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Groupon: Zweifel an Zahlen und Konzept

Deutsche Verlage befinden sich nach wie vor im Coupon-Fieber. In dieser Woche hat RheinMainMedia, eine Tochter von FAZ und Frankfurter Neue Presse, angekündigt mit rheinmaindeal.de eine Schnäppchen-Plattform zu starten. Auch andere Verlage haben oder planen Rabatt-Portale im Netz. Großes Vorbild ist Groupon, die am schnellsten wachsende Firma der Welt. Dabei hat Groupon vor dem geplanten Börsengang massive Probleme wegen unseriösen Kennzahlen und es häufen sich Zweifel am Geschäftsmodell.

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Ende vergangener Woche hat die US-Börsenaufsicht SEC die Emissionspapiere von Groupon bereits zum zweiten Mal abgelehnt. Zum ersten Mal fiel das Börsen-Prospekt durch, weil die Darstellung des Groupon-Geschäfts der US-Finanzaufsicht deutlich zu positiv dargestellt war. Beim zweiten Mal störte man sich an dem von Groupon verwendeten Begriff Consolidated Segment Operating Income (CSOI). Groupon verwendet den Begriff, um seinen “operativen Gewinn” zu benennen, rechnet dabei aber wesentliche Kostenfaktoren, wie die Kunden-Gewinnung und Marketing, einfach heraus.

So hat Groupon für das erste Quartal 2011 nach seinem eigenen CSOI-Standard einen Gewinn von 81,6 Mio. Dollar erwirtschaftet. Das Wall Street Journal rechnete nach, dass von dem schönen Geld nichts übrig bleibt, wenn man die Bilanz mit üblichen Methoden liest. Im Gegenteil: Rechnet man die (beträchtlichen) Marketingkosten wieder dazu, die Groupon elegant weglässt, schreibt das Unternehmen statt einem Gewinn im ersten Quartal einen dicken Verlust von 98 Mio. Dollar.

In dem Artikel “Groupon: Was das Unternehmen zu verschweigen versucht”, hat Dieter Petereit von T3N weitere Zweifel am Groupon-Zahlenwerk zusammengetragen. So betragen die Kosten für die Gewinnung eines Neukunden bei Groupon 24.08 Dollar. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde beläuft sich aber nur auf 17,55 Dollar. Würden die kurzfristigen Verbindlichkeiten Groupons sofort fällig werden, müsste das Unternehmen sogar Insolvenz anmelden.

Es gibt aber nicht nur massive Zweifel an den Groupon-Zahlen. Von der Columbia Business School wurde die Attraktivität des Geschäftsmodells von Groupon analysiert. Ergebnis: Von 70 möglichen Punkten erzielte Groupon 36. Besonders negativ schlägt zu Buche, dass Groupon-Nutzer keine Anreize haben, dauerhaft der Plattform die Treue zu halten und dass jede Groupon-Transaktion von Nutzerseite jedesmal auf Neue getätigt werden muss (weitere Details zur Groupon-Bewertung und zum angewendeten Verfahren finden Sie hier).

Doch auch am Konzept selbst sind Zweifel angebracht. So werden meist täglich sehr ähnliche Angebote verschickt, die meist eine eher eingeschränkte thematische Bandbreite von XXL-Schnitzeln über Tätowierungen bis zu Wellness-Behandlungen abdecken. Werden Coupons für echte Geräte verschickt, lohnt sich oft ein paralleler Blick in Preissuchmaschinen. Häufig findet man gleichwertige Geräte im Netz bei großen Händlern genauso oder noch stärker reduziert.

Die Zweifel am Börsengang von Groupon und am Geschäftsmodell sind also übergroß und eigentlich nicht zu übersehen. Warum also, nehmen sich zahlreiche Verlage Groupon trotzdem zum Vorbild? Das liegt wahrscheinlich an zwei Zahlen, die immer wieder die Runde machen. Im Februar dieses Jahr wurde gemeldet, dass der Umsatz von Groupon innerhalb eines Jahres um unglaubliche 2.200 Prozent förmlich explodiert sei. Groupon galt und gilt als das am schnellsten wachsende Unternehmen der Welt. Die zweite Zahl ist, dass Groupon-Gründer Andrew Mason angeblich ein Übernahmeangebot in Höhe von sechs Milliarden Dollar von Google abgelehnt haben soll. 2.200 Prozent Wachstum in zwölf Monaten. Sechs Milliarden Dollar Kaufangebot abgelehnt. Diese Zahlen klingen für viele einfach zu verlockend. Auch wenn sie einfach zu schön sind, um wahr zu sein.

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