Roche: „Schoßgebete“ auf Bestseller-Kurs

Nicht mal eine Woche hat es gedauert, dass Charlotte Roches neuer Roman auf den Bestseller-Listen steht. Amazon führt "Schoßgebete" nicht nur als das meistverkaufte Buch der vergangenen Woche, sondern auch in den Kategorien "meistgewünscht" und "meistverschenkt" belegt das Werk den ersten Platz. Auch im konventionellen Buchhandel scheint der zweite Roche-Roman über die therapiehungrige 33-jährige Protagonistin ein Renner zu sein. Doch nicht alle freuen sich über den Erfolg des umstrittenen Buches.

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Am vergangenen Samstag stapelten sich in der Thalia-Filiale in der Spitalerstraße in Hamburg noch die weinroten Exemplare auf den Büchertischen. Auch an den Kassen waren "Schoßgebete"-Türme aufgebaut für jene, die noch spontan zu dem 16,99 Euro teuren Buch greifen wollten – und das waren bisher nicht wenige.
Auf MEEDIA-Anfrage teilte die Thalia-Holding in Hagen mit, dass sich "Schoßgebete" überall "bestens verkaufe" und man überzeugt sei, dass dieser Erfolg auch "in den nächsten Wochen andauern" werde. "Viel Zuspruch bekommt der Titel von jungen Frauen, jedoch ist die Bandbreite der Fans auch bei Lesern außerhalb dieser Gruppe sehr groß", so Mirjam Berle, Leiterin der Thalia-Unternehmenskommunikation. Genaue Verkaufszahlen wurden weder von Thalia noch von Weltbild oder Online-Händler Amazon kommuniziert. Auch gibt es noch keine offiziellen Zahlen von Media Control oder anderen Marktforschungsunternehmen.
Auch kleinere, inhabergeführte Buchhandlungen profitieren zwar von dem "Schoßgebete"-Boom, allerdings eher unfreiwillig. Bei Jonscher in Osnabrück, der  eher ein anspruchsvolles Literatur-Publikum bedient, werden täglich fünf bis zehn Exemplare verkauft – eine große Ausnahme, wie eine Mitarbeiterin auf MEEDIA-Anfrage sagte. Ansonsten würde ein Bestseller drei Mal am Tag über die Ladentheke gehen. "Das Buch läuft leider zu gut, und es schlägt noch besser ein als ‚Feuchtgebiete’". Sie ärgere sich, dass ein so schlecht geschriebenes Buch so einen Hype auslöse. Auf eine besondere Bewerbung im Laden oder Schaufenster verzichte man. Auch wurde nur die nötigste Anzahl an Exemplaren besorgt, nun müsse man aber nachbestellen.
Bereits am vergangenen Mittwoch, dem Erstverkaufstag von "Schoßgebete", hatte die Nachrichtenagentur dpa eine Umfrage unter Deutschlands größten Buchhändlern gestartet. Sowohl bei Hugendubel in München, bei der Mayerschen Buchhandlung in Aachen als auch im KulturKaufhaus Dussmann in Berlin lief der Verkauf demzufolge sehr gut an.
Der Piper-Verlag hatte "Schoßgebete" in einer Rekord-Startauflage von 500.000 Exemplaren drucken lassen. Mehr als 200.000 sollen davon laut Handelsblatt direkt in den Handel geschickt worden sein. Der Rest ist für schnelle Nachbestellungen gedacht. Man will wohl auf alles vorbereitet sein und hofft, an den Erfolg von 1, 8 Millionen verkaufter "Feuchtgebiete"-Exemplare anknüpfen zu können.

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