Bizarrer Opfer-Wettstreit bei Radio Energy

Mit einer aktuellen "Hilfsaktion" ist Radio Energy in Berlin wohl über das Ziel hinausgeschossen. Der Sender ruft zu einem merkwürdigen Wettstreit unter den Opfern der aktuellen Autobrandstiftungen in der Hauptstadt auf. In der Energy-Pressemitteilung heißt es: "Wir suchen deshalb das schlimmste Schicksal aus dieser Brandserie." Demjenigen, der die mitleidserregende Story zu bieten hat, winkt ein Neuwagen zum Nulltarif. Kritik an der Aktion halten die Sender-Verantwortlichen für "ziemlich deutsch".

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Die Aktion scheint ein Erfolg zu werden. So sollen sich bereits rund 20 Opfer beim Berliner Radio gemeldet haben. Bislang ist sie bis zum 2. September terminiert, doch wenn die Entwicklung so weitergeht, planen die Programm-Macher bereits, dass der bizarre Wettstreit in die Verlängerung geht.

Die Logik dahinter ist jedoch diskussionswürdig: Denn je mehr Autos in der Hauptstadt brennen, desto mehr Menschen machen bei der Energy-Aktion mit und desto größer lässt sie sich verkaufen. Die Macher müssen sich deshalb der Kritik stellen, dass Kampagnen wie diese den medialen Hype um die brennenden PKW weiter anheizen und Trittbrettfahrer zusätzlich motivieren.
Mit ihrer Idee den Opfern zu helfen, ist Energy nicht alleine. Auch die Bildzeitung mit ihrem "Bild kämpft"-Team setzten sich bereits für eine Familie ein, die ihren Wage durch eine der mittlerweile Hunderten von Brandstiftungen verlor.

Noch sehen die Radio-Manager die Vorwürfe gelassen. "Was tun wir denn Verwerfliches?", fragt Martin Liss, Geschäftsführer Energy Berlin gegenüber MEEDIA. "Wir können nichts dafür, dass irgendwelche Vollidioten meinen, man müsse anderer Leute Autos anzünden." Der Radiomacher stellt fest, dass es in der Hauptstadt nun mal leider das Phänomen der brennenden Autos gebe. "Wir greifen es auf und setzen es – neben klassischen Informationen rund um das Thema, die bei uns übrigens viel Raum einnehmen – auch im Rahmen einer Verlosung wie ich finde durchaus kreativ um."

Nicht ohne einen gewissen Ärger merkt er an: "Wenn andere kommerzielle Sender täglich ein Auto an Hörer verlosen, ohne dass deren altes abgefackelt wurde, dann regt sich niemand auf, dass die ‚Verlierer‘ es vielleicht viel dringender bräuchten, als der Gewinner." Weiter sagt Liss: "Mein Team erwartet dafür nicht das Bundesverdienstkreuz, aber ausgerechnet uns nun an den Pranger zu stellen, ist doch ziemlich, nun ja, deutsch.“

Nach dem Erfolg in Berlin prüfen die Macher bereits, ob sie auch in anderen Städten aktiv werden wollen.

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