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Int-Veen: Kadaver-Queen mit Helfer-Syndrom

Vera Int-Veen steht für eine neue Dimension der Verrohung im Privat-TV. In ihren Sendungen “Schwiegertochter gesucht” und “Mietprellern auf der Spur” werden Leute gnadenlos vorgeführt und die Menschenwürde mit Füßen getreten. Doch all dies geschieht unter dem Deckmantel der Aufklärung und Lebenshilfe. Das Video mit Rohmaterial ihrer “Mietpreller”-Sendung und ihr Rechtfertigungs-Interview in Bild am Sonntag zeigten, wie das System Vera tickt - zwischen Kadaver-TV und einer Art Helfer-Syndrom.

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Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Vera Int-Veen das von Bild.de veröffentlichte Video rechtfertigt, in dem zu sehen ist, wie sie und ihr Kamerateam einen geistig zurückgebliebenen jungen Mann schikanieren, ist schon bemerkenswert. Man könnte auch sagen: skrupellos. Von der BamS auf die offensichtliche Schummelei beim Schnitt angesprochen, reagiert sie ausweichend. “Wenn” durch den Schnitt dem jungen Mann eine falsche Antwort in den Mund gelegt worden sein sollte, werde das Konsequenzen haben. “Natürlich” werde viel weggeschnitten. Aber getrickst werde bei ihr nicht. Sie sei gegen jede Schummelei.

Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. In dem Video ist eindeutig zu sehen, dass der junge Mann die Frage, ob das TV-Team in die Wohnung darf, verneint hat. Anschließend fragte Vera Int-Veen, ob er sich freue, seine Schwester zu sehen. Darauf sagte er “Ja”. Dieses “Ja” wurde in der ausgestrahlten Sendung hinter die Frage nach dem Wohungszugang geschnitten. Wie Frau Int-Veen in dem BamS-Interview mitteilte, hat man sich deswegen bei der Produktionsfirma Imago TV bereits vom zuständigen Schnittproducer getrennt. Sie selbst habe mit dem Schnitt selbstverständlich “nichts zu tun” gehabt. Das Wort vom “Bauernopfer” liegt einem auf der Zunge.

Die mit großem “Wenn” versehenen Konsequenzen wurden also im Kleinen längst vollzogen. Der Schnittproducer wurde gefeuert und es geht weiter im Programm. Aber das Problem ist nicht nur der Schnitt. Das Problem ist die ganze, zutiefst menschenverachtende Art und Weise, wie Vera Int-Veen mit den Leuten in ihrer “Mietpreller”-Sendung offenbar umgeht. Das Problem ist, dass sie am Ende des Videos ihr Kamerateam – “hopp, hopp, hopp” – antreibt, einem Behinderten hinterherzujagen und dabei im Jagdeifer ein “Geil!” in die Kamera keucht. Das Problem ist, was solche TV-Formate augenscheinlich mit Menschen anstellen. Und zwar vor und hinter der Kamera.

Wenn man das Video mit dem Rohmaterial gesehen hat und diese Bilder im Kopf hat, muss man sich nur mal ein paar der älteren Vera-Int-Veen-Sendungen von “Schwiegertochter gesucht” anschauen. In der gruseligen Freak-Show nach “Bauer sucht Frau”-Machart werden möglichst schwer vermittelbare Junggesellen (Vera-Jargon: “Schwieger-Jungs”) verkuppelt. Die Herren haben meistens seltsame Hobbys (sammeln z.B. High Heels) und werden genretypisch mit “witzigen” Etiketten belegt (“Der lustige Leierkastenmann”). Zu gerne hätte man mal gesehen, wie sich Frau Int-Veen nach Drehschluss mit ihrem TV-Team über die “Schwieger-Jungs” unterhält. Nach Ansicht des Bild.de-Videos kann man sich das ungefähr vorstellen.

In der Sendung “Helfer mit Herz” inszenierte Vera Int-Veen als eine Art TV-Engel mit hochgeschobener Sonnenbrille. Jemand, der Leuten beisteht, die in Not geraten sind. Auf ihrer Website lobt sie sich ausführlich selbst für ihr soziales Engagement, zeigt Bilder wie sie armen Kindern hilft und gibt fremden Leuten gute Ratschläge “mit Herz”. Und jetzt stochert sie halt bei “Mietprellern auf der Spur” in Tierkadavern herum, untersucht vollgepinkelte Matratzen, jagt geistig Behinderten hinterher und meint damit, Menschen helfen zu können. Wie hält man einen solchen Spagat aus, zwischen Urin-Lachen, Prekariats-Tourismus und Helfer-Syndrom? Ob sie wirklich selbst glaubt, was sie da redet? Man weiß nicht so recht, was beunruhigender wäre: Wenn sie es selbst glaubt oder wenn sie es nur spielt.

In der “NDR Talkshow” hat der TV-Koch Tim Mälzer Vera Int-Veen mal ganz simpel und direkt gefragt: “Warum machst Du so einen Dreck?” (Hier der Ausschnitt bei Fernsehkritik.tv) Eine überzeugende Antwort darauf ist sie bis heute schuldig geblieben.

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