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„Mobile Payment ist ein Milliardengeschäft“

Dem Bezahlen per Handy hing lange ein Schmuddelimage an. Zu mies waren Firmen wie Jamba mit ihren Kunden umgegangen, als sie fragwürdige Klingelton-Abos zu horrenden Preisen verkauften. Heute hat sich der Ruf durch Apples Appstore deutlich verbessert. Langfristig wird auch die Zukunft des bezahlten Online-Journalismus im mobilen Web liegen, ist Lars Ketelsen vom Paymenttool-Entwickler Atlas Interactive überzeugt. „Mit dem Smartphone zu bezahlen, ist massenkompatibel geworden.“

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Vor einigen Jahren noch schlossen unbedarfte Jugendliche per SMS Klingelton-Abos ab, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was dies für Folgen haben kann. „Das ist heute anders“, erklärt Atlas-CMO Ketelsen, der auch mal für die NDR-Werbetochter NDR Media GmbH und die Axel-Springer-Tochter asdirekt tätig war. „Die meisten Jugendlichen sind viel medienaffiner. Und auch die Eltern-Generation nutzt das Smartphone zum Spielen oder Lesen.“ Nicht nur für Anbieter von Bezahlsystemen eröffnet das neue Chancen in einem stark wachsenden Markt. Denn kaum ein Nachrichtenangebot kann sich allein über Werbung finanzieren und nur sehr wenige trauen sich, im stationären Web auf Paid Content zu setzen.
Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Axel-Springer-Verlag. In den Lokalausgaben seiner Regionalzeitungen setzt er Micropayment bereits ein. Lokalnachrichten auf Abendblatt.de und Morgenpost.de sind kostenpflichtig. Und auch die Financial Times Deutschland von Gruner + Jahr verlangt im Internet Geld für „Premium-Beiträge, Analysen, Reportagen und Hintergrundberichte“. Ob die Bezahlschranken einträglich sind, ist nicht bekannt. Die Zahl der Visits hat jedenfalls nicht darunter gelitten.
„Im mobilen Internet sind die Nutzer aufgeschlossener für Micropayment“, sagt Ketelsen trotzdem. Ob das auch auf journalistische Inhalte zutrifft? Unter den Top 100 der bezahlten iPhone- und iPad-Apps finden sich immerhin vier Medienangebote: die Bild.de-App, die Welt-HD-App, die RTLnow-App und die Sport-App WAZ Dauerkarte beziehungsweise die Tablet-Ausgabe des Kicker. „Hier finden meist Adhoc-Käufe statt“, erklärt der 43-Jährige. „Die Möglichkeit dieser kurz entschlossenen Käufe ohne vorherige Registrierungspflicht sind zwei ganz wesentliche Argumente für dies mobilen Bezahlmethoden.“ Für die Springer-Anwendungen sind zudem konkrete Zahlen bekannt: Nach eigenen Angaben verkauft der Verlag täglich 108.000 digitale Bild- und 17.000 Welt-Ausgaben.
Nach den Ergebnissen einer von Springer durchgeführten Studie investieren zudem iPad-Nutzer durchschnittlich über 100 Euro pro Jahr in Apps. Über 54 Prozent der digitalen Welt-Ausgaben (9.132 pro Tag) und über 16 Prozent der digitalen Bild-Ausgaben (17.492 pro Tag) werden an ein iPad ausgeliefert. Das ist beeindruckend, wenn man bedenkt, wie gering derzeit noch die Verbreitung des Tablet-PCs von Apple ist. Zudem lässt sich Bild.de auf dem iPad nicht einmal mehr ansurfen, da Springer alle Nutzer zur kostenpflichtigen App bekommen will.
Und das Geschäft mit den Tablets boomt: Nach Apple drängen auch weitere Hersteller in den Markt. Die meisten von ihnen setzen auf Googles Android-Betriebssystem. Laut dem Hightechverband Bitkom steigt der Umsatz mit Tablets in diesem Jahr um 70 Prozent auf 770 Millionen Euro. In 2012 werde das Marktvolumen voraussichtlich erstmals die Marke von einer Milliarde Euro erreichen.
Ketelsen, der sich mit Atlas Interactive auf Mobile Payment spezialisiert hat, betont, dass der Bezahlvorgang dabei so einfach wie möglich gehalten sein muss. Auf dem Handy sei die beliebteste Payment-Methode noch immer die SMS. „Entweder der Nutzer schickt eine Kurznachricht an eine bestimmte Nummer und bekommt einen Code auf sein Handy. Oder er trägt seine Handynummer in ein Web-Popup ein, worüber der Text freigeschaltet wird. Die Abrechnung findet direkt über seine Mobilfunkrechnung statt.“
Für die Zukunft erwartet Ketelsen, dass Mobile Payment in vielen Branchen stark an Bedeutung gewinnen wird. Mit Push-Nachrichten aufs Handy könne man viele Nutzer zu Spontankäufen anregen, beispielsweise beim Streaming von Musik oder Videos, beim Kauf von virtuellen Gütern in mobilen Games oder beim Erwerb von Fahr- oder Eintrittskarten. „Weltweit ist das ein Milliardengeschäft“, erwartet er.

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