NotW: Druck auf James Murdoch steigt

Der Beweis: Illegales Abhören war weit verbreitet bei der News of the World. Das geht aus einem Brief von dem wegen illegalen Abhörens verurteilten Adelsreporter der Zeitung, Clive Goodman, hervor. Darin wird die Methode als „weit verbreitet“ beschrieben. Als wäre das nicht schon peinlich genug für News International, scheint Goodman auch Schweigegeld bekommen zu haben, um das Medienunternehmen zu decken. Hat James Murdoch damit den Parlamentsausschuss bei seinem Verhör im Juli irregeführt?

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Der Beweis: Illegales Abhören war weit verbreitet bei der News of the World. Das geht aus einem Brief von dem wegen illegalen Abhörens verurteilten Adelsreporter der Zeitung, Clive Goodman, hervor. Darin wird die Methode als „weit verbreitet“ beschrieben. Als wäre das nicht schon peinlich genug für News International, scheint Goodman auch Schweigegeld bekommen zu haben, um das Medienunternehmen zu decken. Hat James Murdoch damit den Parlamentsausschuss bei seinem Verhör im Juli irregeführt?
Gut zehn Tage nachdem die ersten Krawalle in London ausbrachen, sind die schlimmsten Unruhen seit den 1980ern auf den Titelseiten nur noch Nebensache – denn im Abhör-Skandal um die News oft he World gibt es ein neues Beweisstück. Ein verheerendes Beweisstück sogar, so der Labour-Abgeordnete Tom Watson, der seit Jahren an diesem Fall arbeitet.
Es geht um den Brief des ehemaligen Adelsreporters der News of the World, Clive Goodman, an News International. Das Revolverblatt hatte Goodman entlassen, nachdem er wegen illegalen Abhörens zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. In dem Brief protestiert er gegen die Kündigung mit den folgenden Gründen:

  • Die Taten, die zu seiner Verurteilung führten, waren weit bekannt und wurden unterstützt, zudem wurden Zahlungen an seinen Komplizen, den Privatdetektiv Glen Mulcaire, von Kollegen arrangiert [von wem wurde auf Weisung der Polizei aus dem Brief gestrichen].

  • Die Entscheidung, ihn zu entlassen, sei inkonsistent, denn andere Reporter waren ebenfalls in illegale Aktivitäten involviert. In Mulcaires Gerichtsverfahren wurde von fünf weiteren Fällen gesprochen, die er im Auftrag der News of the World ausführte. Nach Goodmans Wissensstand wurde kein anderer Angestellter ermahnt oder gar entlassen.

  • Zudem wurde diese Methode ausführlich in Redaktionskonferenzen besprochen, bis der Chefredakteur direkte Bezüge darauf untersagte.

  • Der Rechtsbeistand der Zeitung, Tom Crone, war bei jedem Meeting mit Goodmans Anwälten dabei, und wusste, dass er seine Schuld eingestehen würde. Trotzdem wurde er noch während seiner Freiheitsstrafe von der News of the World angestellt.

  • Crone sowie der Chefredakteur versprachen Goodman, dass er weiterhin für die Zeitung arbeiten könnte, wenn er weder den Titel noch Kollegen in seinem Schuldgeständnis nennen würde. Er hielt sich an dieses Abkommen.

