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Boulevard-Titel profitieren von NotW-Skandal

Die Verkaufszahlen für Juli sind eine kleine Lehrstudie für den britischen Boulevardmarkt: Hatten in der ersten Woche nach der Einstellung der News of the World die Leser direkt zur einem anderen Revolverblatt gegriffen, stellt sich die Umstellung für viele offenbar als schwer heraus. Am letzten Wochenende im Juli wurden 280.000 Sonntags-Redtops weniger verkauft als in der Vorwoche. Innerhalb von drei Wochen nach dem Ende der News of the World hat das Marktsegment einen Auflagenrückgang von 700.000 verzeichnet.

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Die Verkaufszahlen für Juli sind eine kleine Lehrstudie für den britischen Boulevardmarkt: Hatten in der ersten Woche nach der Einstellung der News of the World die Leser direkt zur einem anderen Revolverblatt gegriffen, stellt sich die Umstellung für viele offenbar als schwer heraus. Am letzten Wochenende im Juli wurden 280.000 Sonntags-Redtops weniger verkauft als in der Vorwoche. Innerhalb von drei Wochen nach dem Ende der News of the World hat das Marktsegment einen Auflagenrückgang von 700.000 verzeichnet.
Ob Rupert Murdoch einen spektakulären Fehler begangen hat, als er auf Anraten seines Sohns James die News of the World einstellte, wird nun fleißig diskutiert, zum Beispiel von dem renommierte Medienkommentator Raymond Snoddy. Er zitiert die alte Regel, dass beim Einstellen einer Zeitung oder dem Zusammenlegen zweier Titel in der Regel die Hälfte der Auflage flöten geht. Der Verlust von ‚nur’ 26% in diesem Falle sieht im Vergleich positiv aus, aber die News of the World war die größte Sonntagszeitung im englischsprachigen Raum. Ihr Ende hat tiefgreifende Konsequenzen und zeigt die Gewinner und Verlierer des Skandals.
Zu den Gewinnern gehört besonders der Daily Star Sunday. Die Zeitung konnte 400.000 der NotW-Leser für sich gewinnen . Damit erzielte der von Northern & Star verlegte Titel ein Auflagenzuwachs von 90% im Vergleich zum Vorjahr – oder 130% im Vergleich zum Vormonat. Zweiter Sieger im Juli war Trinity Mirror, dessen drei Sonntagszeitungen von dem Ende der NotW profitieren konnten. The People erhöhte die Auflage um 70%, der Sunday Mirror um 55%, und die schottische Sunday Mail stieg immerhin um 6% im Vergleich zum Juli 2010.
Im mittleren Markt konnten die Mail on Sunday aus dem Hause Associate und der Express um 15% und 14% respektive zulegen. Auch wenn die Mail on Sunday mit 2,26 Millionen Exemplaren nach dem Ende der NotW nun die meistverkaufte Sonntagszeitung in Großbritannien ist, hat der vergleichsweise geringe Zuwachs im Juli zu weiteren Spekulationen geführt. Möglicherweise plant Associate eine Tabloid-Sonntagszeitung und würde damit Kopf an Kopf mit der erwarteten Sun on Sunday von News International und damit Rupert Murdoch um die verlorenen Leser der NotW kämpfen. Selbst wenn der Boulevardmarkt die 700.000 verlorenen Exemplare wieder aufholen kann, ist nicht sicher, dass Rupert Murdochs Unternehmen davon allein profitieren würde.
Im Juli konnten sogar die Qualitätsblätter zulegen. Ob die alten NotW-Leser zu Sonntagsintellektuellen geworden sind oder die extreme Nachrichtenlage diesen Sommer diesen Titeln zugute gekommen ist, sei dahin gestellt. Besonders der Independent on Sunday konnte um 11% auf über 167.000 Exemplare zulegen. Observer und Sunday Telegraph wuchsen jeweils um 6% (wenn man den Verlust der 18.000 internationalen Verkäufe des Observers berücksichtigt, aufgrund der Fokussierung dessen Verlegers Guardian Media Group auf die digitale Ausgabe). Die Sunday Times von News International verlor als einziger Titel im Juli Leser und rutschte um 1% auf 994.000 Exemplare – zum ersten Mal seit dem Beginn der Datenerhebung unter eine Million. Hatte Murdoch mit der Schließung der News of the World Millionen von Lesern den Rücken gekehrt, scheinen die sich nun von all seinen Titeln abzuwenden. Ob eine mögliche Sun on Sunday, über deren baldige Markteinführung seit dem Ende der News of the World spekuliert wird, diese Leser wieder anziehen kann, ist fraglich.

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