Anne Will: „Ich gehe ein Risiko ein“

Die ARD-Talkerin Anne Will hat das Konzept für ihre neue Mittwochsendung vorgestellt. Künftig startet die Moderatorin ihre Sendung mit einem Einzelgespräch. Im Laufe der 75 Minuten sollen weitere "Gegen- und Mitspieler" dazukommen. In der Erstausgabe sind u.a. der Starkoch Tim Raue, der Rapper Sido und Veronika Ferres dabei. Thema: "Wut im Bauch". Will: "Ich gehe mit dem neuen Konzept ein Risiko ein."

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Am Freitag erklärte die Moderatorin in ihrem Studio in Berlin-Adlershof das neue Talk-Konzept. Sie verspreche sich "mehr Intensität" und "immer neue Gesprächssituationen". Bis zur Sommerpause hatte sie den Sendeplatz am Sonntag nach dem Krimi um 21.45 Uhr gebucht. Doch den übernimmt Anfang September Günther Jauch. Die künftig aufgezeichnete Will-Sendung wird erstmals am 31. August um 22.45 Uhr ausgestrahlt.

"Große Freiheit"

"Natürlich hätten wir an den Erfolg der Sendung vom Sonntag anknüpfen können", sagte Will. "Aber jetzt habe ich die Chance, etwas Neues ausprobieren zu können." Der Mittwoch sei "kein gelernter Sendeplatz". Will: "Am Sonntag haben die Leute Erwartungen. Am späten Mittwoch aber habe ich die Chance, Erwartungen völlig neu zu wecken." Dies gebe ihr eine "große Freiheit", für die sie dankbar sei.

"Auch für Herrn Jauch wird es eine Herausforderung"

In einem Spiegel-Interview hatte sich Will Ende 2010 kritisch über die Art geäußert, wie die ARD die Rochade der Talk-Sendeplätze vorgenommen hat. "Das hätte durchaus eleganter laufen können", sagte sie damals. Will hatte über Medien erfahren, dass ihr Sendeplatz am Sonntag künftig vom Kollegen Jauch bespielt wird. Die Krise scheint nun ausgestanden, bei dem Termin in Berlin strahlten Will, NDR-Intendant Lutz Marmor, ARD-Chefredakteur Thomas Baumann und NDR-Programmdirektor Frank Beckmann um die Wette. "Neue Formate brauchen Entwicklungszeit", sagte Marmor über die Talksendungen im Ersten: "Auch für Herrn Jauch wird es erstmal eine große Herausforderung."
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Virla-Spot für den neuen Sendeplatz

Als Quotenziel hat sich Anne Will etwa 1,5 bis 2 Millionen Zuschauer gesetzt: "Davon träumen wir, aber das muss man auch erst hinbekommen." In ihrer ersten Sendung in der kommenden Woche soll es um "Wut im Bauch" gehen – in London entlud sich die Gewalt Jugendlicher, in Berlin werden täglich Autos angezündet und ein 18-Jähriger verprügelte einen Mann mit erschreckender Brutalität in der U-Bahn. Der heutige Starkoch Tim Raue war in seiner Jugend Mitglied einer Gang und wird mit Will ein Einzelgespräch führen. Als weitere Gäste treten dann der Rapper Sido, der ehemalige CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Autor Christian Nürnberger und die Schauspielerin Veronika Ferres auf.

Ferres-Besetzung als Eigenwerbung

Die Ferres-Besetzung ist eine ARD-Eigenwerbung, denn 14 Tage später läuft der Fernsehfilm "Sie hat es verdient" mit Ferres in der Hauptrolle in der ARD. Und natürlich hoffen Redaktion und Programmplaner auf einen Ferres-Effekt – die omnipräsente Schauspielerin gilt als Quotengarant.

Auf die Frage, warum nicht die komplette Sendung mit einem Gast bestritten werde, sagte Will: "Die Spannung mit einem Gast zu halten, ist nicht leicht." Sie würde sich nicht um die Aufgabe drücken, aber es gebe vermutlich nur wenige Gäste, bei denen 75 Minuten Einzelinterview als Sendekonzept trügen. Rückmeldungen von Zuschauern direkt in der Sendung sind wegen der Aufzeichnung nicht mehr möglich. Sie schätze zwar Leserpost sehr, sagte Will, aber nicht so sehr die viel beschworene "Interaktivität" von Sendeformaten.

NDR-Intendant Marmor, der auch für die Sendung Anne Will verantwortlich ist, sagte zur Kritik an der "Talkflut" im Ersten mit fünf Sendungen an fünf Tagen: "Es gibt sehr viele Debatten, und alle fordern den Diskurs." Am Ende entschieden die Zuschauer, ob fünf Sendungen in der Woche zu viel seien. Eine Bewertung "nur nach der Quote" könne es aber nicht geben.

Keine echte Sommerpause mehr in der Talk-ARD

ARD-Chefredakteur Baumann ist für die Koordination der Themen verantwortlich – setzt aber darauf, dass die Redaktionen sich untereinander einigen, welcher Talker sich um welches Thema kümmert: "Ich bin nicht dazu da, etwas zu unterbinden." Lutz Marmor dazu: "Natürlich gibt es einen Wettbewerb der Talker." Am Rande gab Baumann auch bekannt, dass es eine Talk-Sommerpause im üblichen Sinne im kommenden Jahr nicht mehr geben werde: "Es gibt kein Sommerloch mehr, darum wird es auch keine großen Pausen mehr geben." Auch in den Sommermonaten werde es immer ein oder mehrere Formate geben, die weiterliefen." Glaubt man den ARD-Strategen, dann ist Talk so wichtig und gefragt wie nie. 

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