taz und Freitag testen Openleaks

Die taz und Der Freitag sind in Deutschland Kooperationspartner des neuen Whistleblowing-Portals Openleaks. Für vier Tage steht den Lesern ein Instrument zur anonymen Übermittlung von Informationen und Dokumenten an die Zeitungen zur Verfügung. "Der Journalismus ist angewiesen auf mehr oder weniger anonyme Tippgeber", sagt Reiner Metzger, Vize-Chefredakteur der taz. "Das Abzweigen von Dokumenten wird aber durch immer neue Überwachungstechniken in Unternehmen oder Behörden zunehmend erschwert."

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Technisch funktioniert das neue System wie ein toter Briefkasten: Openleaks anonymisiert den Absender der Informationen und verschleiert zudem den Zeitpunkt der Einsendung und des Webseitenbesuchs. Damit soll eine sichere Umgebung der Informationsübermittlung gewährleistet werden. Openleaks will dabei aber anders als Wikileaks nur ein Übermittler sein und nicht selbst die Dokumente veröffentlichen. Sobald die Tipps bei den online ausgewählten JournalistInnen und NGOs angekommen sind, werden die Daten geprüft und veröffentlicht.
Die taz hat für den Start extra ihre Website an die erhöhten Sicherheitsbedürfnisse von Whistleblowern angepasst. Andere Medien, die mit Openleaks kooperieren, sind in Deutschland der Verein Foodwatch, die portugiesische Wochenzeitung Expresso und die dänische Tageszeitung Dagbladet.
Um auch die fehlerfreie Technik von Openleaks zu gewährleisten, wird das System ab sofort bis zum 13. August auf dem international bekannten Hackertreffen des Chaos Computer Club (ccc) auf seine Penetrierbarkeit getestet. "Jeder der will, kann sich Openleaks fünf Tage lang ansehen und soll versuchen, die Plattform zu hacken, sie kaputt zu machen oder was auch immer", sagt Daniel Domscheidt-Berg im Freitag-Interview. Der ehemalige Wikileaks-Sprecher ist an Openleaks beteiligt. "Wir hoffen, dass wir durch diesen Stresstest ein paar Einsichten gewinnen, wie wir das System noch sicherer machen können – oder im Idealfall die Rückmeldung bekommen: Openleaks ist so sicher, dass es selbst nach fünf Tagen Dauerbeschuss noch seine Dokumente bewahrt." Sollte die Plattform einwandfrei funktionieren, ist ein Dauerbetrieb geplant.
Domscheit-Berg hatte bereits Anfang des Jahres die Pläne für Openleaks vorgestellt, der Zeitraum für den Start wurde immer wieder nach hinten verschoben.

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