„Knallhart in der Sache, weich in den Worten“

Seit 40 Jahren hilft "Bild kämpft" Lesern bei Streitereien mit Behörden und Versicherungen oder verschafft auch mal wie aktuell einer Berliner Familie, bei der die Auto-Brandstifter zuschlugen, einen neuen Kombi. Mittlerweile kümmert sich ein neunköpfiges Team um rund 20.000 Anfragen pro Jahr. Dabei will "Bild kämpft" kein Recherche-Tool für Schicksalsgeschichten sein. Stattdessen sieht Chef-Helferin Dorothea Misch ihre Arbeit "direkt im Markenkern von Bild. Denn Bild war schon immer der Anwalt des kleinen Mannes."

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"Bild kämpft" wird 40 Jahre alt. Wie fing denn alles an?
Im Jahr 1971 setzte sich Bild für die Leiterin eines Kindergartens in der Nähe von Bad Schwartau ein. Die Frau sollte gegen den Willen der Eltern die Leitung abgeben, weil sie nur Kinderpflegerin und keine Kindergärtnerin war. Am Ende konnte die Frau bleiben. Diese spontane Hilfsaktion war sozusagen der Grundstein für unsere Redaktion "Bild kämpft". Wir sind eine Instanz, die sich Bild für die Leser leistet.


Sie ziehen den Karren aus dem Dreck: So sieht sich das "Bild kämpft"-Team selbst
Ihre Leser-Hilfe stand lange im Ruf, vor allem ein Recherche-Tool für Schicksalsgeschichten zu sein. Ist Ihr Engagement mehr ein PR-Tool, eine tatsächliche Lebenshilfe für Leser oder vor allem eine Investition in die Leser-Blatt-Bindung?
Diesen Vorwurf habe ich noch nie gehört. "Bild kämpft" ist eine Instanz für die Leser und dient so klassisch der Leser-Blatt-Bindung. Wir befinden uns direkt im Markenkern von Bild. Denn Bild war schon immer der Anwalt des kleinen Mannes. 

Wie wird man denn Leiterin von "Bild kämpft"?
Ich bin seit 2000 bei Axel Springer. Nach verschiedenen Stationen bei der Zeitungsgruppe Bild habe ich 2007 "Bild kämpft" übernommen und hatte vor allem die Aufgabe, die Redaktion weiterzuentwickeln, zu modernisieren. Wir haben das Team ausgebaut und sind mit einem Bus durch Deutschland zu den Lesern gefahren. In über zwei Jahren haben wir fast 40.000 Kilometer zurückgelegt. Seit 2010 liegt unser Fokus auf unserer Online-Plattform, auf dieser kann jeder mit drei Klicks um Hilfe bitten. 

Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Team?
Wir haben insgesamt neun hauptamtliche "Kämpfer". Unser Team ist ein interessanter Mix aus erfahrenen Redakteuren und Fachleuten, die früher bei Banken oder Krankenkassen gearbeitet haben, also auch die "Gegenpositionen" kennen und den angesprochenen Stellen auf Augenhöhe begegnen können. Die journalistische Tätigkeit ist nur ein Ausschnitt unserer Aufgabe, ein bisschen wie der sichtbare Teil des Eisbergs.

Das heißt: nicht aus jedem Fall wird eine Print-Story?
Nein. Über den Löwenanteil unserer Arbeit reden oder schreiben wir nicht. Wir helfen einfach unseren Lesern. Nur weil sich jemand an Bild wendet, landet er nicht direkt in der Zeitung oder auf der Website. Über einige unserer Erfolge berichten wir selbstverständlich in der gedruckten Ausgabe und auch auf unserer Website. Das alles geschieht aber immer nur im Einverständnis mit dem Leser, dem wir helfen konnten. Wenn ein Betroffener keine Veröffentlichung wünscht, respektieren wir selbstverständlich diesen Wunsch. Wobei es vielen Lesern auch genau darum geht, dass ihr Problem oder Ärgernis in die Öffentlichkeit kommt.

In wie vielen Fällen pro Jahr werden Sie aktiv?
Wir bekommen bis zu 20.000 Fälle pro Jahr. Viele Probleme können wir lösen, in manchen Fällen bedeutet konkrete Hilfe aber auch einfach nur Zuhören und Vermitteln.


"Bild kämpft" im Internet. Jeden Tag wird Online von einem erfolgreichen Fall berichtet: Ob nun ein neues Auto für eine Berlienr Familie oder ein Logistiker, der vor dem "Erblinden gerettet" wurde

Nehmen Sie sich aller dieser Fälle an?

Nein, das geht nicht. Wir übernehmen nur Aufgaben, bei denen wir tatsächlich eine echte Chance sehen, zu helfen. Wir geben auch keine Erfolgsversprechungen, wir versprechen stattdessen uns einzusetzen.

Wie reagieren die Stellen, wenn sich Bild bei ihnen meldet?
Die Wahrheit ist, dass sie tatsächlich aufgeschlossener und hilfsbereiter sind, wenn wir bei ihnen anrufen. 

Welche Fälle übernehmen Sie nicht?
Wir können und dürfen nicht die Arbeit eines Rechtsanwaltes ersetzen oder in laufende Verfahren eingreifen. Natürlich ist es auch immer schwierig, wenn jemand uns um Geld bittet. Da können wir nichts machen. 

Gibt es gewisse Trends bei den Hilferufen?
2008 gab es beispielsweise zahlreiche Fälle von Kaffeefahrten-Abzocke. Dauerthemen kommen heute vor allem aus dem Bereich Telekommunikation – also Probleme mit Handy, Telefon oder Internet –, aus dem Bereich staatliche Leistungen wie ALG 2 oder aus dem Bereich Versicherungen und Finanzen. 

Wie soll sich das Format weiterentwickeln?
Mit "Leser helfen Lesern" und der "Live-Hilfe" haben wir gerade erst zwei neue Formate gestartet, die wir noch ausbauen wollen. 

Ganz zum Schluss: Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Wir sind knallhart in der Sache und weich in den Worten.

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