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Googles Panda beißt auch News-Websites

Diese Zahlen werden für Diskussionen sorgen. Sprach die Medienbranche bisher davon, dass Googles Panda-Update Nachrichten-Websites geholfen hat, zeigt eine ausführliche MEEDIA-Analyse der Daten von Sistrix nun, dass dies nicht uneingeschränkt der Fall ist. 15 der 50 bestplatzierten News-Angebote wurden von Google herabgestuft, vor allem Websites von Regionalzeitungen und die Seiten News.de, Topnews.de und Nachrichten.de sind betroffen. Der vermutliche Grund: zu viel Content von Nachrichten-Agenturen.

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Für unsere Analyse haben wir den Sistrix-Sichtbarkeitsindexwert von ca. 500 Nahrichten-Websites in der deutschen Google-Suche überprüft. Zur Ermittlung der Sichtbarkeit überprüft SEO-Tool-Anbieter Sistrix einmal pro Woche die jeweils ersten 100 Google-Ergebnisse von rund einer Viertel Million Suchbegriffen. Der aus diesen 25 Mio. Daten errechnete Index bezieht die Platzierung einer Domain in den Ergebnissen und die Popularität eines Suchbegriffs mit ein. Ist also eine Website bei populären Suchen weit oben platziert, steigt ihr Sichtbarkeitsindex relativ gesehen schneller an, als wenn sie bei weniger populären Suchen weit oben oder bei populären Suchen auf den Plätzen 90 oder 100 vertreten ist.

Die großen News-Websites haben dabei – wie schon berichtet – allesamt gewonnen. Auf den ersten 14 Plätzen des Nachrichten-Angebots-Rankings finden sich ausschließlich Panda-Profiteure. So gewann tagesschau.de bei der Sichtbarkeit 17,9% hinzu, focus.de 14,3% und handelsblatt.com 12,6%. Focus.de zog damit zudem erneut an Spiegel.de vorbei, das mit 8,8% aber ebenfalls zu den Aufsteigern gehört. Vergleichsweise gering sind hingegen die Zuwächse von FAZ.net: 0,2%.

Spannend wird es aber ab Platz 15, denn hier gibt es die ersten Nachrichten-Websites, die nicht von dem Panda-Update profitieren konnten. So verlor Abendblatt.de 2,27 Sichtbarkeitspunkte, bzw. 6,3%, auch FTD.de, BZ-Berlin.de, Augsburger-Allgemeine.de und Nordbayern.de gehören zu den Verlierern. Während die kleinen Verluste von FTD, BZ und Nordbayern.de aber auch mit ganz normalen ständigen Schwankungen begründet werden können, sind die Verluste von Abendblatt.de und vor allem Augsburger-Allgemeine.de wohl nicht allein damit zu erklären. Hier hat offenbar Googles Panda zugeschlagen.

Noch deutlichere Verlierer finden sich auf den Rängen 26 bis 50. So gingen News.de heftige 49,9% der Sichtbarkeit in den Google-Ergebnissen verloren, die Leipziger Volkszeitung büßte 24,6% ein und die Badische Zeitung immerhin noch 23,2%. Insgesamt gibt es auf diesen 25 Plätzen 10 Panda-Verlierer.

Doch wie kommen diese Herabstufungen in den Such-Ergebnissen zustande? Warum haben neben Foren, Wissens-Communities, Content-Farmen oder Produkttest-Sammlungen auch Nachrichten-Websites verloren, die eigentlich ja nicht im Verdacht stehen, minderwertige Inhalte zu veröffentlichen? Der Grund dürfte "duplicate Content" sein. Mit seinem Panda-Update wollte Google nämlich auch genau gegen solche Inhalte vorgehen. Inhalte, die in identischer Form an vielen Stellen im Netz zu lesen sind, also z.B. einfach per Copy & Paste auf die eigene Seite gestellt wurden.

Dazu gehören offenbar auch Inhalte von Nachrichtenagenturen, denn zu den Panda-Verlierern der News-Branche gehören vor allem Websites von Regionalzeitungen, die sich bei der überregionalen Berichterstattung oftmals auf Agenturmaterial konzentrieren.

Diese Theorie wird auch durch den Blick auf die 20 größten Panda-Verlierer unter den Nachrichten-Websites untermauert. Dort finden sich neben vielen Regionalangeboten wie OTZ.de, das sage und schreibe 65,3% der Sichtbarkeit einbüßte oder Oberpfalznetz.de, für das es um 61,7% nach unten ging, auch Burdas Aggregator Nachrichten.de, der bekanntermaßen gar keine eigenen Inhalte anbietet, sowie Topnews.de, das vornehmlich auf Agenturmaterial setzt.

Topnews.de ist auch ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass es langfristig ins Auge gehen kann, wenn man sein Geschäftsmodell zu sehr auf Suchmaschinen-Traffic aufbaut. In den Jahren 2009 und 2010 kam Topnews.de teilweise auf Sichtbarkeitswerte von 15 Punkten und mehr. Folge: Laut Googles Ad Planner erreichte die Website zwischenzeitlich 920.000 Unique Visitors pro Monat. Davon sind inzwischen nur noch 110.000 übrig geblieben, das Panda-Update dürfte die Besucherströme noch weiter verringern.

Ein ähnliches Beispiel ist noows.de, das 2009 sogar eine Sichtbarkeit von mehr als 20 hatte. Auch im Sommer 2010 war die Holtzbrinck-Beteiligung mit 964.362 Visits (IVW, Juli 2010) noch recht erfolgreich. Ein Jahr später waren davon nur noch ganze 157.237 Besuche übrig, die Panda-Herabstufung von einer ohnehin nur noch geringen Sichtbarkeit von 1,09 auf nun 0,24 dürfte den Traffic weiter in sich zusammenfallen lassen.

Wie sehr sich die schlechteren Platzierungen in der Google-Suche tatsächlich beim Traffic auswirken, dürfte sich schon in den kommenden IVW-Zahlen zeigen. Zwar ist die Google-Suche insbesondere bei den regionalen Angeboten nur einer von vielen Traffic-Faktoren, dennoch dürfte das Panda-Update ein Warnschuss für die Anbieter sein. Einer, der zeigt, dass es für eine erfolgreiche Website eben nicht ausreicht, Agenturmeldungen 1:1 auf die Seite zu stellen.

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