„In hässlichen Städten wird mehr gelacht“

Spaßfaktor garantiert: Am heutigen Freitag feiert Christian Ehring seinen Einstand als Moderator von Extra3. Der 39-Jährige tritt die Nachfolge von Tobi Schlegl an. „Meine Freunde sagen, ich sei ein Workaholic. Dabei können die das gar nicht beurteilen, so selten, wie sie mich sehen“, sagt der Düsseldorfer. Im MEEDIA-Interview spricht er über den Unterschied zwischen rheinländischem und nordddeutschem Humor, was er an dem NDR Satire-Format ändern will und warum harte News nichts für ihn sind.

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Herr Ehring, Sie stehen im Düsseldorfer Kom(m)ödchen regelmäßig auf der Bühne, seit Mai 2009 gehören Sie zum Ensemble der "heute Show" und am Freitag kommt die Rolle des "Extra 3"-Moderators hinzu. Wie wollen Sie das alles unter einen Hut kriegen?
Es ist ja nicht so, dass ich morgens Herzen transplantiere, nachmittags Frachtmaschinen fliege und abends einen Rettungsplan für Griechenland entwerfe. Alle meine Aufgaben entsprechen meiner Kernkompetenz und haben viel Ähnlichkeit miteinander. Außerdem sind sie interessant und erfüllend. Zuvor hatte ich ja auch noch eine wöchentliche Radiokolumne, eine monatliche Mixed-Show, ich habe Texte für andere Künstler geschrieben und in der Kom(m)ödchen-Verwaltung mitgearbeitet. Meine Freunde sagen, ich sei ein Workaholic. Dabei können die das gar nicht beurteilen, so selten, wie sie mich sehen. 
Worin liegt der Unterschied, Rheinländer oder Norddeutsche zum Lachen zu bringen?
Ich passe meine Humorfarbe nicht dem Publikum an. Das wäre sehr aufwändig und auch ein wenig anbiedernd. Nein, es muss schon irgendwie passen. Manchmal ist es wie beim Blind-Date: Man sitzt sich gegenüber, hält die zwei Stunden aus Höflichkeit durch und hat einander nicht viel zu sagen. Das kommt vor. Natürlich gibt es regionale Unterschiede, was das Lachen angeht, aber die sind geringer, als man gemeinhin annimmt. Rheinländer lachen gerne darüber, wie sympathisch der Rheinländer ist. Norddeutsche lachen vielleicht generell nicht ganz so inflationär viel. Viel interessanter finde ich eine andere Beobachtung, die ich im Laufe der Zeit machen durfte: Provinzpublikum ist fröhlicher als Großstadtpublikum. Und in hässlichen Städten wird mehr gelacht als in schönen.
Sie leben in Düsseldorf. Wie kommt man da mit dem NDR-Format "Extra 3" in Berührung?

Alles kein Hexenwerk. Es gibt auch in Düsseldorf seit über zwei Jahrzehnten ein gut ausgebautes Kabelnetz. Wer sich für Satire interessiert, schaut natürlich auch mal hier und da, was die Medienlandschaft zu bieten hat. Es wäre weitaus schwieriger gewesen, an Extra 3 zwanzig Jahre lang vorbei zu schauen.
Haben Sie eine Lieblingsrubrik in der Sendung?
Es gibt keine, die mir nicht gefällt. Zur Zeit freu ich mich immer sehr auf Johannes Schlüter. Die „Neusten Nationalen Nachrichten“ habe ich auch immer sehr gemocht. Und natürlich die Außenreportagen. Olivia Jones beim NPD-Parteitag war legendär.
Was wird sich durch Sie an der Sendung ändern?
Gar nicht mal so viel. Extra 3 ist ja ein bewährtes Format mit einem eingespielten Team.  Da komme ich jetzt nicht an und sag: Hier muss aber mal gründlich renoviert werden. Ich werde etwas mehr Raum haben für meine Moderationen. Die Zahl der Zuschauer im Studio wird erhöht. Und in den ersten Sommer Specials habe ich Gäste aus dem komischen Genre mit in der Show. Möglicherweise wird das ein regelmäßiger Bestandteil. Sonst bleibt alles beim Alten. Der satirische Markenkern der Sendung waren ja auch immer mehr die Filme als der Moderator.
Werden Sie, wie Ihr Vorgänger Tobi Schlegl, Aktionen vor Ort machen? Wie werden diese aussehen?
Ich finde immer wichtig zu wissen, was man kann und was nicht, und diese Form von investigativer Satire ist wohl nicht meine größte Stärke. Es gibt nur wenige Satiriker, die schlagfertig und im positiven Sinne dreist genug sind, um das richtig gut zu machen. Ich schau mir das im Ergebnis gerne an, aber ich selber muss nicht unbedingt zum SPD-Parteitag und mich mit Steinbrück anlegen. Schlegl kann das. Ich eher nicht. 
Gibt es ein Lieblingsthema, das Sie beackern werden?
Die Themen werden uns von der Politik und vom Weltgeist vor die Nase gesetzt, da kann man natürlich hoffen und Daumen drücken, dass auch das persönliche Lieblingsthema mal dran kommt, aber das entscheiden andere. Ich freu mich generell immer, wenn viel los ist. Schwierig sind Themen, die sich über Monate hinziehen und man denkt: Dazu fällt mir jetzt aber beim besten Willen nichts Originelles mehr ein. In diesem Sinne wünsche ich mir inzwischen fast, dass die FDP sich mal wieder berappelt, damit es nicht gar zu langweilig wird. Wahlkampf ist fast immer spannend. Es ändert sich viel, es wird zugespitzt, gezittert und gestänkert, und alle, auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, sind irgendwie emotional involviert.
Wigald Boning ist Ihr erster Gast, als weitere sind Ingo Appelt und Ottfried Fischer angekündigt. Was wird den Zuschauer erwarten?
Ein Viertel bis ein Drittel der Sendung gestalten der Gast und ich gemeinsam. Wir reden über ein aktuelles Thema, wie man das unter Freunden tut. Möglichst natürlich in zugespitzter und nicht ganz humorfreier Art und Weise. Die Gäste präsentieren kein eigenes Programm und ich führe auch kein ernstes Interview, es schwebt irgendwo dazwischen. Ein kleines Fenster für Interaktion und Spontaneität. 
Extra3 wurde von Dieter Kronzucker entwickelte. Journalisten wie Stefan Aust und Wolf von Lojewski machten dort Station, wechselten dann ins Nachrichtengeschäft. Sind harte News auch was für Sie?
Auch hier bleibe ich bei meinen Leisten. Ich bin zwar Nachrichtenjunkie und habe meine helle Freude an gut recherchierten Stories. Aber mein Metier ist die Komik. Das ist, als würde man einen Astrologen fragen, ob er sich vorstellen könnte eine Sternwarte zu leiten.
Nein, den seriösen Anspruch eines Nachrichtenmannes erfülle ich bestenfalls äußerlich. Unterm Seitenscheitel ist ein ziemliches Durcheinander.

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