Apple lässt Kiosk-Links entfernen

Amazon hat im aktuellen Update seiner Kindle-App den Link zum Kindle-Store, gewissermaßen Amazons Kiosk, entfernt. Auf Geheiß von Apple. Denn bekanntermaßen hat es der Konzern App-Anbietern untersagt, aus einer iPad-App heraus ins stationäre Web zu verlinken. PagePlace, das Kiosk-Angebot der Deutschen Telekom, hat seinen Shop-Link bereits zum 1. Juni entfernt. Konkurrent Pubbles verlinkt dagegen noch ins Web.

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Die App von PagePlace ist seit dem Entfernen des Shop-Links zu einer reinen Lese-App mutiert. Das heißt: Einkäufe von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften sind über die iPad-App nicht mehr möglich. Nutzer eines iPad müssen ihre Medien nun auf der Website kaufen. Bei Aufrufen der App laden die Einkäufe hoch und sind dort zum Lesen verfügbar.
In-App-Käufe sind über das iPad bei PagePlace nicht möglich. Hintergrund: Bei In-App-Käufen verdient Apple immer die berühmten 30 Prozent Marge. Für den Kiosk-Anbieter Telekom lohnt sich ein solcher Deal aber kaum. Denn auch er will schließlich als Zwischenhändler etwas an einer Transaktion verdienen und müsste sich einen Teil von den restlichen 70 Prozent sichern. Damit würde es wiederum für Verlage unattraktiv, ihre Inhalte auf Kiosken einzustellen und zu verkaufen.  
Die Telekom hat vor kurzem ihre erste Android-App von PagePlace gestartet. Mit dem Google-Betriebssystem gibt es solche Restriktionen nicht. Ebenso werden Kiosk-Anbieter Nutzer verstärkt dazu auffordern, die Kioske als Web-Apps auf ihren Tablets zu installieren. Auch auf diesem Weg muss Apple nicht an den Erlösen beteiligt werden.
Beim PagePlace-Mitbewerber Pubbles wird der Nutzer beim Einkauf von Medien über die App nach wie vor auf die Kiosk-Website umgeleitet. Offenbar hat Apple die Umgehungsstrasse in diesem Fall noch toleriert. Sollte diese Umgehung verboten werden, was wahrscheinlich ist, wird auch Pubbles zumindest als iPad-App zur reinen Lese-Anwendung ohne Shop-Funktion. Das Geschäftsmodell würde sich ansonsten nicht rechnen.
Mit Springers iKiosk wird voraussichtlich im Frühherbst ein dritter Mitbewerber auf den Plan treten. Das Unternehmen kündigte vor kurzem an, den bisher für verlagseigene Angebote reservierten Kiosk für andere Verlage zu öffnen. Anders als die Telekom und die Pubbles-Anbieter Deutscher Presse-Vertrieb/Bertelsmann Direct arbeitet Springer beim iKiosk innerhalb des Apple-Systems. In dem Augenblick, in dem Anbieter von außen ins Boot geholt werden, dürften die Berliner aber dazu übergehen, den bereits bestehenden Kiosk im Web oder Shops auf anderen Tablets stärker zu bewerben.
Die Folge: Der einzig "echte" iPad-Kiosk wird auf Dauer das Newsstand-Angebot sein, das Apple selber im Herbst starten will. Alle anderen Angebote werden dann erlösschwache Vertriebs-Apps oder reine Lese-Apps ohne Verkaufsfunktion. Der Vertrieb digitaler Medien über das stationäre Web wird so letztendlich gestärkt, ebenso wie Kiosk-Lösungen anderer Anbieter.
Apple ist Verlagen aber auch in der Vergangenheit entgegen gekommen. So fiel beispielsweise die Preisbindung für Tablet-Ausgaben, die außerhalb von Apples iTunes gekauft werden. Abonnenten eines gedruckten Magazins können nun mit Erlaubnis von Apple kostenlos auf die Tablet-Ausgabe zugreifen, wenn der Verlag diesen Service anbieten möchte. Möglichkeiten für Abonnements von elektronischen Ausgaben werden einfacher als bisher möglich sein. Die US-Ausgabe von Wired gibt es seit kurzem beispielsweise im Jahresabo für 15,99 Euro.
Während sich Apple also bei der Verlinkung aus Apps heraus nicht nachgiebig zeigt, wird an anderer Stelle eine Konfrontation mit den Verlegern vermieden. Vermutlich ist der Streit mit großen Medienmarken auch nicht unbedingt gewünscht. Denn, so schätzt ein Insider, an einem verkauften iPad verdiene Apple ohnehin so viel wie ein Verlag in zehn Jahren Umsatz mit einem Nutzer mache.  

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