ProSiebens „Alm“: Auf zur „Muhprobe“!

Wenn ProSieben am Samstag die zweite Staffel der Reality-Show "Die Alm" startet, brauchen nicht nur die Kandidaten starke Nerven. Auch dem Zuschauer wird einiges abverlangt, denn der Sender bedient sich bei der Auswahl seiner Berg-Bewohner aus der eigenen Recycling-Kiste. Drei Ex-Teilnehmer von "Germany’s Next Topmodel" wurden engagiert, dazu kommt eine Reihe ausrangierter Promis. Auch das Moderations-Duo Daniel Aminati und Janine Kunze lässt nichts Gutes erahnen. MEEDIA stellt Show und Kandidaten vor.

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Es gab sie schon einmal, "Die Alm", im deutschen Fernsehen. Im Sommer 2004 schickte ProSieben bereits Kader Loth, Kelly Trump, Detlef D! Soost und weitere Möchtegern-Stars in den Bergen auf Sendung. Die Quoten waren damals gut, doch in Unterföhring war man geblendet von dem Erfolg. Hals über Kopf startete man ein halbes Jahr später "Die Burg", die sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum gnadenlos durchfiel.
Geschockt von den Skandalen in der Sendung und negativen Schlagzeilen in der Presse zogen die Fernsehmacher die Reißleine und verabschiedeten sich sowohl von der "Alm" als auch der "Burg". Allerdings mussten sie in den folgenden Jahren mit ansehen, wie RTL mit "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" starke Quoten einfuhr und sich die Kritiker ebenfalls positiv äußerten.
Im März dieses Jahres kündigte ProSieben schließlich an, die "Alm" zurückzubringen. Neun mehr oder weniger bekannte Prominente ziehen nun am Samstag in die Südtiroler Berge. Die Zuschauer bestimmen jeden Tag per Telefonvoting einen Bewohner, der zur "Muhprobe" antreten muss. Was die Promis hier erwartet, dürfte klar sein: ekelige Prüfungen und peinliche Aufgaben. In der ersten Staffel musste sich Kader Loth in Kuhmist wälzen, ein anderer Kandidat Schneckenschleim trinken. Die Kandidaten sind in den Bergen auf sich alleine gestellt: Zum Start müssen sie ihre Betten selbst zusammenzimmern. Nur Huber aka Almöhi Josef ist noch auf der "Alm", ihm müssen die Kandidaten beim Bewirtschaften des Hofes helfen.
Sendezeit hat ProSieben in den kommenden zwei Wochen reichlich für das Format freigeräumt. Die Eröffnungs-Show am Samstag startet bereits um 20.15 Uhr, in den Tagen danach ist die Sendung täglich um 22.15 Uhr live zu sehen. Die Kandidaten bleiben übrigens alle bis zum großen Finale auf der "Alm", anders als im Dschungel wird niemand herausgewählt.
Und auch bei der Moderation ist einiges anders: Bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ spielen die Moderatoren eine große Rolle. Dirk Bach und Sonja Zietlow stemmten mit ihren ironischen Zwischenmoderationen einen Großteil der Show. Die "Alm" setzt mit Daniel Aminati und Janine Kunze auf zwei deutlich unbekanntere Gesichter. Kunze glänzte bislang nicht durch überragende Moderationen, Aminati steht täglich für das Magazin "taff" vor der Kamera. Aber natürlich wird es vor allem auf die Kandidaten ankommen, bei denen es jedoch nur eine Überraschung gab: Ex-Fußballspieler- und trainer Werner Lorant hatte wohl niemand auf dem Zettel.
Und das sind die "Alm"-Kandidaten:
Gina-Lisa Lohfink
Das Model schaffte es in der dritten Staffel von "Germany’s Next Topmodel" nur auf Platz zwölf. Inzwischen ist sie aber bekannter als die meisten ihrer Ex-Kolleginnen. Kein Wunder: Lohfink will unter allen Umständen berühmt werden und ist sich für keine Show zu schade. Ihr Privatleben lässt sie neuerdings von der Bild-Zeitung ausschlachten, die genüsslich über ihre angebliche Liebesbeziehung mit der Sängerin Loona berichtete. Kurz vor dem „Alm“-Auftritt zog sie für wenige Stunden in das „Big Brother“-Haus. Prognose: Lohfink sorgt mit ihrer lauten Art für reichlich Gesprächsstoff. Die Diskussionen mit den anderen Bewohnern werden vor Banalität strotzen.
Tessa Bergmeier
Noch so eine, die ProSieben aus dem Castingshow-Hut gezaubert hat. Bergmeier glänzte in der vierten Staffel von "Germany’s Next Topmodel" vor allem durch Zicken-Terror. Ähnlich wie Lohfink versucht sie, mit allen Mitteln im Gespräch zu bleiben. Bislang hat das nicht wirklich funktioniert. Prognose: Auf der "Alm" droht Zicken-Gefahr, besonders mit den Frauen wird sie aneinander geraten.
Thomas Karaoglan ("Der Checker")
Der nächste Castingshow-Kandidat: Karaoglan präsentierte sich 2010 bei "Deutschland sucht den Superstar" als der "Checker". Wenige Monate nach seinem Ausscheiden veröffentlichte er seinen ersten Song, seitdem versucht er mit Mühe und Not nicht von den Bildschirmen zu verschwinden. In diesem Jahr nahm er bereits an der RTL-Show "Let’s Dance" teil. Prognose: Mit seiner überdrehten Art versteht er sich wohl vor allem mit den Ex-"Topmodels", tiefgründige Gespräch sind bei dem 18-Jährigen eher auszuschließen.
