Bild: „Presserat kastriert Pressefreiheit“

Nach einem Aufruf der Bild-Zeitung bestürmten am Dienstag Leser den Deutschen Presserat mit Anrufen. Das Blatt setzte sich damit öffentlichkeitswirksam über eine Rüge des Rates hinweg. Laut einem Bild-Sprecher komme das öffentliche Interesse bei Presserats-Entscheidungen regelmäßig zu kurz. Die Pressefreiheit werde kastriert.

Anzeige

Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns hatte gegenüber MEEDIA darauf verwiesen, dass in dem von Bild monierten Fall ein eindeutiger Verstoß gegen das Vorverurteilungsgebot im Pressekodex durch Bild vorgelegen habe. Die Zeitung hatte im Fall einer Kindesentführung den mutmaßlichen Täter groß im Bild gezeigt sowie Details zu desen Biografie veröffentlicht. Tillmanns wies darauf hin, dass es von Seiten Springers oder der Bild noch keinen Vorstoß gegeben habe, dass der Pressekodex geändert werde.
Ein Bild-Sprecher zu MEEDIA: "Mit dem Pressekodex sind wir zufrieden – unzufrieden sind wir mit der mangelhaften Auslegung." Es werde bei jeder Entscheidung behauptet, dass „zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abgewogen werden müsse.“ Die Abwägung unterbleibe aber regelmäßig. Der Bild-Sprecher weiter: "Wenn selbst über Straftaten wie diese nicht mehr identifizierend berichtet werden darf, kastriert der Presserat die Freiheit der Berichterstattung in Wort und Bild." Bild verwies zudem auf ein BGH-Urteil, laut dem das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen zurücktreten müsse, wenn ein erhebliches Informationsinteresse der Öffentlichkeit bestehe.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige