“Verblendung”, “Erlösung” und Co.: bescheuerte deutsche Buchtitel in Serie

Es ist mal an der Zeit, sich über bescheuerte deutsche Übersetzungen von Unterhaltungsliteratur aufzuregen. Im Urlaub habe ich die ersten zwei Teile vom Jussi Adler Olsens Carl-Mørck-Reihe auf dem Kindle gelesen. Die Krimis des Dänen stehen derzeit auf den Bestsellerlisten ganz weit oben und sind auch wirklich spannend und unterhaltsam zu lesen. Auf Deutsch heißt […]

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Es ist mal an der Zeit, sich über bescheuerte deutsche Übersetzungen von Unterhaltungsliteratur aufzuregen. Im Urlaub habe ich die ersten zwei Teile vom Jussi Adler Olsens Carl-Mørck-Reihe auf dem Kindle gelesen. Die Krimis des Dänen stehen derzeit auf den Bestsellerlisten ganz weit oben und sind auch wirklich spannend und unterhaltsam zu lesen. Auf Deutsch heißt der erste Teil “Erbarmen”, der zweite Teil “Schändung” und der dritte ”Erlösung”. Kommt einem das bekannt vor?Stieg Larsson, viel zu früh gestorbener schwedische Autor, hatte mit der Millenium-Trilogie einen Monster-Bestseller von Weltformat geschrieben. Wie hießen die drei Bücher noch gleich auf Deutsch: “Verblendung”, “Verdammnis”, “Vergebung”. Klingt ähnlich, oder? Auch die Covergestaltung der Bücher von Adler-Olsen gleicht der von Larsson frappierend.

Jetzt könnte man denken: Ist doch okay, sind ja beides skandinavische Krimiautoren. Die Leser, die auf sowas stehen, werden dann gleich auf die richtige Spur gesetzt. Schaut man sich aber mal an, wie die Bücher im Original heißen, kann man mit dem Ohren schlackern. Die deutschen Titel haben nämlich nicht nur rein gar nichts mit den Original-Titeln zu tun, sie haben auch nichts mit dem Inhalt der Bücher zu tun!

Larssons “Verblendung” heißt im Original übersetzt in etwa: “Der Mann, der Frauen hasst”, “Verdammnis” heißt “Das Mädchen, das mit Feuer spielte” und Vergebung heißt “Das gesprengte Luftschloss”.

Adler-Olsens Bücher heißen wörtlich übersetzt so: “Die Frau im Käfig” (“Erbarmen”), “Fasanenmörder” (Schändung) und “Flaschenpost aus P.” (“Erlösung”). Nun habe ich den dritten Teil der Mørck-Krimis noch nicht gelesen, aber zumindest Teil eins und zwei haben mit inhaltlich mit den Schlagwörtern “Erbarmen” und “Schändung” so ziemlich gar nichts zu tun. Die Originaltitel ergeben dafür durchaus Sinn.

Diese Marotte von Verlagen, einzelne plakative Worte als Buchtitel zu nehmen, fing meiner Erinnerung zufolge mit “Es” von Stephen King an. Das Buch war vor Jahren ein großer Bestseller. Heyne brachte die Schwarte in einem ungewöhnlichen Großformat und knallrotem Umschlag heraus. Ein echter Hingucker. Der Verkaufserfolg war so gut, dass der Verlag dem nächsten King-Roman “Misery” (verfilmt von Rob Reiner mit Kathy Bates als sadistische Krankenschwester) einfach den ganz und gar bescheuerten deutschen Titel “Sie” verpasste. Nach dem Motto: Wenn die Leser-Trottel “Es” gekauft haben, dann kaufen die bestimmt auch “Sie”. Fast ein Wunder, dass man das nächste Buch nicht "Er" nannte.

Mit den King-Romanen ging das Spielchen noch eine ganze Weile weiter. Kings Fantasy-Reihe “Der dunkle Turm” wurde auch durch die deutsche Titel-Mühle gedreht. Teil eins heißt im Original: “The Dark Tower: The Gunslinger”. Deutsche Übersetzung: “Schwarz”. Liegt ja auf der Hand.

Vielleicht gibt es ja im Buchmarkt Käufer-Untersuchungen, die besagen, dass sich Bücher mit einem einzigen Wort als Titel besser verkaufen. Vor lauter “Verblendung”, “Erlösung”, “Erbarmen,” “Schändung”, “Verzeihung” usw. kann man aber nur noch sagen: “Empörung”. Das ist übrigens ein Buchtitel von Philipp Roth. Das heißt im Original aber genauso. Bei anspruchsvollerer Literatur traut man sich offenbar noch nicht, die Buchtitel ganz und gar zu verhunzen. Immerhin.

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