KJM rüffelt N24 für Live-Berichterstattung

Eine ganze Reihe an Verstößen in Rundfunk und Internet hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) im zweiten Quartal 2011 festgestellt. Allein auf das RTL II-Format "X Diaries" entfielen 31 der insgesamt 47 Fälle. Die Scripted-Reality-Produktion sei wegen ihrer aufdringlichen Darstellung von Sex und Alkohol und der derb-zotigen Sprachwahl für Jugendliche unter 16 Jahren als entwicklungsbeeinträchtigend zu bewerten. Zudem rüffelte die KJM die Live-Berichterstattung von N24 über das Geiseldrama in Manila.

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Wie für einen Nachrichtensender üblich, berichtete N24 aktuell am frühen Nachmittag über das Drama in Manila, bei dem acht Menschen starben und der Kidnapper von der Polizei erschossen wurde. Doch das, was man sah, stufte die KJM nun als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 16-Jährige ein. In mehreren Einstellungen – auch in Nahaufnahme – wurde die Leiche des Geiselnehmers sowie die geborgenen, teils toten Geiseln gezeigt. Zur Beurteilung heißt es: "Die KJM ist der Meinung, dass Zuschauer unter 16 Jahre noch nicht die Kompetenz im Umgang mit Nachrichten haben, die für die Verarbeitung solch belastender Bilder notwendig ist." Zugleich schoben die Medienwächter aber auch hinterher, dass Live-Angebote der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) nicht vorab vorgelegt werden können. "Die FSF sah bei dem Angebot jedoch keine Beeinträchtigung für Kinder und Jugendliche. Rechtsaufsichtliche Schritte waren hier daher nicht zulässig."
Anders bei "X-Diaries": Hier wäre die FSF schon im Stande gewesen, die Folgen vorab zu sehen, was aber nicht erfolgte. In 31 Fällen wurde die Sendung als entwicklungsbeeinträchtigend beanstandet: "Aufgrund der für Heranwachsende nicht zu erkennenden Fiktionalität der Sendung ist eine sozialethische Desorientierung für unter 16-Jährige oder für unter 12-Jährige zu befürchten", so die KJM. Die jetzige Staffel wurde einer vorherigen Prüfung durch die FSF unterzogen und ist aus Sicht der KJM jugendschutzrechtlich unproblematisch. 16 von insgesamt 60 problematischen "X-Diaries"-Folgen befinden sich noch im Prüfverfahren der KJM.
Eine Ausgabe der Doku-Soap "Der Promi-Trödeltrupp" (RTL II, 17 Uhr) zeigte, wie die Prostituierte Molly Luft verschiedene einschlägige Gegenstände aus ihrem Besitz zu Geld macht. Dabei werde Prostitution laut KJM positiv dargestellt. Zudem habe RTL II verschiedene Sexualpraktiken gezeigt, die junge Zuschauer bei der Entwicklung ihrer eigenen Sexualität beeinträchtigen können. Die Sendung enthalte zudem eine Fülle von zweideutigen Anspielungen. Einen weiteren Rüffel bekam die Pro Sieben-Nachrichtensendung "Newstime", in der um 18 Uhr über den Spielfilm "Lebanon" berichtet wurde. Der Nachrichtenbeitrag hatte daraus Ausschnitte gezeigt und diese mittels Vergleichen zu realen Kriegsereignissen kommentiert. Die KJM sah vor allem aufgrund der Verquickung von Nachrichten und Filmausschnitten mit großer Realitätsnähe für Kinder unter 12 Jahren keine Möglichkeit, Realität und Fiktion zu trennen.
Insgesamt entfielen auf den Bereich Rundfunk 37 Fälle, darunter auch eine Folge der Sky-Wrestlingshow "TNA Impact!" wegen der Gewaltdarstellung, eine Episode der TNT-Serie "Stroker and Hoop" wegen vulgärer Sprache und die mehrfache Andeutung von sexualisierten Handlungen sowie eine Episode der US-Comedyserie "The Hard Times of RJ Berger", die Viva um 17.15 Uhr ausstrahlte. Die KJM stellte dazu fest, dass die Episode sexuelle Themen enthält, die dem Entwicklungsstand von Kindern unter 12 Jahren nicht entsprechen und von ihnen nicht eingeordnet werden können.
Bei den Telemedien-Angeboten berichtet die KJM nur in anonymisierter Form gegen Verstöße. Insgesamt verzeichneten die Jugendschützer hier zehn Fälle, darunter wegen volksverhetzenden Inhalten, Pornografie und expliziten Schilderungen von sexuellen Vorgängen. Begrüßenswert: In 22 Fällen wurde das Verfahren eingestellt, da die jugendschutzrelevanten Inhalte nach der Anhörung des Anbieters entfernt worden und auch die weiteren Voraussetzungen für eine Einstellung (kein absolut unzulässiges Angebot, kein Wiederholungstäter) gegeben waren.
Die KJM beschloss  – je nach Art und Schwere der Verstöße gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag – Beanstandungen, Untersagungen und/oder Bußgelder. Die entsprechenden Verwaltungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren führen die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten durch. Strafrechtlich relevante Inhalte gibt die KJM an die zuständigen Staatsanwaltschaften ab.

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