Carsten Spengemann
Spengemann ist die Katy Karrenbauer der "Alm" und hat schon einige Erfahrung mit solchen Formaten. Er war bereits Kandidat bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". 2003 ließ er sich zudem beim "RTL Promiboxen" von Detlef D! Soost verdreschen. Seriöser arbeitete er unter anderem als Schauspieler in der ARD-Soap "Verbotene Liebe" sowie als Moderator der ersten beiden Staffeln von "Deutschland sucht den Superstar". Prognose: Spengemann kann mit seinen Erfahrungen aus der Fernsehwelt interessante Diskussionen anstoßen. Peinliche Momente sind bei ihm aber nicht auszuschließen.
Kathy Kelly
Woher kommen eigentlich diese ganzen Kellys? Ja genau: aus der Kelly Family, die in den 90er Jahren mit Musik ihr Geld verdienten. Joey kennt man ja. Das ist der, der bei den Events von Stefan Raab auftritt und als erbitterter Gegenspieler von Raab gilt. In diesem Jahr schaffte es Maite Kelly seit langer Zeit wieder in die Presse, der Grund: ihre Teilnahme an der RTL-Tanzshow "Let’s Dance". Daran will nun wohl auch Kathy Kelly anknüpfen. Die 48-Jährige hat schon im vergangenen Jahr erfolglos beim RTL-"Supertalent" teilgenommen. Prognose: Kathy Kelly hat keine Probleme auf der "Alm" zu leben. Wie sie im Vorfeld der Show erklärte, kam sie zuvor schon lange ohne warmes Wasser und Strom aus.
Charlotte Karlinder
Karlinder gehört zur Reste-Rampe der deutschen TV-Moderatorinnen. Ihre letzte große Station war die Moderation von "Big Brother" in den Jahren 2007 und 2008. Danach gab es für die 36-Jährige nur noch kleinere Projekte. Im vergangenen Jahr war sie in der RTL II-Trash-Show "Das Tier in mir" zu sehen. Karlinder war übrigens mal mit Peer Kusmagk verheiratet – dem Sieger des diesjährigen Dschungelcamps. Prognose: Karlinder hat das Zeug zum Geheimtipp, mit ihrer unauffälligen Art sammelt sie die Sympathien der Zuschauer ein.
Rolf Scheider
Damit wäre das "Germany’s Next Topmodel"-Trio komplett. Scheider war während der dritten und vierten Staffel der Castingshow Mitglied in Heidi Klums Jury. Wegen seinem französischen Akzent wurde er von Stefan Raab durch den Kakao gezogen, der ihm kurzerhand den Namen Rolfe gab. Seit 2009 tingelte er durch diverse Shows, darunter die Sat.1-Tanzshow "Yes, we can dance" und das RTL-Pendant "Let’s Dance". Prognose: Schon jetzt sind etliche Zuschauer Scheiders Art überdrüssig, mit seinem aufgesetzten Verhalten versteht er sich aber wohl besonders mit Gina-Lisa Lohfink und Tessa Bergmeier.
Werner Lorant
Mit seinen 62 Jahren ist Werner Lorant der mit Abstand älteste Bewohner der ProSieben-"Alm". Der ehemalige Fußballspieler (134 Spiele für Eintracht Frankfurt) und Trainer ist für seine aufbrausende Art bekannt. Lorant könnte für lustige Momente auf der "Alm" sorgen, denn den Mund lässt er sich nicht verbieten – das zeigte er jedenfalls schon mehrfach in seinem Amt als Fußballtrainer. Seine Erfolge im Sport hielten sich in jüngster Vergangenheit in Grenzen: Als Trainer bei chinesischen und slowakischen Vereinen konnte er sich nicht etablieren. In der ProSieben-Sendung wird er aber sicherlich für Stimmung sorgen. Prognose: Lorant ist der Geheimtipp! Niemand hatte mit ihm gerechnet, außerdem ist er der einzige, den man nicht in dem Format erwarten würde. Mit seiner Art eckt er an – besonders bei jungen Menschen.
Manni Ludolf
Von Manni Ludolf erhoffen sich die Sender-Chefs wohl tollpatschige Momente und lustige Aussagen. Ob das klappt, ist fraglich. Die Ludolfs sind witzig, allerdings nur, wenn sie gemeinsam auftreten. Wer die Brüder vom Schrottplatz nicht leider kann, wird Manni Ludolf schwer ertragen können. Aushalten sollte er es auf der "Alm" locker: Auf Luxus legt der 49-jährige Schrotthändler keinen Wert. Prognose: Manni Ludolf kann zum Totalausfall verkommen, mit seinem Wesen nervt er die anderen "Alm"-Bewohner sicherlich das ein oder andere Mal.
Fazit: Es sind zu viele Kandidaten dabei, die sich zu sehr um sich selbst sorgen und ihre Karriere voranbringen wollen. Aber genau das macht den Reiz der neuen Staffel aus, denn Lästereien kommen garantiert auf – und beim Zuschauer an, wie man in der vergangenen "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"-Staffel gesehen hat. "Die Alm" hat durchaus das Potenzial, gute Quoten zu holen. An den Erfolg des RTL-Dschungelcamps dürfte die ProSieben-Berg-Show aber nicht herankommen.

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