MDR-Manager Foht war „nicht kreditwürdig“

Der MDR steht nur kurz nach der Kika-Affäre vor einem neuen handfesten Skandal. Die unlauteren Geschäfte des suspendierten Unterhaltungschefs Udo Foht waren nach Recherchen der Tageszeitung Die Welt weitaus umfangreicher, als dies die bisherigen MDR-Mitteilungen andeuteten. So soll Foht Geldprobleme gehabt haben und eine Art Schneeball-System an Krediten eingerichtet haben. U.a. hat er sich vom Burda-Vorstand Philipp Welte und diversen Produktionsfirmen Geld geliehen.

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30.000 Euro soll sich der hochbezahlte MDR-Unterhaltungschef von Burda-Manager Welte geliehen haben. Die beiden kennen sich gut. Foht war als Unterhaltungschef des MDR auch für die Übertragung der Verleihung des Burda-Medienpreises Bambi im Ersten Programm zuständig. Das Geld soll 2009 von einem privaten Konto Weltes auf das Konto eines Bekannten Fohts überwiesen worden sein. In einer Erklärung gegenüber dem MDR rechtfertigte Foht die Zahlung offenbar als “Produktionskostenvorschuss” für eine nicht näher benannte TV-Serie.

Die Welt stellt zu Recht die Frage, warum ein Mann, der über ein Jahresbudget von 40 Mio. Euro verfügt, für einen Produktionskostenvorschuss sich 30.000 Euro vom privaten Konto  eines Geschäftspartners überweisen lässt. Welte selbst wird mit den Worten zitiert: "Ich habe einem langjährigen Freund ausschließlich privat geholfen."

Offenbar hat Foht den Kredit Welte dann inklusive Zinsen abgegolten, indem er sich bei Produktionsfirmen, die für den MDR tätig waren, neues Geld besorgt hat. Das ging so lange, bis der Chef der Produktionsfirma Ariane-Film zum MDR ging und die Sache auffliegen ließ. Laut Recherchen der Welt galt der MDR-Großverdiener Foth privat als “nicht kreditwürdig”.

Foht ist Gründungsmitglied des MDR. Beim früheren DDR-Fernsehen hat er als Chefredakteur gearbeitet. In dieser Zeit soll er auch für die DDR-Geheimpolizei Stasi als “IM Karsten Weiß” Berichte über Kollegen angefertigt haben. Foht selbst hat die Vorwürfe stets bestritten. Die Geschichte Fohts enthält jene Mischung aus Stasi-Vergangenheit und krummen Finanzgeschäften, wie sie für die zahlreichen MDR-Skandale leider typisch ist.

Zuletzt sorgte der MDR wegen des Kika-Skandals für Furore. Ein Mitarbeiter des Kinderkanals, der in den Zuständigkeitsbereich des MDR fällt, hatte über Jahre hinweg die beispiellose Summe von über acht Millionen Euro veruntreut. 2009 verurteilte das Landgericht Leipzig den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren wegen Vorteilsnahme, Steuerhinterziehung und Betrug zu zwei Jahre Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe. Mohren soll gegen Geld Veranstaltungen und Interviews im Programm des MDR platziert haben.

Der MDR musste sich zudem in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, allzu leichtfertig mit Gebührengeldern zu spekulieren. Zuletzt hatte der MDR Gebührengelder in riskante Wertpapiere investiert und sich im Zuge der Weltfinanzkrise 2009 kräftig verspekuliert, was dem Sender eine Rüge des Landesrechnungshofs einbrachte.

Immerhin hat der Sender nun in Sachen Krisenkommunikation eine gewisse Routine entwickelt. Der aktuelle Fall Foht wurde vom MDR zeitnah selbstständig kommuniziert – im stinknormalen MDR-Info-Newsletter. Nach der Meldung über eine lustige Badespaß-Party des MDR-Jugendsenders Jump (“Bürgermeisterin erteilt Badeerlaubnis”) folgte ganz nüchtern die Mitteilung “MDR stellt Amtsmissbrauch fest – Unterhaltungschef Udo Foht suspendiert”. Der Umgang mit solchen Vorgängen gehört beim MDR offenbar zum kommunikativen Alltagsgeschäft.

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