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ARD-Sender rbb stoppt Sarrazin-Doku

Der rbb hat die geplante Dokumentation "Thilo Sarrazin – ein Jahr danach" gestoppt. Der Produktionsvertrag mit der Firma Lona Media wurde aufgelöst, teilte rbb-Sprecher Justus Demmer mit. Der ARD-Sender begründet die Entscheidung u.a. mit einem Beitrag, den die Co-Autorin der Dokumentation Güner Balci für das ZDF-Magazin Aspekte gedreht habe. Die vereinbarte Exklusivität sei nicht mehr gegeben. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kritisiert den rbb scharf.

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Der Reihe nach: Güner Balci, TV-Journalistin und Buchautorin, wollte für den rbb ein Jahr nach Veröffentlichung des kontrovers diskutierten Sarrazin-Buches "Deutschland schafft sich ab" einen Film drehen. Der rbb beauftragte die Firma Lona Media und die Autorinnen Güner Balci und Nicola Graef. Ein Teil des Films sollte auch Szenen zeigen, in denen Balci mit Sarrazin durch den Berliner Stadtteil Kreuzberg geht. Diese Szenen wurden nach rbb-Darstellung Ende Mai gedreht.

Nun strahlte das ZDF vor kurzem bereits in seinem Magazin Aspekte einen zehnminütigen Beitrag von Balci aus, in dem die Autorin ebenfalls mit dem streitbaren Autoren durch Kreuzberg gewandert ist. In dem Film ist zu sehen, dass der Spaziergang einen kleinen Tumult auslöste. Ein Lokal verweigerte sogar den Zutritt. Sarrazins Thesen über die gesellschaftliche Entwicklung haben viele türkischstämmige Migranten in Deutschland provoziert. Balci wurde danach u.a. von der Süddeutschen Zeitung porträtiert.

In dem Aspekte-Beitrag heißt es: "Bis jetzt hat sich Sarrazin noch nie die Mühe gemacht, die Menschen hinter seinen Thesen zu treffen." Dies sei, meint der rbb, nachweislich falsch. Der ZDF-Beitrag sei erst später als die Teile für die eigene Dokumentation gedreht worden.

Die Folge, aus Sicht des Senders: "Wegen des Verlustes der eigentlich vereinbarten Exklusivität, der inhaltlichen Doppelungen und der Verwicklung der Ko-Autorin in die öffentliche Debatte hält der rbb das ursprünglich vereinbarte Konzept in der angedachten Konstellation für nicht mehr realisierbar."

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher erfuhr vorab von der Entscheidung. Auch, weil er selber für den Film befragt worden war. Zunächst ließ ihm die Produktionsfirma mitteilen, der Film sei gestohlen worden, später habe man eingeräumt, es habe sich um eine Notlüge gehandelt. Dies schreibt Schirrmacher heute in der FAZ.

Die Autorin werde durch die Entscheidung, den Film nun nicht zu drehen, "demontiert und isoliert", schreibt Schirrmacher. Die Begründung des rbb, Balci sei selber Teil der Berichterstattung geworden, sei absurd. Der Vorwurf bedeute einen Gesichtsverlust, "der sie schutzlos macht". Der FAZ-Herausgeber sagt, zum wiederholten Male würden die (für ihn irrigen) Thesen Sarrazins, die es eigentlich zu kritisieren gelte, von einer "Debatte über sanktionslose Meinungsfreiheit" überdeckt: "Blöder kann man auf seinen substantiell und historisch widerlegten Biologismus nicht reagieren."   

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