein bisschen zu provozieren und ließ in der taz eine Anzeige in typischem Bild-Stil schalten: "Ihre Meinung zur XXL-Bild, Kai Diekmann: So viel Angriffsfläche hat Bild noch nie geboten! Perfekt für Genossen." An der Ecke ist sogar ein Coupon, mit dem sich taz-KäuferInnen (!) eine Gratis XXL-Bild holen können. Das taz-Hausblog veröffentlichte die Anzeige vorab online und es ist schon sehr amüsant zu lesen, wie sich die Kommentatoren dort sofort in eine Diskussion verstricken, die genauso vorhersehbar war. Die einen beschimpfen sofort die taz dafür, dass sie die Anzeige angenommen hat ("Ihr Nutten"), die anderen regen sich darüber aus, dass die einen sich so aufregen. Diekmann weiß ganz offensichtlich, welche Knöpfe er bei seinen Genossen drücken muss.

Die Bild-Zeitung ist auch Gegenstand eines Streit zwischen HÖCKER und der Frankfurter Rundschau. HÖCKER ist der Medienanwalt Ralf Höcker, der u.a. Jörg Kachelmann vertritt und das Pressewesen akribisch nach Formulierungen durchforstet, die die Intimsphäre seines Mandanten verletzen könnten. So war die FR am 19. Juli 2010 der Frage nachgegangen, ob die Bild-Zeitung das Intimleben Kachelmanns im Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsprozess gegen ihn ausbreiten dürfe. Der FR-Artikel befasste sich dabei sehr kritisch mit der Rolle der Bild, in einer kurzen Passage wurde dabei darauf Bezug genommen, was Bild so berichtet. Nun könnten naive und juristisch wenig versierte Geister meinen, dass der Artikel a) schon eine Weile her ist und b) durchaus im Sinne von Jörg Kachelmann war. Nicht so HÖCKER. HÖCKER erwirkte vor dem dem Landgericht Köln eine Verfügung gegen die Passage in der FR und posaunte dies in dieser Woche via Pressemitteilung in die Welt hinaus. "Keine Sonderbehandlungen für Qualitätszeitungen", so HÖCKER. Und: "Schmutz bleibt Schmutz, auch wenn er nicht in der Bild, sondern in der Frankfurter Rundschau steht." Gerade so, als habe die arme FR die Speerspitze der Anti-Kachelmann-Berichterstattung gebildet. Das wirkt doch reichlich überzogen. Warum nur entsteht da bei mir der Eindruck, dass es hier weniger um die Verteidigung der Intimsphäre von Jörg Kachelmann geht, als vielmehr um flotte Eigen-PR von HÖCKER. Und warum schreibe ich HÖCKER überhaupt immer in Großbuchstaben? Nun, der Anwalt Ralf Höcker macht es in seinen Mitteilungen genauso. Wenn er von sich oder seiner Kanzlei schreibt, dann schreibt er immer HÖCKER. Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Anwalt? Ist es Eigen-Marketing? Nein, es ist einfach HÖCKER!

Lange nichts mehr gehört oder gelesen von Andreas Englisch, dem überkandidelten Vatikan-Korrespondenten der Bild und selbst ernannten "guten Freund" von Papst Benedikt XVI. Aber der Papst muss nicht traurig sein. Er hat viele gute neue Freunde aus dem Presse-Business. Sehr gute sogar. Einer von ihnen ist ganz offensichtlich Matthias Matussek vom Spiegel, der den Papst zum Weltjugendtag nach Madrid verfolgte. Matussek schrieb darüber eine Artikelserie bei Spiegel Online, die so voller überschäumender Verehrung, verbalen Kniefällen und seltsamen Vokabel-Kapriolen ist, als sei der Geist von Andreas Englisch in ihn gefahren. Der für weltlich gestimmte Leser bizarr anmutende Höhepunkt war erreicht, als Matussek den Papst tatsächlich in einem Flugzeug stellte und sich ein paar Minuten neben ihn auf den heiligen Flugzeug-Stuhl setzen durfte ("Mit Benedikt im Himmel").

Von heiligen Höhen zurück zu den Niederungen des Fußballplatzes. Das nach wie vor wunderbare Fußball-Magazin 11 Freunde kooperiert mit der Sportschau der ARD und hat anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Sportschau eine Reihe mit sehens- und tragenswerten T-Shirts aufgelegt. Die Shirts tragen Logos aus alten "Sportschau"-Tagen, wie etwas das des "Tor des Monats". Es gibt auch eines mit dem Logo der ebenfalls immer empfehlenswerten Kolumne "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs". Künftig sollen sogar aktuelle Fußball-Themen zeitnah zu T-Shirts verarbeitet werden. Zu haben sind die Kleidungsstücke für 19,99 Euro pro Stück unter shop.11freunde.de. So, das war die (unentgeltliche) Werbung. Bleibt nur noch eines zu wünschen:

Schönes Wochenende!

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