Parteien einigen sich im Zeitungs-Tarifstreit

Nach einem 18-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich die Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der DJV und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in den frühen Morgenstunden geeinigt. Die Parteien konnten eine neuen Tarifvertrag für die rund 14.000 Redakteure an Tageszeitungen verabschieden. Für sie gibt es ab 2012 mehr Gehalt sowie zwei Einmalzahlungen. Auch die Honorare für Freie werden angehoben. Einen kleinen Kompromiss gingen DJV und ver.di dann doch ein.

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Für die Redakteure werden die Löhne angehoben: vom 1. Mai 2012 an 1,5 Prozent mehr Gehalt, im Oktober 2011 sowie im Februar 2013 stehen Einmalzahlungen von jeweils 200 Euro an. Die Honorare der Freien werden per Oktober 2011 sowie per August 2012 um jeweils zwei Prozent angehoben. Der Manteltarifvertrag und die Altersversorgung gelten unverändert bis Ende 2013 fort.

“Die heftig umstrittenen Verschlechterungen für Berufseinsteiger sind vom Tisch, die von den Verlegern beabsichtigte Abwertung des Journalistenberufs ist damit verhindert worden“, betonte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke.

Der Tarifabschluss sei trotz der unbefriedigenden Tariferhöhung insgesamt ein Erfolg, denn die von den Verlegern geplanten massiven Eingriffe in den Manteltarif konnten abgewehrt werden.

Ein kleines Eingeständnis machten DJV und ver.di dann doch: Als Zugeständnis stimmten sie unter bestimmten Bedingungen einer Klausel zur Beschäftigungssicherung zu, die von Verlagen in nachgewiesenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten genutzt werden kann. Sie sieht vor, dass unter Beteiligung der Gewerkschaften in Krisensituationen einzelner Verlage die Sonderzahlungen für Redakteure um maximal 50 Prozent eines Monatsgehalts für maximal zwei Jahre abgesenkt werden. Als Gegenleistung sind die Arbeitsplätze der Journalisten im Jahr der Absenkung und im Folgejahr gesichert.

„Dieser Tarifabschluss ist trotz der unbefriedigenden Tariferhöhung insgesamt ein Erfolg, denn die von den Verlegern geplanten massiven Eingriffe in den Manteltarif konnten abgewehrt werden. Das ist der breiten Streikbewegung tausender Redakteurinnen und Redakteure, Volontären sowie freien Journalistinnen und Journalisten zu verdanken – unterstützt durch Streiks von Verlagsangestellten und Kolleginnen und Kollegen aus der Technik“, sagte Werneke.

Der BDZV ist nach eigenen Angaben zufrieden mit dem Ergebnis. „Damit haben die Verlage Planungssicherheit bis 2013“, sagte der Verhandlungsführer des BDZV, Werner Hundhausen.

Ferner sei es nie beabsichtigt gewesen, “gleichzeitig eine ergänzende Plattform für Berufseinsteiger mit maßvoll abgesenkten Tarifen abzuschließen, in die dann auch die Onlineredakteure integriert werden sollten“, so Hundhausen weiter. “Wir bedauern, dass die Gewerkschaften diesen Weg nicht mitgehen wollten.“ Trotzdem sieht der Verband die Notwendigkeit, künftig ein solches Tarifwerk zu schaffen.

Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) ist mit dem Ausgang der Verhandlungen zufrieden. "Der Journalistenberuf bleibt demnach für junge Leute interessant", heißt es in einer Mitteilung. "Von den geforderten Tarifeinbußen, die die Verleger monatelang gebetsmühlenartig wiederholt hatten, ist bis auf ein Zugeständnis der Gewerkschaften nichts übrig geblieben."

Schon Anfang August hatte sich abgezeichnet, dass eine Einigung ins Haus steht. Trotzdem zogen sich die Verhandlungen über Details des neuen Manteltarifvertrages noch einmal in die Länge. Beide Parteien befanden sich monatelang im Streit. Die Verhandlungen wurden von Massenstreiks begleitet. Allein am Mittwoch haben nach Angaben von ver.di mehr als 2000 Beschäftigte bundesweit die Arbeit niedergelegt. Die DJV-Tarifkommission rief im Anschluss an die Hamburger Verhandlungsrunde die Kolleginnen und Kollegen dazu auf, die Streiks einzustellen.

Die Einigung muss nun der Tarifkommission und anschließend den Streikenden zur Abstimmung vorgelegt werden. Diese muss sich bis zum 30. September zu dem Beschluss äußern.

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