Der Chefredakteur wird zwar nicht genannt, zu der Zeit war aber Andy Coulson in dieser Position tätig. Er legte seinen Posten nieder, nachdem Goodman und Mulcaire verurteilt wurden, und tauchte wenige Monate später als Pressesprecher von David Cameron auf. News International hatte diesen Brief ebenfalls an den Medienausschuss eingereicht – allerdings mit deutlich weniger Informationen. So waren ganze Sätze ausgestrichen, und der letzte Punkt bezüglich der weiteren Einstellung im Gegenzug für seine Diskretion fehlte ganz.
Dieser Brief und die Anschuldigungen dominierten die Nachrichten gestern Abend und die Titelseiten heute morgen. Ob dies ein Versuch seitens eines verurteilten Kriminellen gewesen sei, Geld aus seinem ehemaligen Arbeitgeber zu schinden? Wenn ja, dann ist’s ihm gelungen. News International zahlte Goodman 243.000 Pfund. Kompensation oder Schweigegeld – offiziell Ersteres, de facto aber Letzteres, so meinen Beobachter.
Das einflussreiche Nachrichtenprogramm BBC Newsnight versuchte sich gestern Abend dann auch in ausgewogener Berichterstattung, den Gast Lord Prescott konnte allerdings keiner zähmen. Der ehemalige stellvertretende Premierminister zählt selbst zu den Abhör-Opfern. Er will herausfinden, warum die Polizei diesen Fall nicht schon in 2006 untersucht hat, als Goodman verhaftet wurde, und warum die Press Complaints Commission ebenfalls so untätig war. Der Brief zeige „die Verschwörung zur Stille an der Spitze des Unternehmens. Deren Geschäftsphilosophie ist es, Leute auszuzahlen, um sie ruhig zu stellen, und dann weiter wie bisher zu machen.“ Prescott hatte zudem in 2009 David Cameron gewarnt, dass die Einstellung von Andy Coulson für ihn peinlich werden könnte.
Die neuen Enthüllungen sind hochgradig unangenehm für News International und James Murdoch, der voraussichtlich Anfang September vor dem Parlamentsausschuss seine vorigen Aussagen rechtfertigen muss. Neben dieser ‚Smoking Gun’, dem unschlagbaren Beweis, gab es noch weitere Seitenhiebe für James. Tom Crone und der letzte Chefredakteur des inzwischen eingestellten Boulevardblattes Colin Myler deuteten an, dass James Murdoch sehr wohl von einer Email wusste, in dem illegales Abhören der Mailbox von James Taylor, dem Chef der Professional Footballers Association, beschrieben wurde. Die Email unter der Betreffzeile ‚For Neville’ war die Grundlage für die sagenhafte Kompensationszahlung von 700.000 Pfund an Taylor. James hatte abgestritten, von dieser Email gewusst zu haben, obwohl er die Zahlung absegnete.
Zudem bezeichnete die von News International in 2007 beauftragte Anwaltsfirma Harbottle & Lewis die Aussagen der Murdochs als ‚eigennützig’. Die Kanzlei war damit beauftragt worden, Emails auf weitere Abhör-Indizien zu untersuchen, allerdings wurden bei weitem nicht alle Emails von News International weitergereicht. James’ Aussage, sich auf das Ergebnis der Untersuchung verlassen zu haben, dass Goodman tatsächlich ein Einzeltäter war, stieß Harbottle sauer auf.
Sollte James Murdoch den Medienausschuss irregeführt haben, würde das seine Karriere begraben. Seine Position im Hause News Corp. als Erbe seines Vaters Rupert wäre nicht länger haltbar. Doch dieses ganze Hin und Her – wer wusste was wann? – ist mittlerweile selbst für die engsten Beobachter und gestandene Medienprofis verwirrend.
Gleichzeitig wirkt sich das, was in seiner Professionalität langsam einem Kindergartenstreit ähnelt, stark auf die Stimmung im ganzen Land aus. So erklärte unter anderem Paul Connew, der in den 90ern stellvertretender Chefredakteur der News of the World war, in der Radiosendung BBC Newsnight, dass die Stimmung im Volke geteilt sei. Natürlich wären die Methoden der News of the World abscheulich gewesen. Aber viele sorgten sich, dass Politiker diesen Skandal dazu nutzen würden, um die Pressefreiheit drastisch einzuschränken. Sogar das Ende der Selbstregulierung der Presse scheint in einigen dunklen Ecken des Westminster Palace diskutiert zu werden.
Ob das im Interesse der Bevölkerung wäre, ist äußerst fraglich. Man rufe sich die Reaktionen der Bürger in Erinnerung, als der Guardian den Skandal aufdeckte: Viele Bürger haben lieber eine freie Presse mit all ihren Fehlern als staatliche Regulierung.

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