„Für Weimer wie Burda peinliche Niederlage“

Auch wenn die "Breaking News" für Branchenkenner nicht unerwartet kam, markiert die Demission Wolfram Weimers bei Burda einen Meilenstein in der Geschichte des Focus. Was die Personalie für die Neuausrichtung des Fakten-Titels bedeutet, wird sich zeigen. Fakt scheint: Die Magazin-Landschaft ist um ein interessantes Experiment ärmer. MEEDIA hat die ersten Stimmen zum Scheitern des 46-Jährigen in seiner Blattmacher-Rolle in München zusammengetragen.

Anzeige

Marc Felix Serrao auf Sueddeutsche.de: "Die, die Weimer im Verlag nicht mögen, sagen, dass er seine intellektuellen Ansprüche ans eigene Heft selbst nicht erfüllen konnte. Die, die Markworts und Baurs Kurs ablehnen, sagen, dass das Heft unter ihrer Führung keine Zukunft mehr hat. (…) Für Weimer, aber auch für den Focus und seinen Verleger Hubert Burda ist es eine peinliche Niederlage. Selten hat sich ein Chefredakteur so schnell verheizen lassen. Dass die einstige Geldmaschine Focus, deren Einzelverkaufsauflage zuletzt immer öfter unter die Marke von 100.000 rutschte, nun noch einmal auf die Beine kommt, ist unwahrscheinlich. (…) Ganz sicher haben die ungeordneten Machtverhältnisse zu Weimers Misserfolg beigetragen. Statt das Heft, das er bis heute als "sein" Heft versteht, aus der Hand zu geben, war Markwort – mit dem Segen des Verlegers – vom Dienstantritt bis zum nun erfolgten Abschied seines Nachfolgers im Blatt präsent. (…) Zuletzt setzte Markwort vor ein paar Wochen durch, dass sein "Tagebuch des Herausgebers" auf die letzte Heftseite rutschte. Er kommentiert das Weltgeschehen seither jede Woche an prominenter Stelle. Seine Chefredakteure, die vorne im Blatt außerdem eine Textspalte weniger Platz haben als er, mussten sich im Wochenrhythmus abwechseln. Deutlicher kann man den eigenen Willen zur Macht und Mitsprache kaum ausdrücken. Markworts Heft liegt am Boden. Aber er ist ganz obenauf."

Michael Hanfeld bei FAZ.net
: "Der Grund für Weimers Demission liegt in einem grundlegenden Zerwürfnis zwischen ihm, seinem Chefredakteurskollegen Uli Baur und dem „Focus“-Gründer und Herausgeber Helmut Markwort. (…) Weimers Dasein als Chefredakteur war von Beginn an von Schwierigkeiten gekennzeichnet. Nur schwerlich vermochte sich Helmut Markwort als Gründungschefredakteur von seiner Aufgabe zu lösen. Im Juli des vergangenen Jahres trat Weimer offiziell an, Markwort blieb jedoch bis zum Jahreswechsel im Geschirr und hat sich auch als Herausgeber nicht weit von der Redaktion entfernt. (…) Auf einer Linie mit Weimer lag und liegt auch der Verlagsvorstand Philipp Welte, er forcierte die neue Positionierung des „Focus“ als Politmagazin, besonders bei den von politischen Themen dominierten Ausgaben des vergangenen Frühjahrs war der neue Kurs zu erkennen. Doch dürfte es damit wohl nun erst einmal vorbei sein."

Spiegel Online
: "Der König ist tot, es lebe der König: Der erst vor einem Jahr angetretene "Focus"-Chefredakteur Wolfram Weimer nimmt seinen Hut. Uli Baur, ein Ziehkind von Herausgeber und Gründer Helmut Markwort, wird das Magazin zukünftig allein führen."
Horizont.net: "Für das Haus Burda ist der Abgang von Weimer eine ziemliche Blamage. Bis zuletzt rühmten die Münchner Weimer als den Mann, der Focus zu neuer Relevanz führen sollte. (…) Ob man Weimers Abgang bedauert oder nicht, eines ist unbestritten: So wie zuletzt konnte es nicht weitergehen. Die Vorstellungen von Baur und Weimer, was gut und richtig für Focus ist, gingen einfach zu weit auseinander – und das merkte man dem Heft auch an."

Netzpresse: Sie tanzten nur einen Sommer. (…) die Chefredakteurs-Ehe von Weimer, einem ehemaligen FAZ-Wirtschaftsredakteur mit poetischer Ader (‚Goethe für Manager‘), der für den Schweizer Ringier-Verlag‘>Cicero gegründet hatte, und seinem Co-Chefredakteur Uli Baur aus der ‚Fakten, Fakten, Fakten‘-Schule von Focus-Gründer Helmut Markwort eskalierte zum Rosenkrieg."

Henning Kornfeld auf Kress.de: "Baur, eher von hemdsärmeligem Naturell, ist ein Gefährte und Gefolgsmann von Focus-Gründer und -Herausgeber Helmut Markwort. Als sich im vergangenen Jahr der Intellektuelle Wolfram Weimer an Baurs Seite einfand, war von dem häufig nur noch am Rande die Rede. Weimer bestimmte mit Ankündigungen wie der, den Focus auf Augenhöhe mit dem Spiegel zu bringen, die Schlagzeilen. Doch in dem Maße, in dem Weimers Pläne nicht vollumfänglich verfingen, gewann der zweite Chefredakteur an Selbstbewusstsein und Gewicht."
Florian Treiß, turi2.de: "Neu-Fokussierung gescheitert: Burda traut sich nicht, den neuen "Focus"-Chefredakteur Wolfram Weimer seinen Reformkurs beim Nachrichtenmagazin durchziehen zu lassen und das Blatt als politisches Debattenmagazin zu positionieren."

Werben&Verkaufen: "Weimer ist vor gut einem Jahr von Burda als großer Hoffnungsträger für den Focus eingekauft worden. Er hat mit Verve angefangen, das Nachrichtenmagazin zu alter Stärke zurückzuführen. Doch nach zwei positiven Ergebnissen bei der IWV Print ist Wolfram Weimer in den vergangenen Monaten die Puste ausgegangen."
DWDL.de: "Der Umbau, den Weimer in den zurückliegenden zwölf Monaten vorangetrieben hat, stieß längst nicht überall auf Gegenliebe – auch und gerade nicht bei seinem Co-Chefredakteur Uli Baur, der den Focus auch schon zu Markworts Zeiten mitgeprägt hatte. In der vergangenen Woche machten bereits Meldungen die Runde, es herrsche regelrecht ‚Krieg‘ zwischen Weimer und Baur, die Auflösung der Doppelspitze stehe unmittelbar bevor."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige