„Freie werden wie Dreck behandelt“

Der bekannte Lokal-Blogger Hardy Prothmann hat kein Verständnis für die streikenden Redakteure an Tageszeitungen. Den meisten von ihnen wirft er Kumpanei, Honorar-Dumping und Respektlosigkeit vor. "Wer sich und andere über Jahrzehnte selbst belügt, kann wahrscheinlich die eigene Verlogenheit irgendwann nicht mehr erkennen", schreibt Prothmann. Der Heddesheimer nutzt die Streiks, um auf die Situation der Freien aufmerksam zu machen und sagte zu MEEDIA, sie würden von Redaktionen wie "Dreck" behandelt.

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"Freie bekommen die Abfallthemen, hundsmiserable Honorare und wer aufmuckt, ist draußen", schildert Prothmann die Situation. "Selbst osteuropäische Erntearbeiter haben eine bessere Lobby."
Dem Heddesheimer blute das Herz, wenn er sieht, "wie viele Zeitungen an Qualität verlieren". Mit seiner Kritik wolle er auf diese hausgemachten Probleme hinweisen und für eine bessere Bezahlung für Freie kämpfen. "Mit dem Blick von außen sehe ich keinen Grund, mich mit diesen Leuten zu solidarisieren, von denen ich und die allermeisten freien Journalisten in Deutschland niemals ‚Solidarität‘ erfahren haben."
Weiter ätzt der Lokaljournalist in seinem Blog, wenn Leserinnen und Leser wüssten, "wie respektlos und despektierlich sich ‚Redakteure‘ oft über ihre Kunden auslassen – sie wären entsetzt. ‚Die da draußen‘ sind für viele Redakteure einfach nur dumme Leute." Aus diesem Grund schreibe er seine kritischen Texte auch, um die Medienkompetenz der Bürger zu steigern.
In ihren Streiks, fordert der Betreiber des Heddesheim Blogs, müssten die fest Angestellten auch die Freien erwähnen. Denn sie seien es, die jedes Blatt zu großen Teilen bestücken. Zudem müssten freie Journalisten eine mindestens genau so hohe Qualität in ihren Texten abliefern wie Redakteure – und das zu deutlich schlechteren Bezügen. "Nur weil man Zeitungsredakteur ist, heißt es noch lange nicht, dass man Qualitätsjournalismus macht. Im Gegenteil, ich beobachte schmerzlich, wie die Qualität vieler Blätter abnimmt."
In gewisser Hinsicht fühlt Prothmann aber doch mit den Streikenden mit. "Noch verdienen die meisten Verlage satte Renditen, häufig im zweistelligen Bereich. Wenn die Arbeitgeber vor diesem Hintergrund bis zu 25 Prozent unter dem bisherigen Tarif Berufsanfänger beschäftigen wollen, dann ist das skandalös und grob sittenwidrig." Seiner Ansicht nach sollte jeder gelernte Journalist, der frei arbeitet, einen Stundensatz von 30 Euro netto bekommen.
Prothmann, der mit dem Heddesheim Blog und weiteren Lokal-Blogs selbst mehrere Freie beschäftigt, kann diesen Stundensatz hingegen nicht einhalten. Seine Mitarbeiter erhalten zehn bis zwanzig Euro pro Termin oder, bei größeren Veranstaltungen, einen Stundensatz von acht Euro. "Dafür lernen meine Freien aber sehr viel und ich gebe ihnen zu fast jedem Text Feedback", erklärt er.

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