Die Erfolgs-Masche vom Amazon

Die aktuellen Quartalszahlen des Online-Händlers Amazon sind mal wieder beeindruckend: Der Umsatz ist um 51 Prozent gestiegen auf knapp zehn Milliarden US-Dollar. Und obwohl der Gewinn um acht Prozent auf 191 Mio. Dollar gesunken ist, steigt der Aktienkurs. Amazon setzt unbeirrt auf Wachstum, Service und neue Produkte. Im Herbst greift das Vorzeige-Unternehmen aus der alten Web-Welt sogar Apple an. Die unbeirrbare Rastlosigkeit von Gründer Jeff Bezos ist einer der Erfolgsfaktoren Amazons.

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Es gilt als ausgemachte Sache, dass Amazon im Herbst einen eigenen Tablet-Computer als Konkurrenz zu Apples iPad auf den Markt bringen wird. Ähnlich wie beim E-Book-Lesegerät Kindle ist die Hardware für Amazon aber nur Mittel zum Zweck. Amazon dürfte mit dem eigenen Tablet vor allem den Verkauf von digitaler Musik und Video ankurbeln wollen. Genauso wie Amazon-Gründer Jeff Bezos mit dem Kindle den Handel mit digitalen Büchern in Gang gebracht hat. Im Mai dieses Jahr verkündete Amazon, erstmals mehr E-Books als physische Bücher verkauft zu haben. Ein Meilenstein für die Branche.

Der neue Tablet-PC wird Amazon automatisch zum Apple-Konkurrenten machen – aber die beiden Firmen verfolgen fundamental andere Geschäftsmodelle: Apple ist eine Geräte-Hersteller. Amazon ist ein Händler. Das eigene Gerät ist für Amazon in erster Linie ein Vehikel, um digitale Produkte zu verkaufen. Für Apple sind digitale Produkte in erster Linie ein Anreiz, damit Leute die teure Hardware mit dem Apfel-Logo erwerben. Man wird also mit einem attraktiven Preis für den Amazon-Tablet rechnen können, der vermutlich aber erst einmal nur in den USA erscheint. Die Firma hat angekündigt, dass der Gewinn im dritten Quartal um bis zu 93 Prozent einbrechen könnte. Das ist ein deutlicher Vorbote einer kommenden Preisschlacht.

Aber Amazon vernachlässigt auch das angestammte Versender-Geschäft nicht. Weltweit investiert das Unternehmen massiv in neue Lagerhäuser, um physische Produkte auf dem Postweg noch schneller an Kunden ausliefern zu können. Kulanz und eine konsequente Service-Orientierung unterscheiden die Firma aus Seattle massiv von so manchem Versandhaus alten Schlags. Diese schreiben sich zwar auch gerne “Service” auf die Fahnen, wenn es ernst wird mit dem Kundendienst, findet man sich aber leider allzuoft in kafkaesken Call-Center-Schleifen wieder.

Kundenservice, Preis-Aggressivität und Innovation sind die Erfolgs-Faktoren von Amazon, die von Bezos mit beeindruckender Beharrlichkeit durchgezogen werden. Nebenbei verdient Amazon auch noch mit Firmenkunden Geld, indem es freie Server-Kapazitäten vermietet.

Die Börse dankt Amazon den radikalen Kurs. Der Aktienkurs hat sich in den zurückliegenden Jahren vervierfacht, obwohl das Unternehmen konsequent Einnahmen immer wieder investiert und auf allzu üppige Gewinne verzichtet. Mittlerweile wird Amazon mit 100 Mrd. Dollar bewertet. Während andere alte Web-Stars wie AOL oder Yahoo nur noch ein Schatten ihrer Selbst sind, ist Amazon so wertvoll wie nie. Für Konsumenten und Investoren ist das eine gute Nachricht. Für die innovationsfaule Konkurrenz eine sehr, sehr schlechte.

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