Groupon vor Börsengang tief im Minus

Groupon liefert kontroverse Quartalszahlen zum geplanten Börsengang: Der Rabatthändler konnte 2011 seinen Umsatz verzehnfachen, verdoppelte gleichzeitig jedoch auch seinen Verlust im Vergleich zum Vorjahr. Um den wachsenden Abonnentenzahlen gerecht zu werden, stellte der Konzern 1000 neue Mitarbeiter ein, auch die Marketingkosten stiegen enorm an. Kurz vor dem IPO beugt sich das Unternehmen der Börsenaufsicht und verzichtet auf seine eigens kreierte Bewertungskennzahl. Mit enormen Auswirkungen.

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Vorab die guten Nachrichten: Groupon konnte in den USA seine Reichweite enorm ausbauen. Die Zahl der Besucher stieg auf knapp 116 Millionen im zweiten Quartal – von 83,1 Millionen. Der weltgrößte Rabatthändler verfügt mittlerweile über 115,7 Millionen Abonnenten (Stand: 2. Quartal 2011). Nach eigenen Angaben hätten bis Ende des zweiten Quartals 2011 rund 23 Millionen Kunden Groupons gekauft.

Nun die schlechten Nachrichten: Groupon hat im vergangenen Quartal seinen Verlust wegen gestiegener Personalkosten mehr als verdoppelt, wie CNN berichtet. Wie der Rabattanbieter mitteilte, belief sich das Minus auf 102,7 Millionen Dollar – 36,8 Millionen Dollar waren es noch im Vorjahreszeitraum. Schuld daran dürften gestiegene Marketing- und Personalkosten sein. Die Couponhändler stellten erst kürzlich über 1000 neue Mitarbeiter ein. Die Marketingkosten sind ebenfalls enorm angestiegen – von 170 Millionen Dollar im ersten Quartal auf 208 Millionen Dollar.

Interessant: Obwohl sich der Verlust verdoppelte, konnte das Unternehmen den Umsatz verzehnfachen – von 87,3 Millionen Dollar auf 878 Millionen Dollar. Diese enorme Differenz ist nicht das einzige, was Analysten momentan nervös macht.

Um diese Nervosität vor dem geplanten Börsengang zu relativieren, reagierte das Unternehmen in den am Mittwoch eingereichten Dokumenten auf die Kritik von Anlegern und der US-Börsenaufsicht SEC. Man wird zum geplanten Börsengang auf die sogenannte "Adjusted Consolidated Segment Operating Income (ACSOI)" verzichten, hieß es. Diese von Groupon erdachte Bewertungskennzahl ließ nach Ansicht der SEC aussagekräftige Werte vermissen. Laut All Things Digital sind im ACSOI wichtige Kosten nicht enthalten, etwa kritische Ausgaben für Online-Marketing, um neue Kunden zu Groupon zu locken.

Wie unterschiedlich diese Werte berechnet werden, verdeutlichen die Zahlen für das vergangene Jahr. In 2010 und im ersten Quartal 2011 verzeichnete Groupon nach eigenen Angaben einen ACSOI-Gewinn von 60,6 Millionen beziehungsweise 81,6 Millionen Dollar. Bilanziert man nach dem international anerkannten Standard GAAP, verbuchte Groupon 2010 einen Verlust von 413,4 Millionen Dollar und 113,9 Millionen Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 – ein enormer Unterschied, der auch die Anleger interessieren dürfte.

Dabei braucht Groupon gute Zahlen: Das Unternehmen hat im Juni einen Börsengang in Höhe von 750 Millionen Dollar beantragt. Dadurch würde das Unternehmen schlagartig bis zu 20 Milliarden Dollar wert sein.

Schon Anfang Juni fiel Groupon unangenehm auf. Kurz nachdem man den Antrag auf Börsengang gestellt hatte, stießen der US-Börsenaufsicht SEC Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden Eric Lefkofsky auf. Er brüstete sich damit, dass sein Unternehmen nach dem Börsengang "so richtig profitabel" sein werde. Damit hatte er die Auflagen der SEC verletzt. Die US-Börsenaufsicht verbietet derlei Äußerungen.

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