Was Sportexperten zur taz-Pixelaktion sagen

Kaum Protest und nur wenig Häme – offenbar hat die taz-Redaktion mit ihrem selbst auferlegten Werbeverbot in Sportbildern einen gewissen Nerv getroffen. MEEDIA hat sich in der Branche umgehört, wie die Agenturen und Chefredakteure von Sport-Magazinen dazu stehen. So findet die dapd, die gerade einen eigenen Sportdienst aufbaut, das Projekt einen "interessanten Schritt". 11 Freunde-Chefredakteur Philipp Köster fragt sich allerdings, warum die Berliner erst jetzt merken, welch großen Einfluss die Werbung auf den Sport hat.

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Prinzipiell nervt es, dass die Werbebanden in den Stadien immer größer werden. Und dass vor allem in Wintersportarten jeder freie Zentimeter auf Kleidung und Sportgerät an Kleinsponsoren verkauft wird", sagte Köster auf MEEDIA-Anfrage. "Aber irgendwie ist der taz ziemlich spät aufgefallen, dass sich der Sport – Jahrzehnte nach Einführung der Bandenwerbung und Trikotsponsoren – im Würgegriff des Kommerz befindet."

Mit einer gewissen Distanz beobachtet der Kicker die Aktion: "Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit dem Fußball", sagt Chefredakteur Klaus Smentek gegenüber MEEDIA. "Und da in der deutschen Bundesliga außer dem Trikotsponsor keine nennenswerten Schriftzüge zu sehen sind, stellt das für uns kein Problem dar."

Die tageszeitung begründet ihre Aktion mit dem Umstand, dass in der Sportberichterstattung mittlerweile alles voller indirekter visueller Werbung wäre: ob die Werbebanden in Fußballstadien, die Schriftzüge auf der Brust von Kickern und Basketballern oder die mit Logos beklebten Gewehre von Biathleten. Die Berliner halten viele Athleten mittlerweile für "wandelnde Litfaßsäulen", und die Sportpresse mache sich mit dem Abdruck der Bilder "zum Erfüllungsgehilfen der Vereine und Sponsoren".

Dem entgegnet Smentek. "Wenn es sich um andere Sportarten handelt, sind wir ja nicht gezwungen ein Foto zu nehmen, auf dem die Sportler quasi als ‚Litfaßsäulen‘ dienen." Auch die Werbebanden sind für den Kicker-Macher "kein Problem". "Es kommt immer auf die Bildauswahl und den Bildschnitt an. Werbung schränkt auf den Fotos, die wir veröffentlichen, jedenfalls nicht die Bildaussage ein."

Mit viel Wohlwollen begleitet die dapd das Test-Projekt der taz. So sagte Agentur-Sprecher Wolfgang Zehrt: "Wir haben überhaupt keine Probleme mit der taz-Aktion und hoffen auf eine konstruktive Diskussion."

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