Thomas Volks TV: ein Mantel für die Kleinen

Einer der Leitsätze von Helmut Thoma lautet: "Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler." Diese Devise war sozusagen Programm für den Fernsehmacher, der RTL zum erfolgreichsten deutschen Sender formte. Seit 13 Jahren hat er dort nichts mehr zu melden, und so wundert es nicht, dass er die Kölner heute kritisch sieht. Wie ProSiebenSat.1, sagt er, sei RTL nicht am Programm, sondern nur am Gewinn interessiert. Ein Grund, warum Thoma mit 72 einen Neustart wagt.

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Die Süddeutsche Zeitung berichtet am Mittwoch über das neue Projekt unter dem Arbeitstitel "Volks TV". Im Kern gehe es darum, eine Kette von regionalen Anbietern mit einem nationalen Mantelprogramm zu beliefern und so eine Millionen-Zielgruppe zu erreichen, die für Werbekunden und Sponsoren lukrativ sei. Aus Sicht von Thoma ist der Fernsehmarkt verkrustet; auf der einen Seite stünden die Öffentlich-Rechtlichen, die vor allem Zuschauer über 50 Jahre erreichen, auf der andereren die beiden privaten Konzerne, die sich um Inhalte wenig scheren würden.

"Mein Ziel es ist, eine merkbare dritte Kraft im deutschen Privatfernsehen zu werden", sagte Thoma den SZ-Reportern. Die privaten Regionalsender in Deutschland seien heilige Kühe, so der Österreicher weiter, sie hätten eine Bestandsgarantie, "aber sie darben dahin". Im Auge hat Thoma Sender wie TV Berlin, Hamburg 1 oder NRW TV, mit denen er laut SZ bereits fortgeschrittene Verhandlungen führe: "Wir starten mit einer Reichweite von elf Millionen Haushalten, im Endausbau können es bis zu 16 Millionen Haushalte sein." Das neue Programmangebot soll sowohl über Kabel wie auch per Satellit ausgestrahlt werden. 30 Millionen Euro Investorengelder will Thoma zum Start im In- und Ausland eingesammelt haben.

Für die Regionalen könnte das Modell durchaus interessant sein, denn so hätten sie die Chance, auch bei nationalen Kampagnen gebucht zu werden. Die Süddeutsche beschreibt den inhaltlichen Ansatz so: "Das Konzept sieht unter anderem eine Verzahnung mit Internetangeboten und sozialen Online-Netzwerken vor sowie interaktive Shows – im Visier hat Volks-TV eine junge Zielgruppe." Allerdings werde ein Premium-Programm schon an den Budget-Zwängen scheitern, was auch Thoma klar sei: "Am Anfang wird es ein relativ einfaches Programm sein, da werden sich die Kritiker wieder darüber zerreißen." Und sich wohl auch fragen, woran Helmut Thoma, der in den vergangenen Jahren hauptsächlich als Berater für dies und das unterwegs war, bei Volks TV interessiert ist – womöglich ja nur am Gewinn.

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