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Roche sperrt Vorab-Exemplare für Springer

Während die meisten Zeitungen pünktlich zum Erstverkaufstag von "Schoßgebete" eine Rezension zum Roman von Charlotte Roche brachten, war ein Medienhaus außen vor: Axel Springer. Die Autorin verfügte, dass der Piper-Verlag keine Rezensionsexemplare an die Springer-Medien schicken möge. Dennoch hat Roche es am Freitag auf die Titelseiten von Welt kompakt und Berliner Morgenpost geschafft. "Alle lieben Charlotte. Wir auch", heißt es süffisant bei der Welt. Und: Die Kritik fällt erstaunlich differenziert aus.

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Auf Anfrage von MEEDIA teilte der Piper-Verlag mit, dass auf den Wunsch von Charlotte Roche keine Bücher oder Hörbücher von "Schoßgebete" an die Axel Springer-Medien geschickt werden.
Dies hat den Berliner Verlag aber nicht davon abgehalten, in einigen seiner Tageszeitungen Roche mit Bild und Text in ihren Freitagsausgaben auf die Titelseite zu heben. Darin heißt es: "Frau Roche wollte eigentlich nicht, dass wir ihr neues Buch ‚Schoßgebete‘ lesen. Sie hält Zeitungen aus dem Hause Axel Springer für etwas Böses. Das finden wir komisch – ließen uns aber nicht abschrecken, den mit 500 000 Exemplaren ausgelieferten neuen Roman genau zu lesen." Welt Kompakt hatte den Text sogar mit "Unser Liebling" überschrieben. Roche hatte zuvor im Gespräch mit dem G+J-Titel Brigitte den Satz gesagt: "Die Bild-Leute hassen mich, und ich hasse die."  
Gelesen hat das Werk für die Springer-Medien Elmar Krekeler. "Schoßgebet" sei ein "maßloses Buch", schreibt der Autor in dem Text, der unter anderen bei der Welt und Berliner Morgenpost erschienen ist. Der Roman sei "keine Sex-Fibel (wer Stellen sucht, findet sie, muss aber verhältnismäßig lange suchen), eine Befreiungsgeschichte, fast ein Entwicklungsroman". Roches Erzählstil bewertet er als "flapsig im Ton, um Alltäglichkeit bemüht und manchmal peinlich – genau kalkuliert, sauber geschnitten". Er wertet den Roman als "stilistisch verhältnismäßig vielgestaltigen Wechselbalg aus Kolumne und Sexratgeber, Therapiemonolog und Horrorbericht".
Krekeler liefert eine lange Rezension des zweiten Roche-Romans, geht detailliert auf die "maßlose" Protagonistin Elizabeth ein. Auch lässt er die Stelle, in dem Kritik über die Vorgehensweise einer Boulevardzeitung namens Druck über den Unfall von Elizabeths Familie geschrieben wird – eine Anspielung auf die Geschehnisse zwischen Roche und der  Bild-Zeitung – nicht unerwähnt. Die Bild-Zeitung hatte 2001 ein Foto von dem ausgebrannten Auto gezeigt, in dem Roches Brüder starben. Ihre Mutter überlebte den Unfall schwerverletzt. Ein Springer-Mitarbeiter soll Roche daraufhin unter Druck gesetzt haben, mit der Boulevard-Zeitung über den Unfall zu sprechen, sonst drohe ihr negative Presse. Der Verlag bestreitet den Vorgang bis heute.
Das größte Kompliment – wenn auch versteckt – bringt Krekeler aber, wenn er "Schoßgebete" "gar nicht selten" als "Literatur" bewertet. "Es tut weh, es macht wütend, es widerborstet sich auch so ins Hirn, dieses Buch. Und da bleibt es verblüffend lang."
Die Bild-Zeitung hat bisher keine Rezension veröffentlicht, den Roman, der mit einer Rekord-Startauflage von 500.000 Stück in den Handel kam, aber am Montag vorangekündigt. Mal schauen, ob es dabei bleibt.

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