Uli Baur gewinnt Machtkampf gegen Weimer

Burda trennt sich nach einem Jahr von Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer. Eine entsprechende Meldung von MEEDIA bestätigte der Verlag. Damit hat Weimer einen Machtkampf in der Redaktion gegen seinen Co-Chefredakteur Uli Baur verloren. Die Entscheidung kommt nicht überraschend. MEEDIA beleuchtete die Streitigkeiten hinter den Kulissen des Nachrichtenmagazins bereits in der vergangenen Woche. Uli Baur wird den Focus künftig alleine führen.

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Hubert Burda Media bestätigte eine Meldung von MEEDIA inzwischen. In München heißt es: "Sowohl der Verleger als auch Vorstand und Geschäftsführer des Focus sind Dr. Wolfram Weimer dankbar für die geleistete Arbeit und sein großes Engagement bei der Positionierung des Focus. Der von ihm begonnene Weg der inhaltlichen Erneuerung wird mit aller Konsequenz weiter verfolgt, deshalb wurde Dr. Wolfram Weimer von Burkhard Graßmann auch als konzeptioneller Berater der Geschäftsführung verpflichtet."

Weimer verlasse die Chefredaktion, "um sich neuen Projekten zuwenden zu können". Er sei vor einem Jahr in die Chefredaktion eingetreten, "um das Magazin zurückzuführen auf einen Kurs von höherer journalistischer Relevanz, besonders in politischen und ökonomischen Zusammenhängen". Dieser Kurs habe zu einer "klaren Positionierung im Werbemarkt" und zu einem "teilweise deutlich wachsendem Einzelverkauf gegen den Trend der Marktentwicklung" geführt.

MEEDIA hat die Streitigkeiten hinter den Kulissen und die Optionen für den Focus bereits am 21. Juli in einer Analyse geschildert.

Wolfram Weimer war im vergangenen Jahr zum Focus gekommen, um das inhaltlich und wirtschaftlich angeschlagene Magazin zu beleben. Gemeinsam mit Uli Baur, der den Focus von Beginn an als Stellvertreter von Helmut Markwort entwickelte, wurde eine Doppelspitze geschaffen. Markwort blieb Herausgeber.

Zunächst reklamierte Weimer unübersehbar die Führung des Focus für sich. Aus dem Blatt solle eine Mischung aus Economist und Paris Match werden, verkündete er im Juni vergangenen Jahres. Tatsächlich konnte er dem Blatt einige Impulse geben, doch ein stimmiges Konzept ließ sich in dem neuen Focus nicht erkennen. Warum die Reform im Ansatz steckenblieb, analysierte MEEDIA in der vergangenen Woche. Da zeichnete sich bereits ab, dass die Doppelspitze sich auflösen würde.

Es darf bezweifelt werden, dass mit der Entscheidung für einen der Chefredakteure, die notwendig war, die Probleme des Focus auf einen Schlag gelöst sind. Die Auflagenzahlen entwickelten sich zuletzt anständig, auch begünstigt durch eine Sonderverkaufsaktion für 1 Euro im ersten Quartal und durch Zugaben auf dem Cover. Personal wurde noch unter Markwort abgebaut. Aber: Der Auftrag an Weimer, dem Blatt zu mehr Relevanz zu verhelfen, ist noch nicht erfüllt.

Ob Uli Baur es als alleinigem Chefredakteur gelingen wird, den Focus neu zu erfinden? Seine Leistungen sind unbestritten, in der Redaktion hat Baur großen Rückhalt, er ist und war der Wunschkandidat von Helmut Markwort. Doch das Anliegen Hubert Burdas mit der Berufung Weimers war ja eigentlich, frischen Wind und neue Ideen ins Blatt zu bringen. Auch wenn Weimer vielleicht der Falsche für den Job gewesen zu sein scheint, war der Ansatz, einen neuen Chef von außen zu holen, so falsch sicher nicht. Weimer mag auch an sich selber gescheitert sein. Doch scheiterte er vermutlich ebenso an der Hausmacht Helmut Markworts. Denn dessen Stimme hat, wie zu beweisen war, noch Gewicht.      

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