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Liga-Manager wettern gegen SpOn & Bild.de

Bundesliga-Macher gegen Datenjournalismus: Bei der Manager-Tagung am Montag in Frankfurt wurde offenbar heftig über ein Thema mit viel Medienrelevanz und -brisanz gestritten: Es ging um Daten wie Laufleistung und Zweikampfverhalten, die Medien wie Spiegel Online, Bild.de oder Kicker.de nun von allen Profi-Spielern veröffentlichen. Vor allem Horst Heldt und Volker Finke sorgen sich, dass so ihre Kicker gebrandmarkt werden und deren Marktwert sinkt. Ihre Forderung: Die Medien sollen weniger Daten bekommen.

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Bundesliga-Macher gegen Datenjournalismus: Bei der Manager-Tagung am Montag in Frankfurt wurde offenbar heftig über ein Thema mit viel Medienrelevanz und -brisanz gestritten: Es ging um Daten wie Laufleistung und Zweikampfverhalten, die Medien wie Spiegel Online, Bild.de oder Kicker.de nun von allen Profi-Spielern veröffentlichen. Vor allem Horst Heldt und Volker Finke sorgen sich, dass so ihre Kicker gebrandmarkt werden und deren Marktwert sinkt. Ihre Forderung: Die Medien sollen weniger Daten bekommen.

Der Bild.de-Datencenter listet mittlerweile ein Vielzahl an Daten zu jedem Bundesligaspiel

Die Logik der Manager basiert offenbar auf den Erfahrungen des ersten Spieltages. Anhand der neuen Daten, die seit dieser Saison von dem Spezialisten Impire zur Verfügung gestellt werden, war beispielsweise einfach zu sehen, dass Lukas Podolski mit 8,9 Kilometern in 90 Minuten der lauffaulste Spieler des gesamten Spieltages war. Viele Zeitungen, Sender und Web-Portale brachten die Story. Das regte offenbar wiederum den Manager des 1. FC Kölns, Volker Finke, auf.

Diese Berichte schrecken zudem die Kaufmännische Ader der Sportdirektoren und Manager. Denn immerhin stellen die Spieler für die Vereine ein erhebliches ökonomisches Kapital dar. Also forderten Held, Finke und Co. einen – laut Kicker – besseren "Datenschutz" und einen "sensibleren Umgang mit den Daten".
Bei Impire sagt man dazu: "Ich denke nicht, dass die Veröffentlichung der Spieldaten den Marktwert eines Spielers beeinflusst, schließlich werden objektive Leistungsdaten schon seit 20 Jahren erfasst und publiziert", sagt Vertriebschef Mario Hanus gegenüber MEEDIA.

Dieser Fall ist ein wunderbares Lehrstück dafür, dass im Fußball Trainer, Spieler und andere Offizielle sich in taktischen Fragen immer gerne modern geben, sich ansonsten aber fast immer wertkonservativ verhalten. Alles Neue wird erst einmal kritisch beäugt.

Eine Spielanalyse, wie sie bei Bild.de zusehen ist

Tatsächlich scheint in diesem Fall ein bundesliga-typischer Dagegen-Reflex zum Tragen zu kommen. Ein ähnlicher Effekt war bei den Ressentiments gegenüber der 15.30 Uhr-Anstoßzeiten am Sonntag zu beobachten. Heute beschwert sich keiner darüber.

Für die Fans sind die neuen Statistiken ein echter Zugewinn. So erklärte Bild.de-Chefredakteur Manfred Hart zum Saisonstart stolz, dass seine Leser jetzt Daten "auf den Tischen" hätten, die sonst nur Bundesliga-Trainer haben.

Recht hat Hart, denn Bild.de bekommt genauso wie Spiegel Online und alle Bundesligatrainer ihr Datenmaterial über Zweikampfwerte, Ecken, Torchancen und Pässe nun zentral von Impire. Das Münchner Unternehmen beliefert seit Saisonbeginn alle Profi-Teams. Dadurch sparen die Vereine bis zu fünf Millionen Euro im Jahr. Teil des Deals ist allerdings auch, dass die Analyse-Experten ihre Daten an Medienunternehmen verkaufen dürfen. Rund zehn Redaktionen gehören zu den Kunden der Münchener und die wiederum sind nicht gerade begeistert von der Manager-Initiative.

Auch Spiegel-Online zeigt grafische Analysen der Top-Spiele

Allerdings glaubt beispielsweise der Kicker-Chefredakteur Klaus Smentek nicht, "dass es zu einer Sperrung der Daten kommt". Denn: " Wenn ein Spieler eben nicht lauf- oder zweikampfstark ist, wird es jeder Fachmann auch ohne diese Daten sehen." Zudem merkt der Blattmacher gegenüber MEEDIA an, dass es durch die neuen Statistiken auch Spieler geben wird, die gerade nicht "an Marktwert verlieren, sondern auch welche, die ihren Marktwert steigern können…"

Um den Streit zu schlichten, versucht sich die Deutsche Fußballliga jetzt erst einmal als Moderator. So erklärte der DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus in der heutigen Bild, dass er das Thema sehr ernst nehme. "Wir ermitteln jetzt erst mal, welche Daten es genau betrifft. Dann werden wir sehen zu welchen Konsequenzen das führt."

In ihrer Aufregung sollen die Manager von der Liga-Leitung sogar gefordert haben, die Verträge neu zu verhandeln. Fast könnte man meinen, dass der Kicker bereits in die Verhandlungen eingetreten ist, wenn er in einer kurzen Meldung schreibt, dass es "Geld kosten wird", das "Rad wieder zurückzudrehen".

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