WSJ.de: Finanzportal mit Sitz in Frankfurt

Die Pläne für ein deutschsprachiges Wall Street Journal im Internet konkretisieren sich. Nachdem der Tagesanzeiger Rupert Murdochs Pläne enthüllte, die einheimischen Web-Wirtschaftsmedien anzugreifen, legt der Rivale in spe Handelsblatt mit neuen Details nach. Demzufolge soll das Portal einen Chefredakteur aus Düsseldorf bekommen, rund zehn Mitarbeiter beschäftigen und eng mit der Agentur Dow Jones zusammen arbeiten. Nach MEEDIA-Informationen ist der Redaktionssitz darum nicht in Berlin, sondern in Frankfurt.

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Die Informationen, die das Handelsblatt veröffentlicht, weichen zum Teil erheblich von den Angaben des Tagesanzeigers ab. So schreiben die Düsseldorfer, dass nur die Einstellung von acht bis zehn Redakteuren geplant sei und die Investitionen in einem höheren einstelligen Millionenbetrag lägen. Diese Annahmen decken sich mit Informationen, die MEEDIA vorliegen.

WSJ.de soll offenbar sehr eng mit der auf Business-Meldungen spezialisierten Nachrichtenagentur Dow Jones zusammen arbeiten. Dow Jones ist der Mutterkonzern des Wall Street Journal. Dow Jones Newswire hat in Deutschland seinen Sitz in Frankfurt, wo etwa 50 Redakteure ihren Dienst verrichten. Der Redaktionssitz Frankfurt würde die Anlaufkosten erheblich senken und einen Betrieb mit nur wenigen Mitarbeitern ermöglichen. Zudem werden viele Texte aus dem Dienst von Dow Jones einfach übersetzt. Nach den bisher bekannten Details will sich das Business-Portal thematisch erst einmal auf US- und lateinamerikanische Themen konzentrieren.

Laut Handelsblatt sollen gerade einige Kunden von der Murdoch-Nachrichtenagentur, wie Sparkassen und Landesbanken, abgesprungen sein. Auch soll der Chefredakteur Rolf Anders offenbar das Unternehmen verlassen.

Mit dem Start einer deutschen Plattform würden die US-Amerikaner eine Lücke schließen. Denn bislang ist das Wall Street Journal in englischer Sprache und in Japan aktiv. Deutschland, als viertgrößte Wirtschaftsnation, fehlt auf der WSJ-Landkarte noch.

Das Handelsblatt kommt zum Schluss, dass die Murdoch-Pläne bei potentiellen Konkurrenten – also auch beim Handelsblatt selber – nur ein "Achselzucken" auslösen würden. Schlusspunkt des Stücks ist die Feststellung, dass deutsche Firmen seit jeher dem Hause Murdoch "reserviert" gegenüberstehen würden, weil Murdoch rechtskonservativ sei und weil der Australier schon vor dem Abhörskandal nicht als seriöser Geschäftsmann wahrgenommen werden würde.

Auch bei dieser These ist wohl eine gewisse Skepsis angebracht. Denn all dies wird die meisten Menschen nicht mehr interessieren, sobald WSJ.de online ist, seriös arbeitet und die ersten Scoops liefert.

Entwickelt sich der Dienst jedoch zu einer lahmen News-Ente, werden natürlich wieder all diese Rupert Murdoch-Stereotypen ausgepackt. Aber erst dann wird man mit einem "Achselzucken" sagen können, dass der rechtskonservative Australier noch nie in Deutschland so richtig erfolgreich war. Denn noch ist auch Sky keine Erfolgsgeschichte.

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