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Vroniplag-Gründer ist SPD-Mitglied

Lange hielt er sich bedeckt, sein echter Name war tabu. Doch jetzt hat sich der Gründer der Plagiatsjäger-Plattform Vroniplag geoutet – er heißt Martin Heidingsfelder und ist SPD-Mitglied. Erklärt seine Parteiangehörigkeit, weshalb bisher nur Unions- und FDP-Politiker vor den Plagiatsjägern zittern mussten? Einer der Überführten, der EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis, wirft dem Inhaber eines Marktforschungsunternehmens jetzt kommerzielles Interesse an der Doktortitel-Jagd vor.

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"Es stellt sich die Frage, ob hinter diesen Aktivitäten nicht der Anspruch wissenschaftlicher Reinheit, sondern eher parteipolitisches und kommerzielles Interesse steht", sagte der Politiker gegenüber Bild.de, das Heidingsfelder auch als SPD-Mitglied enttarnte. Bereits im Bundestagswahlkampf 2005 gründete er mit anderen die Plattform angela-nein-danke.de und wollte damit Schwarz-Gelb verhindern.
Heidingsfelder trägt im Vroniplag den Nickname "Goalgetter". Er ist Diplom-Kaufmann, Programmierer und leitet das Marktforschungsunternehmen Succedeo in Erlangen. Im Business-Netzwerk Xing bietet er "Online-Umfragen, Mitarbeiterbefragung, Befragung, Software, Online-Forschung, Begutachtung wissenschaftlicher Texte, Plagiatsprüfung".
Im Interview mit Spiegel Online sagte Heidingsfelder, dass es in letzter Zeit viel Wirbel um seine Person gegeben habe. Nach einem Spiegel-Artikel hätten ihn viele Vroniplag-Mitarbeiter als eitel beschimpft. Wie es jetzt, wo seine Identität bekannt ist, mit dem Vroniplag weitergeht, wisse er nicht. "Ich bin nur ein kleiner Fisch im Schwarm. Aber ich denke, dass wir noch weitere Dissertationen als Plagiate entlarven werden. Vielleicht kommt wieder ein großer Fall. Vielleicht gerät VroniPlag auch in Vergessenheit. Realistisch betrachtet ist VroniPlag allerdings ein Selbstläufer."
Vor rund zwei Wochen kam es zu den öffentlichen Streitereien zwischen Heidingsfelder und weiteren Vroniplag-Mitarbeitern (MEEDIA berichtete). Wegen unfairen Verhaltens wurden dem Gründer die Admin-Rechte entzogen. Damit hat dieser User keine Möglichkeit mehr, andere User zu Admins zu ernennen oder Beiträge im großen Stil zu editieren. Debora Weber-Wulff, Informatik-Professorin an der Berlin Hochschule für Technik und Wirtschaft, die teilweise auch als Pressesprecherin der Community in der Presse auftritt, schrieb am Wochenende in einer kurzen Begründung, dass "Goalgetter" sein eigenes Ding durchziehe, "ohne Rücksprache mit der Gruppe".

Schon als der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg beim Plagiieren überführt wurde, gab es Behauptungen, dass SPD-Sympathisanten dafür verantwortlich seien. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrichs sprach gegenüber Welt Online von einem "politisch motivierten Angriff von ganz Linksaußen“. Es gehe darum, einen erfolgreichen Politiker persönlich zu beschädigen, erklärte er. So bewege sich der "Enthüllungsprofessor Fischer-Lescano“ politisch zwischen der SPD und der Linken. Gemeinsam mit der ehemaligen hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti arbeite er im Institut Solidarische Moderne für ein geeintes linkes Lager.

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