Markt-Analyse: Stadtmagazine im freien Fall

Publishing Mit einem umstrittenen Relaunch - halbe Größe, doppelter Preis - versucht das überregionale Stadtmagazin Prinz ab sofort, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. In acht Jahren hat das Magazin allein am Kiosk mehr als 100.000 Käufer verloren. Doch wie steht es um die Konkurrenz? Die vielen Stadtmagazine, gegen die Prinz in den Regionen kämpfen muss? MEEDIA nimmt den Markt unter die Lupe und zeigt: Alle größeren Kauftitel haben in den vergangenen Jahren massiv an Auflage verloren.

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Blicken wir zunächst auf die Stadtmagazine, die wie der Prinz am Kiosk um Käufer kämpfen. Die beiden Großen dieser Branche sind Tip und Zitty aus Berlin. 38.587 mal bzw. 34.126 mal werden sie laut IVW (2. Quartal 2011) im Durchschnitt verkauft. Der Großteil davon wird im Einzelverkauf abgesetzt, die Abos folgen als zweitwichtigste Auflagenkategorie.

Der 5-Jahres-Vergleich zeigt aber, wie schwer es die Stadtmagazine derzeit haben. Tip verlor in diesem Zeitraum 32,7% der verkauften Auflage, Zitty sogar heftige 38,0%. Auch das Berlin Programm büßte 33,7% ein, besonders Berlin scheint also ein immer schwierigerer Markt für Stadtmagazine zu sein. Vergleichsweise glimpflich davon gekommen sind aus der Top Ten der meistverkauften Titel das Journal Frankfurt mit einem Minus von 15,0% und StadtRevue Kölnmagazin mit einem von 15,4%. Beim Journal Frankfurt ist zudem der starke Abonnentenstamm erwähnenswert, der mehr Anteil an den Verkäufen hat als die Kioske.

Nochmal der Vergleich zum Prinz: Auf den ersten Blick kommt das Magazin ebenfalls noch glimpflich davon: Mit 173.397 verkauften Exemplaren liegt es nur 18,1% unter den Zahlen des Vorjahres. Der zweite Blick zeigt aber eine deutlich dramatischere Situation: Wertet man nur die Abos und den Einzelverkauf, die beiden härteren Auflagenkategorien, so liegt das Minus im selben Zeitraum bei 37,8%. Allein im Einzelverkauf schrumpfte die Auflage von 85.815 auf 39.362. Besonders heftig: Im zweiten Quartal 2003 wechselten am Kiosk noch 144.251 Prinzen den Besitzer – also rund 105.000 mehr als heute. Nur durch mehr sonstige Verkäufe konnte das Minus im Gesamtverkauf vergleichsweise klein gehalten werden.

Ein wichtiger Teil der Prinz-Konkurrenz sind natürlich auch die vielen kostenlosen Magazine, die in fast allen halbwegs großen Städten der Republik verteilt werden. Natürlich sind hier Aussagen über Erfolgstendenzen schwer zu treffen, denn eine Gratis-Zeitschrift ist schnell mitgenommen. Der Größte der Branche ist hier neben den Vermarktungs-Kombis der UMM vor allem port01 city-flash, das in über 20 Städten erscheint und laut IVW über eine verbreitete Auflage von 199.746 verfügt. Dahinter folgt das Ruhrgebietsmagazin Coolibri mit 194.377, der Zusammenschluss Kultur.Kino.West (150.340) zu dem u.a. der Düsseldorfer Biograph gehört und Blitz! aus Leipzig, das mit diversen Ausgaben in anderen Städten auf 143.976 verbreitete Exemplare kommt.

Neben den kostenlosen Blättern dürfte den kostenpflichtigen wie Prinz, Tip und Zitty aber vor allem wohl das Internet stark zu schaffen machen. Für Veranstaltungstipps gibt es zahlreiche praktische Suchmöglichkeiten und Plattformen, um nachzuschauen, was im Kino läuft, wird man ebenfalls schnell im Netz fündig. Bleibt also der redaktionelle Mantelteil – und der reicht offenbar immer seltener aus, um ein Stadtmagazin zu kaufen.

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