Die peinliche Wagner-Post der taz

Ein "Gossen-Goethe" für die taz? In der Freitagsausgabe hat die Tageszeitung einen vermeintlichen Kommentar von Bild-Chefkolumnist Franz Josef Wagner veröffentlicht. Auf Seite 1 richtet er sich - ganz in Bild-Manier - in einem Brief an den Kindsmörder Magnus Gäfgen, der per Gerichtsentscheid eine Entschädigung von 3.000 Euro für die angedrohte Folter durch einen Polizisten erhält. Der Brief mit der Überschrift "Post von Verboten" soll Satire sein, doch dabei greift die taz ordentlich daneben.

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"Böser Magnus Gäfgen, weil brave Polizisten in ihrer hilflosen Not Ihnen ein paar harmlose Ohrfeigen angedroht haben, um das Leben des kleinen Jakob zu retten, haben Sie dreist auf Schadenersatz geklagt. (…) Ich, Vater einer Tochter, hätte gesagt: Tut dem Schwein weh!", heißt es zu Anfang des Briefes. Unterschrieben ist dieser mit "Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner". Dazu ist die E-Mail-Adresse fjwagner@taz.de angegeben, damit man dem Autor "auch im Urlaub" schreiben kann.
Natürlich steckt nicht der echte Wagner dahinter. Die Kolumne soll Satire sein. Bereits zur Frauenfußball-WM gab es Post von Wagner für die taz, damals mit Bezug auf die umstrittene Trikottausch-Kolumne von Deniz Yücel – ebenfalls ein Versuch, den Bild-Kolumnisten auf die Schippe zu nehmen.
Im Fall um Magnus Gäfgen, den Mörder des Bankierssohn Jacob von Metzler, fragt man sich aber, warum die taz zu solchen Mitteln greift. Sowohl der Aufmacher mit dem Titel "Vor dem Gesetz sind alle gleich" als auch der Kommentar "Unpopulär, aber richtig" beschäftigen sich mit Gäfgen und haben den Tenor, dass die Richter im Sinne der Menschenwürde richtig entschieden, als sie ihm eine Entschädigung zusprachen. Einzig in der Verboten-Kolumne wird auf den Verurteilten und dessen Klage draufgehauen ("Und das Einzige, was man Ihnen von meinen Steuergeldern bezahlen soll, sind 12,99 Euro – für den Strick!"), allerdings im Namen des Bild-Kolumnisten, so als müsse man sich für diese Meinung schämen.
Satire darf zwar alles, aber nicht alles ist lustig. Was wohl der echte Wagner dazu sagt? Vielleicht schreibt er es auf – in einem Brief an die taz. Möglich ist allerdings auch, dass sie gleich Post von Wagners Anwalt bekommt.

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