Ergo: Das Image-Desaster geht weiter

Marketing Der Versicherungskonzern Ergo macht schon wieder Negativ-Schlagzeilen. Der Spiegel berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass Ausländer bei der Ergo-Tochterfirma D.A.S. jahrelang als “unerwünschtes Risiko” gegolten haben sollen. Besonders Türken seien als Kunden unerwünscht gewesen, schreibt das Magazin und beruft sich auf Ex-Vertreter. Ergo bestreitet die Vorwürfe. Der Konzern war zuvor wegen einer Sex-Party für Vertreter und falsch berechneter Riester-Verträge in die Schlagzeilen geraten.

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Der Fall Ergo kann einmal bei Kommunikations-Studiengängen als Musterbeispiel dafür benutzt werden, was alles schief laufen kann. Zuerst erfindet der Konzern die Dachmarke Ergo und verschmilzt dazu die beiden Marken Victoria und Hamburg-Mannheimer. Der neue Name Ergo wird mit einer Millionen Euro schweren PR- und Werbekampagne (“Versichern heißt verstehen”) bekannt gemacht. So weit, so normal.

Dann kam heraus, dass Vertreter der Ergo-Tochter HMI in Budapest mit Prostituierten eine rauschende Sex-Party gefeiert haben. Es folgten Enthüllungen über dubiose Trinkspiele bei Vertreter-Parties. Außerdem wurden Riester-Verträge falsch berechnet. Bundesliga-Trainer Jürgen Klopp schmiss daraufhin seine Tätigkeit als HMI-Testimonial hin.

Ergo selbst reagierte zunächst, indem die Werbekampagne zurückgefahren wurde. Es folgte nach einiger Zeit eine kleinlaute Entschuldigung mit einer ganzseitigen Anzeige in überregionalen Tageszeitungen. Im Konzern gärte es derweil weiter. Die Financial Times Deutschland berichtete, dass sich Mitarbeiter im Intranet der Firma über die Unternehmenskultur und die Krisenkommunikation der Firma massiv beklagen.

Und nun deckt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe auf, dass die Ergo-Tochter D.A.S. jahrelang Ausländern oder Deutschen mit ausländisch klingen Namen Autoversicherungen verweigert haben soll. Das Magazin beruft sich dabei auf eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Vertretern. Der Spiegel zitiert einen Ergo-Sprecher, der in der seltsam gespreizten Konzernsprache sagt: "In unseren Kfz-Tarifen gibt es seit 1995 keine Zuschläge oder Ähnliches, was an die Nationalität des Kunden geknüpft ist. Eine Auswertung unseres Bestandes ‘Deutsche vs. andere Nationalitäten’ zeigt keine Ungleichbehandlung." Da fragt man sich doch gleich: Und was war vor 1995? Und es fällt auf, dass die Rechtfertigung nichts mit den Vorwürfen zu tun hat. Es ging ja nicht um Zuschläge, sondern um abgelehnte Kunden.

Wer heute den Namen Ergo hört, der denkt wahrscheinlich zuerst an Sex-Parties, Trinkspiele, Vertrags-Mauscheleien, Ausländer-Diskriminierung und herumeiernde Stellungnahmen. Die Ergo-Strategen sollten vielleicht den einen oder anderen Euro für eine weitere Namensänderung zurücklegen.

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